"Dann war der Daumen ab" - Beuckert plant Comeback

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Daumen nach oben für Sven Beuckert. Der Keeper plant sein Comeback.

Duisburg - Mit Millimeter-Entscheidungen kennt sich Sven Beuckert aus. Vor einem halben Jahr wurde dem Torwart, zu dessen Job es gehört, auch scharf geschossene Bälle mit den Fingerspitzen zu parieren, bei einem Reitunfall der rechte Daumen fast vollständig abgerissen.

 “Alles war zerstört: Sehnen, Muskeln und Gelenk“, erinnert sich der Ex-Keeper des MSV Duisburg. Heil war nur noch ein zwei Millimeter dünner Fetzen mit einer Arterie, der den abgetrennten Daumen mit Blut versorgte. Dies war die Grundlage, dass der 37-Jährige nach einer komplizierten Operation und Monaten der Ungewissheit seine Rückkehr ins Profigeschäft anstreben kann: “Ich schaffe das.“

Seit Jahren hält die Familie Beuckert mehrere Pferde auf einem Gestüt im niederrheinischen Hünxe. Als Sven Beuckert die Stute Luisa am 22. Juni zur Koppel führen wollte, riss sich das Pferd plötzlich los. Beuckerts Hand verhedderte sich in einer Schlaufe des Halte-Stricks. “Dann war der Daumen mit einem Ruck abgetrennt. Durch den Schock hatte ich keine Schmerzen und habe mir die Bescherung erstmal in Ruhe angesehen“, erzählt der Keeper, der sechs Bundesliga- und 56 Zweitliga-Spiele für den MSV Duisburg und Union Berlin bestritt.

Unvergessene Torwart-Legenden

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Aussichtsreiche Verhandlungen mit ambitionierten Vereinen waren durch den Unfall schlagartig hinfällig geworden. Dass der acht Tage später auslaufende Vertrag in Duisburg nicht verlängert wird, hatte ihm der MSV schon mitgeteilt. Chirurgen operierten in einer Spezial- Klinik aus dem Unterarm einen Nerv, der in den Daumen transplantiert wurde. Erst zwei Monate später hatte Beuckert die Gewissheit, dass eine Amputation vermeidbar ist. Nun müsse nur der transplantierte Nerv noch so weit wachsen, bis er wieder ein Gefühl in allen Teilen der rechten Hand habe: “Die Ärzte sagen, es dauert nicht mehr lange.“

Ohnehin habe er gleich nach vorne geblickt. “Ein abgerissener Daumen ist ein Schicksalsschlag, aber eine Krebsdiagnose wäre doch viel schlimmer“, sagt Beuckert. Ludger Beerbaum, Olympiasieger im Springreiten, habe ihm erzählt, dass ein abgetrennter Finger in der Reiterszene kein Einzelfall sei. Demnächst will Beuckert wieder reiten, momentan passe das allerdings nicht in seinen Reha-Plan.

Das zurückliegende Jahr hat Beuckert abgehakt. Im März möchte er wieder fit sein - und spätestens zur nächsten Saison im Tor stehen. “Das Ziel, wieder in ein Stadion einzulaufen, spornt mich an“, sagt er. Der Keeper weiß, dass dann alle auf seine Hände schauen und bei Patzern nachfragen werden, ob der Daumen wirklich wiederhergestellt ist. “Klar, dass die Leute gucken. Aber ich musste in den letzten 15 Jahren auch damit leben, keine Bälle durchlassen zu dürfen.“

dpa

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