Ghana droht: "Deutschland geht nach Hause"

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Hans Sarpei droht den Deutschen

Rustenburg/Sun City - Ghanas Nationalspieler blicken furchtlos dem Gruppenendspiel gegen Deutschland entgegen. Das dürftige 1:1 gegen zehn Australier kratzt nicht am Selbstbewusstsein der “Black Stars“.

Ghanas glanzlose “Black Stars“ konnten Zaungast Joachim Löw kaum erschrecken, doch am Tag nach dem mageren 1:1 gegen zehn wackere Australier spuckte der deutsche “Endspiel“- Gegner schon wieder große Töne. “Wir beide wünschen uns einen Sieg und Deutschland geht nach Hause“, erklärte Ghanas Linksverteidiger Hans Sarpei auch im Namen seines Zimmergenossen Kevin-Prince Boateng, der sich vor dem Herzschlagfinale ein Schweigegelübde auferlegt hat.

Dem verpassten Sieg gegen die “Socceroos“ trauerten die Ghanaer nicht lange hinterher. Furchtlos, stolz und selbstbewusst präsentierte sich das Team von der Goldküste am Sonntagmorgen im prunkvollen WM-Quartier im Zockerparadies Sun City. Trainer Milovan Rajevac kündigte der DFB-Auswahl am Mittwoch im “Sieg-oder-Stirb- Spiel“ (Keeper Richard Kingson) einen schweren Gang an. “Wir sind eine Mannschaft, die nicht viele Tore kassiert“, sagte Rajevac.

Ghanas Altstars Anthony Yeboah und Samuel Kuffour glauben fest an ihre Nachfolger um den neuen Mittelfeld-Herrscher Boateng. “Ich bin mir sicher, dass wir Deutschland schlagen“, meinte der frühere Bayern-Verteidiger Kuffour. Und auch der zweifache Bundesliga- Torschützenkönig Yeboah traut seinen Landsleuten zu, die DFB-Elf aus dem Turnier zu kegeln: “Wir haben das Zeug dazu, Deutschland gefährlich zu werden“, sagte er der “Welt am Sonntag“.

Doch all die forschen Ansagen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass Löws Rasselbande vor den Ghanaern beileibe nicht in Ehrfurcht erstarren muss. Unter den Augen des Bundestrainers zeigten die nach der Roten Karte gegen Harry Kewell 65 Minuten lang in Unterzahl kämpfenden “Socceroos“, wie den Ghanaern beizukommen ist. Nimmt man ihnen den Raum zum Kombinieren, verlieren sie schnell Lust und Ideen. Ein Indiz: Wie schon beim 1:0 gegen Serbien musste ein Handelfmeter von Asamoah Gyan (25. Minute) herhalten, um Australiens Führung durch Brett Holman (11.) nach einem peinlichen Patzer von Keeper Richard Kingson zu egalisieren.

Und so befürchten Ghanas Medien nach der “schrecklichen Show der Sterne“ Schlimmes. “Ghanas Weltmeisterschaftsträume hängen in der Schwebe“, schrieb “Ghanaweb“. Dazu passte die grimmige Miene, mit der Boateng durch die Mixed Zone stapfte. Die wartenden Journalisten würdigte Ghanas neuer Hoffnungsträger kaum eines Blickes, mehr als ein patziges “Ich habe nichts zu sagen“ ließ er sich nicht entlocken.

Der 23-Jährige weiß nur zu gut, dass gegen das DFB-Team alle Augen auf ihn gerichtet sein werden. Nach seinem Brutalo-Tritt gegen Michael Ballack ist der gebürtige Berliner für die deutschen Fußball- Fans ein Rotes Tuch - und Rajevac ist sich der enormen Brisanz bewusst. “Wir reden viel mit ihm und bereiten ihn psychologisch auf das Spiel vor“, sagte er.

Dass seine Profis gegen angeknockte “Aussies“ leichtfertig eine bessere Ausgangsposition vergaben, ließ der 56-Jährige nicht gelten. “Mit einem Unentschieden sind wir in der nächsten Runde“, meinte er. Ghana führt mit vier Punkten die Gruppe D vor Deutschland, Serbien (beide 3) und Australien (1) an. Dementsprechend mutig kommentierte der Leverkusener Sarpei das bevorstehende Endspiel gegen seine Bundesliga-Kollegen: “Wir werden unser Spiel spielen und was die machen, ist eigentlich egal.“

Die Australier müssen hingegen während ihres zeitgleichen Gruppenendspiels gegen Serbien auf andere schauen. Coach Pim Verbeek ließ keinen Zweifel daran, dass er in Johannesburg einen deutschen Sieg erwartet. “Wir hoffen, dass die Deutschen fünf Tore gegen Ghana schießen, das würde das Rechnen einfacher machen“, bekannte Verbeek. Flehentlich appellierte Verteidiger Craig Moore an die Fans: “Gebt uns nicht auf. Im Fußball ist schon soviel passiert.“

dpa

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