Probleme am Knie

Genervter Schweinsteiger: WM-Traum lebt

Bastian Schweinsteiger
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Bastian Schweinsteiger kann noch nicht mit der Mannschaft trainieren.

St. Leonhard - Bastian Schweinsteiger stemmt sich gegen Zweifel und Zweifler. Sein WM-Fixpunkt ist das Auftaktspiel gegen Portugal. Die Probleme an der Patellasehne können aber auch die DFB-Ärzte nicht wegzaubern.

Bastian Schweinsteiger ist genervt. Genervt von der noch immer schmerzenden Patellasehne im linken Knie, die seine großen WM-Ziele gefährdet. Und erst recht ist der 101-malige Nationalspieler genervt von Zweifeln und Fragen zu seiner Fitness und Gesundheit, mit denen er im Vorbereitungscamp in Südtirol konfrontiert wird. „Man muss nicht skeptisch sein“, entgegnete der Vize-Kapitän in St. Leonhard den Zweiflern. Aber er räumte auch ein: „Wenn man nicht mit der Mannschaft trainieren kann, nervt es.“

Schweinsteiger muss nicht um Nominierung fürchten

Drei Wochen vor dem ersten Ernstfall in Brasilien gegen Portugal steht der Einstieg des 29 Jahre alten Routiniers ins Teamtraining weiter aus. Von einer weltmeisterlichen Turnierform ist Schweinsteiger noch weit entfernt. Er kann darum nur beschwichtigen: „Ich mache mir keine Sorgen. Wir haben noch Zeit bis zum ersten Spiel, deswegen bin ich sehr, sehr zuversichtlich.“

Joachim Löw kündigte am Montag eine zeitnahe Entscheidung an, wann Schweinsteiger auf dem Platz mit der Mannschaft üben soll. „Für ihn war wichtig, im Ausdauerbereich zu arbeiten“, sagte der Bundestrainer: „Er konnte im physischen Bereich etwas aufholen.“

Schweinsteigers Zielkorridor ist auf das erste Gruppenspiel am 16. Juni ausgerichtet. Schon zwei Wochen vorher läuft die Frist ab, an der Löw den noch 26-köpfigen deutschen Kader auf 23 Akteure reduzieren muss. Für Schweinsteiger wird dieses Datum nicht zur Hürde, die er fürchten muss. Löw glaubt, dass Schweinsteiger wie seine noch angeschlagenen Bayern-Kollegen Philipp Lahm und Manuel Neuer spätestens in Brasilien „gesund und fit sein wird“.

Wird Schweinsteigers Leid zu Kramers Freud?

Auch Schweinsteiger bezweifelt nicht, dass Löw ihm vertraut. „Ich glaube, der Bundestrainer weiß, wie ich ticke und wie es aussieht“, sagte er. Gut sieht es aktuell nicht aus. Und Schweinsteiger ist ein Spieler, der bei aller Turniererfahrung und bekannten Willenskraft Topleistung nur abliefern kann, wenn sein Körper top funktioniert. „Letztendlich entscheidet der Kopf, wie die Weltmeisterschaft läuft, speziell bei den Bedingungen in Brasilien“, glaubt Schweinsteiger jedoch: „Natürlich braucht man seine Trainingseinheiten und einen gewissen Rhythmus, aber letztendlich wird die Willenskraft dort entscheidend sein. Und die geht durch den Kopf in den Körper.“

Löw ist im defensiven Mittelfeld in Not. Champions-League-Sieger Sami Khedira ist nach seinem Kreuzbandriss noch nicht wieder bei hundert Prozent. Lars Bender musste verletzt abreisen. Lahm kann er ins Mittelfeld versetzen, aber testen kann er das in Südtirol auch nicht. Toni Kroos und der Gladbacher Senkrechtstarter Christoph Kramer besetzten darum die Sechser-Positionen im ersten Trainingsspiel gegen die deutsche U 20-Auswahl.

Diese 32 Teams sind bei der WM dabei

Diese 32 Teams sind bei der WM dabei

Neymar
Die WM 2014 in Brasilien rückt immer näher. Verschaffen Sie sich hier einen Überblick, welche Teams dabei sind:Der Gastgeber Brasilien mit Superstar Neymar ist gesetzt und musste keine Qualifikation spielen. © dpa
Andrea Pirlo
Aus Europa hat sich Italien, der Weltmeister von 2006, qualifiziert. Andrea Pirlo ist der Schlüsselspieler der Südeuropäer. © dpa
Arjen Robben
Die Niederlande verloren 2010 des WM-Endspiel gegen Spanien. Der Vize-Weltmeister mit Bayerns Superstar Arjen Robben hat 2014 die Chance auf Revanche. © AFP
van Buyten
Zum ersten Mal seit 2002 ist Belgien wieder für eine WM-Endrunde qualifiziert. Daniel van Buyten (M.) und seine Team-Kollegen feierten diesen Triumph ausgelassen. © dpa
Ottmar Hitzfeld
Ottmar Hitzfeld führte die Schweiz zum Gruppensieg. Somit fahren die Eidgenossen zum dritten Mal in Folge zu einer WM-Endrunde. © dpa
Lahm
Philipp Lahm wird auch in Brasilien die deutsche Nationalmannschaft als Kapitän aufs Feld führen. © dpa
Edin Dzeko
Zum ersten Mal dabei bei einer WM ist Bosnien-Herzegowina. Einen großen Anteil daran hatte Edin Dzeko von Manchester City, mit zehn Toren in der Qualifikation. © AFP
Fabio Capello
Der italienische Erfolgstrainer Fabio Capello führte Russland zur WM. © AFP
Rooney
Auch die Engländer um Wayne Rooney sind in Brasilien dabei. In einer spannenden Qualifikation setzte man sich am Ende gegen die Ukraine durch und vermied so die Play-Offs. © AFP
Xavi
Weltmeister Spanien gab sich in der Quali keine Blöße. Ob die Iberer um Xavi den Titel verteidigen können? © AFP
Messi
Der aktuell beste Fußballer der Welt wird bei der Endrunde 2014 nicht fehlen. Messi sicherte sich mit Argentinien in der Südamerika-Gruppe ein Ticket für Brasilien. © AFP
Falcao
Kolumbiens Superstar Falcao feiert den Einzug seiner Nationalmannschaft in die WM-Endrunde. © AFP
Arturo Vidal
Der Ex-Leverkusener Arturo Vidal ist mit Chile für die WM qualifiziert. © AFP
Antonio Valencia
Antonio Valencia von Manchester United sicherte sich mit Ecuador das letzte Direkt-Ticket in der Südamerika-Gruppe. © AFP
Son
Südkorea, der Gastgeber von 2002, ist auch dabei. Somit auch Leverkusens Stürmer Heung-Min Son. © dpa
Kagawa
Japans Nationalteam um Shinji Kagawa qualifizierte sich ebenfalls. © AFP
Robbie Kruse
Australien mit Robbie Kruse von Bayer Leverkusen freut sich auf die Endrunde in Brasilien. © dpa
Dejagah
Ashkan Dejagah spielt inzwischen für den FC Fulham. In der WM-Quali konnte er sich mit dem Iran durchsetzen. © AFP
Klinsmann
Mit Deutschland wurde Jürgen Klinsmann 2006 WM-Dritter. In Brasilien beweist sich "Klinsi" mit den USA. © dpa
Bryan Ruiz
In der Nord- und Mittelamerika-Gruppe sicherten sich außerdem Costa Rica um Kapitän Bryan Ruiz und ... © AFP
Honduras
...Honduras die direkten WM-Tickets.Somit sind 21 von 32 Tickets für die WM in Brasilien vergeben. Die verbliebenen Plätze werden in den Play-Offs im November ausgespielt. © AFP
Auch die Super Eagles aus Nigeria sind dabei. Mit einem 2:0-Sieg gegen Äthiopien qualifizierte sich die Mannschaft zum fünften Mal für eine WM-Endrunde. © dpa (Archivbild)
Didier Drogba
Die Elfenbeinküste setzte sich in den Playoffs gegen Äthiopien durch und ist bei der WM am Zuckerhut als zweites afrikanisches Team vertreten. Im Bild: Stürmerstar Didier Drogba. © AFP
Samuel Eto'o
Kamerun mit dem ehemaligen Freiburg-Trainer Volker Finke hat sich inzwischen auch qualifiziert. Trotz einiger Eskapaden von Superstar Samuel Eto'o im Vorfeld, setzte sich die Mannschaft im Playoff-Rückspiel mit 4:1 gegen Tunesien durch (Hinspiel: 0:0) und löste das Ticket zum Zuckerhut. © AFP
Ghana setzte sich im Playoff-Duell gegen Ägypten durch. Kevin-Prince Boateng und Co. schafften damit zum dritten Mal in Serie die WM-Teilnahme. © AFP
Algerien hat sich als  fünfte und letzte afrikanische Mannschaft für die WM in Brasilien qualifiziert. Die  Nordafrikaner setzten sich gegen Burkina Faso durch. © dpa
Griechenland macht seine dritte WM-Teilnahme durch einen Erfolg im Playoff-Duell gegen Rumänen klar. © dpa
Die Kroaten setzen sich gegen Island durch - Bayerns Mario Mandzukic (l.) triff zunächst, fliegt dann aber mit Rot vom Platz. © AFP
Cristiano Ronaldo erzielte im Duell gegen Schweden alle Tore für Portugal - die Iberer fahren nach Brasilien, Schwedens Superstar Zlatan Ibrahimovic wird kommenden Sommer nur Zuschauer sein. © dpa
Mit einem klaren 3:0-Sieg im Rückspiel gegen die Ukraine setzten sich die Franzosen um Franck Ribéry im Kampf um das WM-Ticket durch. © AFP
Mexiko (hier im grünen Trikot Oribe Peralta) ist mit dabei. © AFP
Uruguay mit Luis Suarez sicherte sich das 32. WM-Ticket. © dpa

Der noch abseits des Teams arbeitende Schweinsteiger klammert sich verständlicherweise an den Traum von seiner dritten und vermutlich letzten WM. 2018 beim Turnier in Russland wird er 33 Jahre alt sein. Düstere Gedanken versucht er auszublenden: „Ich bin guter Dinge, so, wie es sich anfühlt.“ Aber es gilt abzuwarten, wie die Sehne im linken Knie auf echte Belastungsreize reagieren wird. „Man muss da schon ein bisschen aufpassen. Patella ist nicht zu unterschätzen“, sagte er selbst: „Die Ärzte können auch nicht zaubern.“

Bei der EM 2012 stand Löw felsenfest zu seinem „emotionalen Leader“, auch wenn Schweinsteiger bis zum Halbfinal-Aus nur sporadisch Topleistung abrufen konnte. Bei seinem sechsten großen Turnier könnte sich seine Rolle verändern, wenn er es nicht bis zum ersten Spiel in die WM-Elf packen sollte. „Ich denke nicht daran, dass es so sein wird“, sagte Schweinsteiger. Löw erklärte für diesen Fall: „Bastian war und ist immer ein emotionaler Führungsspieler.“

dpa

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