Schneechaos

Gala wirft Juve aus der Champions League

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Wesley Sneijder (Mitte) bejubelt sein Tor

Istanbul - Auf heftigen Schneefall war Galatasaray Istanbul nicht vorbereitet. Das Spiel gegen Juventus Turin musste abgebrochen werden. Nach der Fortsetzung steht Istanbul im Achtelfinale.

Es hörte einfach nicht auf zu schneien, es hagelte, die Fans bibberten, die Helfer mit ihren Holzschiebern verzweifelten. Das entscheidende Gruppenspiel in der Fußball-Champions-League zwischen Galatasaray Istanbul und Juventus Turin entwickelte sich im Wetterchaos am Bosporus fast zu einer Schneeballschlacht - mit dem besseren Ende für Istanbul. Der türkische Meister überwintert in der Königsklasse.

Nachdem die Partie am Dienstagabend wegen dichten Schneetreibens beim Stande von 0:0 in der 32. Minute hatte abgebrochen werden müssen, setzte sich die Mannschaft von Roberto Mancini am Mittwoch bei der Fortsetzung mit 1:0 (0:0) durch. Spielmacher Wesley Snijder erlöste die Fans der Löwen mit seinem sehenswerten Treffer in der 85. Minute in der Tiefkühltruhe Ali-Sami-Yen-Stadion.

Real Madrid hatte sich als Sieger der Gruppe B bereits für die Runde der letzten 16 qualifiziert. Juve hätte ein Unentschieden zur Qualifikation für das Achtelfinale gereicht, muss nach der Pleite nun aber in der Europa League antreten.

Auch am Mittwoch schneite es in Istanbul bei Temperaturen um den Gefrierpunkt weiter, vom Tribünendach stürzten Schneemassen herab, der Platz glich eher einem Acker als einem Rasen. Auf dem glitschigen Untergrund boten die Teams den Fans eine Vorstellung, die nur entfernt an Fußball erinnerte. Istanbuls Mittelfeldspieler Felipe Melo hatte schon am Dienstagabend gesagt, es wäre ihm so vorgekommen, als würden „Pinguine am Südpol ein bisschen Fußball spielen“.

Erstmals in der Geschichte der Champions League musste ein Spiel wegen des Wetters abgebrochen werden. Die Helfer in Istanbul waren mit den ungewohnten Schneemassen schlicht überfordert, bekamen das Spielfeld trotz aller Bemühungen nicht geräumt. Zudem fehlte es im Stadion an Schneeschaufeln. Schiedsrichter Pedro Proenca unterbrach das Spiel zunächst für 25 Minuten, dann entschied der Portugiese auf Abbruch.

Türkische Medien spekulierten am Mittwoch, dass Galatasaray auf einen Abbruch gedrängt habe. Die Türken brauchten unbedingt einen Sieg und sahen ihre Chancen durch den Schnee beeinträchtigt. Zudem gab es Wirbel um die Rasenheizung. Die „Löwen“ versicherten, dass sie diese angestellt hatten. Der zuständige Energieversorger behauptete dagegen, Galatasaray habe kein Gas bestellt gehabt.

Für Juve entwickelte sich die Reise in die Türkei zu einem regelrechten Horrortrip. Denn nach dem Spielabbruch am Dienstag ging das Chaos für Juve sogar noch weiter. Weil die Italiener nach der Partie eigentlich direkt in die Heimat fliegen wollten, mussten sie sich noch in der Nacht ein neues Hotel suchen - in ihrem alten Quartier waren alle Zimmer ausgebucht. Zudem stand das Team mit dem Bus stundenlang im Stau. Und dann folgte auch noch das Aus.

Auch kurios: In der Königsklasse musste die Partie Galatasaray gegen Juve bereits zum dritten Mal verschoben werden - 1998 wegen der „Öcalan-Affäre“ aus politischen Gründen und 2003 nach Bombenanschlägen in Istanbul, bei denen 57 Menschen starben, wegen Sicherheitsbedenken. Das Spiel wurde damals nach Dortmund verlegt.

sid

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