HSV empfängt den Rekordmeister

Bayern als letzter Akt? Labbadia will "kleine Chance nutzen"

Bruno Labbadia legte mit seinem Hamburger SV einen Fehlstart hin.
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Bruno Labbadia legte mit seinem Hamburger SV einen Fehlstart hin.

Hamburg - Vier Spiele, ein Punkt - und jetzt kommt auch noch der FC Bayern: Für Bruno Labbadia könnte am Samstag der letzte Vorhang als Trainer des Hamburger SV fallen.

Auf seine morgendliche Zeitungslektüre sollte Bruno Labbadia zurzeit lieber verzichten. Ungeachtet der Vorbereitung auf das Heimspiel gegen Bayern München wird in der Hansestadt seit Tagen ungeniert über mögliche Nachfolger des HSV-Trainers spekuliert. Labbadias Rauswurf gilt für die meisten schon als beschlossene Sache.

Doch den 50-Jährigen ficht die skurrile Situation - zumindest äußerlich - nicht an. Vor seinem Schicksalsspiel lässt Labbadia all den Trubel um seine Person erstaunlich souverän an sich abprallen. Die fehlende Rückendeckung der Klub-Bosse? Nicht sein Thema. Die drohende Beurlaubung? Blendet er aus.

"Ich versuche auf Dinge einzuwirken, auf die ich Einfluss habe", sagt Labbadia und lenkt alle Konzentration auf das schier unmögliche Unterfangen gegen den Rekordmeister: "Die kleine Chance, die da ist, wollen wir nutzen - da wollen wir zugreifen und zupacken." Dies gilt vor allem für ihn selbst: Nach drei Niederlagen nacheinander kann der Coach wohl nur mit einem Erfolgserlebnis am Samstag (15.30 Uhr/Sky) seinen Job retten.

Doch die Bilanz spricht gegen ihn und den HSV: Als Trainer verlor Labbadia elf von zwölf Partien gegen die Bayern. Der HSV ist gar seit 13 Spielen (10 Niederlagen) sieglos gegen den Branchenprimus.

Spekulationen um Labbadias Nachfolge reißen nicht ab

Und so reißen die Spekulationen um Labbadias Nachfolge nicht ab, im Gegenteil. Nach den Gerüchten über Julian Nagelsmann vom Liga-Konkurrenten 1899 Hoffenheim als Wunschkandidaten rückten am Freitag Markus Gisdol und der ehemalige Chelsea-Coach André Villas-Boas in den Fokus.

Der zurzeit vereinslose Gisdol soll laut Bild-Zeitung "ganz oben auf dem Zettel" des Klubs stehen. Der Portugiese Villas-Boas, den HSV-Vorstandschef Dietmar Beiersdorfer 2014 nach St. Petersburg lotste, befeuerte die Berichte, in dem er sich mit deutschem Wörterbuch bei Instagram in Szene setzte.

Labbadia kennt sich aus mit existenziellen Krisen beim HSV. Als er vor 17 Monaten ins Amt gehievt wurde, stand der Klub sechs Spieltage vor dem Ende der Saison 2014/15 auf dem letzten Platz. Mit zehn von 18 möglichen Punkten führte Labbadia den Verein noch in die Relegation und avancierte dort zum Retter.

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"Als ich kam, konnte es nur ein Mann richten", erinnerte sich Labbadia: "Daran hat sich nichts geändert." Am Samstag ist der Coach exakt 528 Tage im Amt. Eine Zeit, in der er die komplette Gefühlspalette des Geschäfts erlebte. Denn aus dem gefeierten Retter von einst ist längst der von vielen verfluchte Sündenbock geworden. Der miserable Saisonstart mit nur einem Punkt aus vier Spielen und der erneute Absturz in die Abstiegszone könnten Labbadia am Samstag zum Verhängnis werden.

Einen kleinen Mutmacher findet der arg gebeutelte HSV-Fan beim Stöbern im Archiv: Ihren letzten Dreier feierten die Hanseaten im früheren "Nord-Süd-Gipfel" vor fast genau fünf Jahren am 26. September 2009 - Trainer beim 1:0 damals: Bruno Labbadia.

sid

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