Premier League

Boxing Day: Weihnachtstradition bleibt auch in Corona-Zeiten

Jürgen Klopp
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Schaut dem Boxing Day in diesem Jahr etwas enstpannter entgegen: Liverpool-Coach Jürgen Klopp. Foto: Adam Davy/PA Wire/dpa

Geliebt oder gehasst: Am zweiten Weihnachtsfeiertag wird in der englischen Premier League wieder einmal Fußball gespielt. Die Umstände haben sich mit Corona allerdings verändert.

London (dpa) - Der Boxing Day und Jürgen Klopp - bislang hat der Traditionsspieltag am zweiten Weihnachtsfeiertag in der Premier League keine große Freude beim Welttrainer 2020 ausgelöst.

Zu viele Spiele, zu wenig Erholung für seine Profis, monierte Klopp stets. In diesem Jahr hat der Trainer des englischen Fußballmeisters FC Liverpool aber Glück. «Wir haben jetzt mehr Zeit, uns zu erholen, als je zuvor in der Saison», sagte der ehemalige Bundesliga-Coach.

In den vergangenen Wochen polterte der 53-Jährige aufgrund der hohen Belastung immer wieder gegen den Spielplan, die übertragenden TV-Sender, gegen die TV-Verträge oder gegen die Anstoßzeiten. Nun kann sich der Premier-League-Tabellenführer fast schon entspannen. Einen Tag nach dem Boxing Day empfängt der Traditionsclub West Bromwich Albion, danach folgt erst am 30. Dezember die Begegnung bei Newcastle United. Klopp erwartet aber schwere Spiele, nicht nur am Sonntag gegen West Brom. «Wir wissen, wie hart es ist, wie hart es war und wie hart es sein wird», betonte er am Heiligabend.

Für Pep Guardiola und Rivale Manchester City geht es nach dem Boxing Day schon 48 Stunden später weiter - und das ohne die positiv auf das Coronavirus getesteten Profis Gabriel Jesus und Kyle Walker. «Jetzt Newcastle, danach Everton und nur zwei Tage Unterschied», sagte der frühere Bayern-Trainer genervt. Eine Winterpause wie im vergangenen Jahr wird es wegen der durch die Coronavirus-Pandemie später gestarteten Saison nicht geben. Der Spielplan ist bis zum Saisonende am 23. Mai 2021 eng getaktet, sehr zur Freude der übertragenden TV-Sender.

Die Trainer mahnen und kritisieren, ansonsten wird meist über den Weihnachtsfeier-Spieltag geschwärmt. «Es ist einfach etwas Besonderes, von der Stimmung her und für die Leute», sagte TV-Experte Dietmar Hamann, der mit Liverpool, Manchester City und Newcastle United die Boxing-Day-Spiele vor meist ausverkaufter Kulisse erleben durfte. Markus Babbel, ebenfalls unter anderem einst beim FC Liverpool, betonte im «Kicker»: «Diese Tradition ist den Engländern heilig.» Die gesamte Zeit rund um Weihnachten und Neujahr sei für die Spieler eine extrem hohe Belastung. «Wenn du die zehn Tage hinter dich gebracht hast, bist du erst mal chemisch gereinigt.»

Zuschauer werden wegen der Corona-Pandemie in den meisten Stadien nicht sitzen, die Infektionszahlen sind auch in England wieder angestiegen. Leidtragende sind auch die Pubs, die sich sonst am zweiten Weihnachtsfeiertag über zahlreiche Kundschaft während der über den Tag verteilten Spiele erfreuen konnten.

Als kleinen Ausgleich für die Fans auf der Insel hat die Liga es der BBC erlaubt, die Partie Aston Villa gegen Crystal Palace am 26. Dezember (16.00 Uhr/in Deutschland bei Sky) im frei empfangbaren Fernsehen zu zeigen - so etwas gab es am Boxing Day noch nie. Dazu gibt es mit den Spielen des Zweiten Leicester City gegen den Dritten Manchester United (13.30 Uhr/Sky) sowie dem London-Derby zwischen Arsenal mit Torhüter Bernd Leno gegen Chelsea mit Timo Werner und Kai Havertz (18.30 Uhr/Sky) zwei Leckerbissen.

Doch woher kommt überhaupt der Begriff Boxing Day? Er entstand im 19. Jahrhundert zu Zeiten von Königin Victoria. Damals war es üblich, dass die reichere Bevölkerung Weihnachtspakete schnürte, um sie ärmeren Menschen und Angestellten zu geben. Bedienstete hatten am 26. Dezember frei und bekamen an diesem Tag von ihren Herren ihr Weihnachtspaket, das sie dann mit nach Hause zu ihren Familien nahmen. Seit 1966 beschenkt an diesem Tag der Fußball seine Fans.

Und sorgte für findige Profis. Der frühere Mittelfeldspieler Kevin Nolan (West Ham und Newcastle United) schaffte das Kunststück, fünfmal nacheinander in den Spielen zwischen Weihnachten und Neujahr wegen einer Rot- oder Gelbsperre zusehen zu müssen. Der ehemalige Schiedsrichter Howard Webb berichtete, dass einige Akteure durchaus das Gespräch suchten. «'Eine Gelbe Karte könnte mir helfen'», sagte Webb über einen Wunsch der Profis. Sie wollten an Weihnachten doch lieber bei ihren Familien sein.

© dpa-infocom, dpa:201225-99-810653/5

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