Keane reagiert schnell

Ferguson rechnet mit Ex-Spielern ab

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Sir Alex Ferguson nimmt in seiner Biographie kein Blatt vor den Mund

Manchester - Trainer-Ikone Alex Ferguson verteilt in einer Autobiographie großzügig das berüchtigte „hairdryer treatment“. Der Boulevard ist begeistert, denn es trifft einige Idole.

Dass Roy Keane deutlich besser austeilen als einstecken kann, wird Alf-Inge Haland bestätigen können. Den ehemaligen norwegischen Fußball-Profi streckte der damalige Kapitän von Manchester United 2001 im Derby gegen City brutalst nieder - weil Haland den Iren in einem vorherigen Spiel als Schauspieler bezeichnet hatte.

So ist es nicht verwunderlich, dass Keane auch die neuesten Attacken seines ehemaligen Teammanagers Alex Ferguson nicht lange unkommentiert lassen würde. Bereits am Abend der Präsentation von „Fergies“ offenherzig-beleidigender Autobiographie nutzte Keane seinen Job als TV-Experte beim britischen Sender ITV zum verbalen Konter.

„Er kennt die Bedeutung des Wortes Loyalität nicht“, sagte der Ire und äußerte sich damit für seine Verhältnisse noch verhalten. Er habe mit Ferguson häufig Gespräche geführt, in denen der Teammanager gerade diese Loyalität hochgehalten hatte. Ergo: „Er ist ein Heuchler.“

In seinen wenig kreativ betitelten Memoiren „My Autobiography“ nimmt Ferguson neben Keane auch andere Klub-Ikonen wie Wayne Rooney und David Beckham ins Visier. Sein irischer Ex-Kapitän Keane habe in einem nicht ausgestrahlten Interview mit dem Klubfernsehen die „schlimmste Ausdrucksweise, die man sich vorstellen kann“, benutzt, das Gespräch sei „angsteinflößend gewesen“, hatte die United-Ikone geschrieben.

Ferguson wird damit auch nach Ende seiner Laufbahn als Teammanager dem Ruf als „Hairdryer“, als Fön, gerecht. Schrie der Schotte seinen Spielern zuvor in der Kabine noch aus Nahdistanz die Haare trocken, wird nun aus der auktorialen Ferne auf Papier abgewatscht.

Dass Ferguson andauernd seine ehemaligen Spieler kritisiere, findet Keane „sehr, sehr merkwürdig“, zumal in der gemeinsamen Ära zwischen Ligapokal und Champions League so ziemlich jeder Titel abgeräumt wurde, den es zu gewinnen gibt. Über Beckham, mit dem er sechsmal die englische Meisterschaft und die Königsklasse 1999 gewann, urteilt der Sir etwas abfällig: „Er war der einzige Spieler, der berühmt und außerhalb des Fußballs bekannt sein wollte." Und wer sich über den Verein oder gar ihn selbst stellt, für den ist im System Ferguson kein Platz.

Sir Alex Ferguson: Seine besten Sprüche

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Auch Stürmerstar Rooney muss einstecken: Er sei "not the quickest learner“, zu deutsch etwa: nicht der Hellste. Außerdem behauptet „Fergie“, dass er den Nationalangreifer vor zwei Jahren nach einem alkoholhaltigen Zwischenfall aus dem Team habe nehmen müssen. Deutlich pikanter werden diese Enthüllungen durch die Tatsache, dass Rooney immer noch Spieler bei United ist, während Ferguson als Funktionär und Botschafter ebenfalls offizielle Posten innehat.

Doch natürlich sind Fergusons Attacken vor allem strategisches Kalkül. Der Schotte will sein Buch verkaufen, und das geht am besten über Brisanz, Krawall und Provokation. Roy Keane weiß das am besten: Der Ire brachte rund ein Jahr nach seinem bösen Foul an Haland eine eigene Autobiographie auf den Markt - und verkaufte das Werk vor allem mit dem Geständnis, dass die Attacke pure Absicht war. Einstecken fällt trotzdem schwer.

SID

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