Bierhoff: Ballack muss sich erst wieder integrieren

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Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff traut Michael Ballack zu, sich auch nach seiner langen Pause wieder im DFB- Team zurechtzufinden.

Köln - Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff stellt Michael Ballack bei dessen Rückkehr in die DFB-Elf keinen Freifahrtschein aus. Er müsse sich erst an die neue Generation anpassen und wieder ins Team integrieren.

Man kenne Ballacks große Persönlichkeit und seine hohe Qualitäten, die für das Team gut und wichtig seien. “Aber er weiß auch, dass ein Spieler, der lange weg war, sich in eine neu formierte Mannschaft erst wieder integrieren muss“, sagte Bierhoff in einem Interview der “Süddeutschen Zeitung“ (Freitag).


“Vielleicht merkt er ja, dass es ihm guttut, wenn die Last nicht mehr auf ihm alleine liegt. Er kann das durchaus auch als positiven Aspekt sehen und sich in einem funktionierendem Team weiterhin auf hohem Niveau einbringen“, ergänzte Bierhoff. Inzwischen werde die Verantwortung anders als früher auf mehrere Spieler verteilt. Das wichtigste sei heute, sich in einem Team zu integrieren. “Aber er kann das auch“, erklärte Bierhoff im Bezug auf Ballack.

Ballacks Krankenakte in der Nationalmannschaft seit 2006

August 2006: Wenige Tage vor der Premiere von Joachim Löw als Bundestrainer verletzt sich Ballack im englischen Supercup-Spiel mit dem FC Chelsea gegen den FC Liverpool an der Hüfte. Ein Einsatz beim Löw-Debüt gegen Schweden (3:0) in Gelsenkirchen ist nicht möglich. © Getty
April 2007 - Februar 2008: Ballack zieht sich im Ligaspiel gegen Newcastle eine Knöchelverletzung zu. Nach einer ersten Operation muss er zunächst die Teilnahme an den Länderspielen gegen San Marino und die Slowakei absagen. Comeback-Pläne scheitern, es folgt eine zweite Operation und eine Auseinandersetzung zwischen dem Spieler, Chelsea, und den DFB-Verantwortlichen um die Behandlung von Ballacks Knöchel. Erst zu Beginn des Jahres 2008 kann Ballack nach fast einem Jahr Länderspiel-Zwangspause wieder im DFB-Trikot auflaufen. © Getty
Juni 2008: Einen Tag vor dem EM-Finale wird publik, dass Ballack wegen einer Wadenverletzung nicht trainieren kann. Löw ging nicht davon aus, dass sein Kapitän gegen Spanien spielen kann. 24 Stunden später steht der Kapitän aber auf dem Rasen, kann die 0:1-Niederlage gegen die Iberer aber nicht verhindern. © Getty
August - September 2008: Im Ligaspiel gegen Portsmouth zieht sich Ballack eine Sehnenverletzung im linken Mittelfuß zu und sagt für das Länderspiel gegen Belgien (2:0) ab. Vier Tage später spielt er gegen Wigan Athletic wieder für Chelsea, doch die Probleme bleiben. Nach einer Untersuchung bei Bayern- und DFB-Arzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt muss er aber auch für die WM-Qualifikation in Liechtenstein und Finnland absagen. © Getty
Oktober - November 2008: Die rechte „Problem-Wade“ macht Ballack nach einem Tritt beim 2:1 gegen Russland erneut zu schaffen. Ballack verpasst zwar das Abschlusstraining vor dem Spiel gegen Wales, kann jedoch auflaufen. Nach der Partie (1:0) klagt er über Schmerzen in den Füßen. In Augsburg wird ihm im Vorderfuß jeweils ein Neurom (gutartige Knotenbildung) entfernt. Müller-Wohlfahrt ging von 2 Wochen Pause aus. Doch nach dem Streit mit Bundestrainer Löw steht Ballack einen Monat nach seiner OP nicht im Kader für das Länderspiel gegen England. © Getty
Dezember 2008: Trotz einer Platzwunde an der rechten Schläfe hält Ballack mit einem Kopfverband im Ligaspiel bei den Bolton Wanderers bis zum Schluss durch. © Getty
Juli 2009: Ballack erlitt im Vorbereitungsspiel von Chelsea beiden Seattle Sounders einen Bruch des kleinen Zehs und flog aus dem Trainingslager nach England zurück, wo er mit einer Spezialbandage ein individuelles Fitnessprogramm absolviert. Der Einsatz im WM-Qualifikationsspiel in Aserbaidschan drei Wochen später wird zum Wettlauf gegen die Zeit. © Getty
Mai 2010: Ballack wird im FA-Cup-Finale mit dem FC Chelsea gegen Portsmouth von Kevin Boateng gefoult und muss ausgewechselt werden. Eine erste Röntgenuntersuchung ergibt, dass nichts gebrochen ist. Der Knöchel ist stark geschwollen, sodass erst am Montag in München bei Nationalmannschaftsarzt Müller-Wohlfahrt in München eine Kernspintomographie folgt. Dabei wurde ein Innenbandriss und ein Teilriss der Syndesmose im oberen rechten Sprunggelenk diagnostiziert. Damit ist das WM-Aus perfekt. © Getty
September 2010: Im dritten Bundesliga-Spiel seit seiner Rückkehr zu Bayer Leverkusen verletzte sich Ballack schon wieder. Diagnose: Eine feine Fraktur im Schienbeinkopf des linken Beines - sechs Wochen Pause. Damit verzögert sich das Comeback in der Nationalmannschaft zunächst. © Getty
Im Mai 2011 endet schließlich Ballacks Karriere in der Nationalmannschaft, Bundestrainer Joachim Löw (r.) erklärt, künftig nicht mehr auf den Mittelfeldspieler zu setzen. © getty

Mit Sorge betrachtet der 42-Jährige den zunehmenden Kampf der diversen Nationalverbände um in Deutschland aufgewachsene Nachwuchsspieler mit Migrationshintergrund. “Wir kämpfen um jeden Jungen, aber wir haben Grenzen. Wir zahlen kein Geld, wie das andere Verbände zum Teil machen, wir besorgen den Eltern keine Jobs.“

Zurückhaltend beurteilte Bierhoff das Ansinnen des Brasilianers Luiz Gustavo von 1899 Hoffenheim, künftig gerne für Deutschland spielen zu wollen. Er habe mit Bundestrainer Joachim Löw festgelegt, erst einmal abzuwarten. “Grundsätzlich gilt: Wenn ich merke, dass so etwas aus Karrieregründen passiert, neige ich dazu, so ein Angebot abzulehnen“, sagte Bierhoff.

dpa

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