Meiste Champions-League-Tore

BVB feiert Rekordschützen Lewandowski

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Ist mit 18 Toren Dortmunds Rekordschütze im Europacup: Robert Lewandowski.

St. Petersburg - Cool, treffsicher, unverwüstlich - die Abschiedstournee von Robert Lewandowski beim BVB wird zur verblüffenden Erfolgsstory.

Sein Abschied naht, doch er trifft und trifft. Auch beim 4:2 in St. Petersburg profitierte der BVB von der Kaltschnäuzigkeit seines Torjägers Lewandowski. Und das, obwohl die Tage des künftigen Münchners in Dortmund gezählt sind. Wenige Monate vor seinem Wechsel nach München sicherte sich der Pole einen Eintrag in die Vereinschronik. Mit zwei Treffern zum 4:2 (2:0) in St. Petersburg löste er Stéphane Chapuisat als bisher besten Dortmunder Europacup-Schützen ab. Unbeeindruckt vom langen Transfer-Bohei brillierte Lewandowski erneut in der Rolle eines Champions-League-Hauptdarstellers. Das nötigte BVB-Kapitän Sebastian Kehl Respekt ab: „Robert hat sich vom Theater um seine Person nie anstecken lassen.“


Das Machtwort der Borussia, Lewandowski im vorigen Sommer die Freigabe für einen vorzeitigen Wechsel zu verweigern, macht sich mehr und mehr bezahlt. Wie von Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke prophezeit, spielt der bis 2014 vertraglich an den BVB gebundene Profi den verloren gegangenen Transfererlös wieder ein. Nicht nur auf dem Platz untermauerte er seinen Ruf als Musterprofi: „Ich will so viele Spiele wie möglich gewinnen. Es spielt überhaupt keine Rolle, dass ich nach der Saison weggehe."

Lewandowski: Chronik des langwierigen Wechsels

Nach einem schier endlosen Hin und Her steht der Wechsel von Robert Lewandowski von Borussia Dortmund zum FC Bayern München endlich fest. Wir dokumentieren Stationen des langwierigen Transfers. Die Bilder sind verschiedene Archivfotos des Stürmers, stammen also nicht vom angegebenen Tag. © dpa
8. Januar 2012: Bayern-Präsident Uli Hoeneß sieht Bedarf für eine „Bombe“ im Sturm. An Robert Lewandowski denkt da wohl noch keiner. © dpa
12. Mai 2012: Robert Lewandowski setzt sich mit seinem Auftritt im DFB-Pokalfinale im Bayern-Gedächtnis fest. Der Pole erzielt drei Tore für Borussia Dortmund bei der 5:2-Demütigung in Berlin. © dpa
5. Februar 2013: Medien spekulieren über intensive Verhandlungen Lewandowskis mit dem FC Bayern. Beide Vereine äußern sich nicht. Der Stürmer kündigt später eine Entscheidung für den Sommer an. © dpa
6. Februar 2013: Der FC Bayern hält sich bei den Spekulationen um einen möglichen Wechsel Lewandowskis nach München bedeckt und verweist auf die Entstehungsgeschichte. „Die Geschichte ist über einen spanischen Blog entstanden. Das ist schon eine Art Gerüchteküche, die der Küchenschabe relativ nahe kommt“, sagt Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. © dpa
13. Februar 2013: Bayern-Stürmer Mario Mandzukic macht sich trotz der anhaltenden Spekulationen um einen Transfer keine großen Sorgen. „Warum sollte ich das tun? Wenn Qualitätsspieler kommen, ist das immer gut.“ © dpa
16. Februar 2013: BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke glaubt nicht an einen Wechsel Lewandowskis im Sommer. „Das ist nicht sehr wahrscheinlich. Wenn er 2013 wechseln möchte, muss er uns irgendwann sagen, wohin er möchte. Dann werden wir prüfen, was für Borussia Dortmund das Beste ist.“ © dpa
17. Februar 2013: Die Zeichen im Fall Lewandowski stehen auf Trennung. „Ich glaube nicht, dass es zu einer Vertragsverlängerung kommen wird“, sagt BVB-Sportdirektor Michael Zorc. Er behält recht. © dpa
19. Februar 2013: Der FC Bayern sieht sich bei einer möglichen Verpflichtung des Dortmunder Torjägers nicht in Zugzwang. „Tatsache ist, dass wir drei gute Stürmer haben. Und dass wir in keinerlei Not sind“, sagt Präsident Hoeneß. © dpa
25. Februar 2013: Die Zukunft von Lewandowski liegt nach Aussage seines Beraters nicht bei Borussia Dortmund. „Wer Roberts Karriere verfolgt hat, wird wissen, dass er in keinem Verein länger als zwei Jahre gespielt hat. In Dortmund spielt er bereits in seiner dritten Saison. Wer zwischen den Zeilen lesen kann, wird wissen, was das bedeutet“, sagt Cezary Kucharski im polnischen Fernsehen. © dpa
3. März 2013: Watzke gibt sich im Transfer-Poker gelassen. „Wir sind ganz frei in unserer Entscheidung.“ Nur wenn ein Verein komme und einen „sehr, sehr hohen Preis“ biete, sei man bereit, über einen Wechsel des noch bis 2014 unter Vertrag stehenden Profis schon in diesem Sommer nachzudenken. © dpa
23. April 2013: Nach dem feststehenden Wechsel von Mario Götze zum FC Bayern will Borussia Dortmund nicht auch noch Torjäger Robert Lewandowski gehen lassen. „Es ist mein absoluter Wunsch, dass er nächste Saison beim BVB spielt“, sagt Watzke. © AFP
26. April 2013: Bayern München dementiert Medienberichte über einen angeblichen Vertragsabschluss. „Der FC Bayern hat entgegen dieser Meldungen keinen Vertrag mit Robert Lewandowski.“ © AFP
4. Mai 2013: Das Dauerthema Robert Lewandowski und ein möglicher Weggang von Borussia Dortmund bekommt immer skurrilere Züge. Real Madrids Präsident Florentino Perez soll nach dem Champions-League-Aus gegen den BVB in den Katakomben des Stadions Santiago Bernabeu um einen Wechsel beim Stürmer geworben haben. © AFP
26. Mai 2013: Nach dem Champions-League-Triumph deutet Bayern-Coach Jupp Heynckes einen baldigen Wechsel von Lewandowski. „Mario Götze wird kommen. Lewandowski wird auch nicht mehr lange auf sich warten lassen. Dann hat man noch zwei top Offensivspieler dazu.“ © AFP
27. Mai 2013: Ein Vereinswechsel des Dortmunder Torjägers Robert Lewandowski zu Bayern München ist nach Angaben seines Beraters Cezary Kucharski nur noch eine Frage von wenigen Wochen. © AFP
5. Juni 2013: Lewandowski strebt eine schnelle und einvernehmliche Trennung von Borussia Dortmund an. „Ich gehe davon aus, dass nun alles geklärt wird und ich diesen Sommer zu meinem Wunschverein wechseln darf. Das wäre für alle Seiten das Beste.“ © AFP
9. Juni 2013: Machtwort von Borussia Dortmund. „Robert Lewandowski wird 2013 definitiv nicht zum FC Bayern wechseln. Das ist endgültig! Das haben wir Robert und seinen Beratern jetzt mitgeteilt“, erklärt Watzke. Der BVB schlägt damit eine hohe Ablösesumme aus. © AFP
9. Juli 2013: Der FC Bayern plant nach dem Verkauf von Torjäger Mario Gomez fest mit Lewandowski als künftigem Stürmerstar. „Ich bin durchaus optimistisch, dass der Spieler im nächsten Sommer zu Bayern München wechseln wird“, erklärt Rummenigge. © AFP
17. Juli 2013: Lewandowski findet sich mit dem Verbleib beim BVB ab. „Ich muss das akzeptieren, dass ich in Dortmund bleiben muss“, sagt der polnische Nationalspieler im Trainingslager in der Schweiz. Wenige Tage später sagt er: „Ich verberge nicht, dass ich mich betrogen fühle.“ Kein Problem für Jürgen Klopp. „Es ist alles in Ordnung. Alles, was es da noch zu besprechen gibt, wird intern besprochen.“ © AFP
18. August 2013: Borussia Dortmund bestätigt eine kräftige Gehaltserhöhung für den Polen. „Es ist nun so, dass ich noch ein weiteres Jahr in Dortmund bleiben werde. Wir haben alle Unstimmigkeiten beseitigt und uns ausgesprochen. Es gibt keine Probleme mehr“, sagt der polnische Nationalspieler kurz danach. © dpa
25. September 2013: Lewandowski deutet an, dass sein erwarteter Wechsel Anfang 2014 fix gemacht werden dürfte. Dann dürfe er offiziell auch den neuen Vertrag unterschreiben, sagt er nach dem DFB-Pokalspiel beim Zweitligisten TSV 1860 München. © dpa
4. Januar 2014: Lewandowski unterzieht sich dem medizinischem Check, um danach einen Vertrag bei seinem künftigen Verein zu unterschreiben. © dpa

Bedenken, er würde sich in den Schmollwinkel zurückziehen und bis zum Vertragsende im Juni nur noch Dienst nach Vorschrift tun, sind nach Einschätzung von Sportdirektor Michael Zorc lange ausgeräumt: „Über seine Leistung muss man nicht viel reden - sie ist auch in dieser Saison richtig gut.“

Im Rampenlicht der Königsklasse fühlt sich Lewandowski besonders wohl. Mit zehn Treffer ebnete er der Borussia in der vergangenen Spielzeit den Weg ins Endspiel von Wembley. In dieser Saison steuerte er bereits sechs Treffer zum nahen Einzug ins Viertelfinale bei. Den Hinweis, dass er mittlerweile zwei Europacup-Tore mehr für den BVB als Chapuisat (16) erzielt hat, quittierte der künftige Münchner mit ungläubigem Staunen. „Wirklich? Aber das spielt keine Rolle.“ Lächelnd fügte er an: „Wir spielen weiterhin in der Champions League. Ich hoffe, dass ich noch ein paar weitere Tore schieße.“

Gut möglich, dass sein Wunsch in Erfüllung geht. Denn die Tür zum Viertelfinale steht sperrangelweit offen. Beim furiosen Start in die Partie mit dem frühesten Doppelschlag der Dortmunder Europacup-Historie durch Henrich Mchitarjan (4.) und Marco Reus (5) und bei den Toren von Lewandowski (61./71.) deckte der BVB die Schwächen des Gegners schonungslos auf. „Das ist eine sehr, sehr gute Ausgangsposition, die man nutzen sollte. Auch wenn im Fußball schon viel passiert ist“, kommentierte Zorc.

Zum bereits dritten Mal in dieser Saison gewann der BVB nur wenige Tage nach einer Bundesliga-Schlappe eine Champions-League-Partie. Anders als beim ernüchternden 0:3 drei Tage zuvor in Hamburg fand das Team zurück zu seinem hochgelobten Umschaltspiel. Das half Geschäftsführer Watzke über den jüngsten Bundesliga-Frust hinweg: „Es wäre eine fantastische Geschichte, wenn wir wieder ins Viertelfinale einziehen würden. Das würde für Nachhaltigkeit sprechen.“

Anders als Zorc und Watzke vermied Jürgen Klopp wohlweislich das Wort Viertelfinale. Ungeachtet der schwachen Vorstellung des Gegners, dem es nach der langen und noch immer anhaltenden russischen Winterpause an Wettkampfhärte mangelte, erwartet der BVB-Trainer für das Rückspiel in drei Wochen noch ein schweres Stück Arbeit: „Das war heute nah am Optimum. Aber wir haben nur einen ersten Schritt getan, mehr ist noch nicht passiert.“

dpa

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