Der größte Kochtopf Afrikas

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Das wird Soccer City in der Nähe von Soweto. Hier sollen Eröffnungsspiel und Finale der nächsten Fußball-WM stattfinden.

Johannesburg - Manche Träume sind aus Stahl und Zement. Am Rande Johannesburgs arbeiten zur Zeit rund 3300 Menschen an einem solchen Traum: Soccer City wird das größte Fußballstadion Afrikas.

Dort soll bei der Weltmeisterschaft 2010 sowohl das Eröffnungsspiel als auch das Finale ausgetragen werden. Dort soll am 11. Juli 2010 der nächste Fußball-Champion gekürt werden. Dort soll der ganze Stolz Südafrikas auf die erste Fußball-Weltmeisterschaft auf dem Kontinent seinen Ausdruck finden.

Deswegen hat die Arena auch ein afrikanisches Vorbild. Sie ist einem Flaschenkürbis nachempfunden. Ausgehöhlt und getrocknet dienen sie in traditionellen afrikanischen Küchen als Kochtopf. Und genau das soll auch das Stadion sein: ein brodelnder Topf voll Fußballfans und Flaggen. 94 700 Menschen soll die Arena fassen. In der untergehenden Sonne über Soweto leuchtet der riesige Kürbis in rot und orange.

Noch blitzen an einer Stelle nackte Metallpfeiler in der Sonne, aber mit Kränen und Seilzügen schuften die Bauarbeiter sechs Tage die Woche, um die Lücke mit roten und braunen Betonplatten zu verkleiden. “Das Stadion wird im Oktober fertig sein“, sagt Projektmanager Rod Pearce. “Das wird der Stolz des ganzen Kontinents.“

Stolz ist auch der Preis dieser “Kathedrale des Fußballs“. Drei Milliarden Rand, schätzt Pearce, wird das Stadion am Ende kosten. Das sind etwa 270 Millionen Euro. Ursprünglich waren 1,2 Milliarden Rand (ungefähr 110 Millionen Euro) eingeplant. Es sollte sich schließlich nur um einen Umbau des alten FNB-Stadions handeln. In der traditionsreichen Arena fanden die größten Fußballspiele Südafrikas statt. Hier gelang der Regenbogennation 1996 der Sieg beim Afrika-Cup, und hier sprach Nelson Mandela 1990 nach seiner Freilassung zu mehr als 100 000 Menschen. Aber die Bausubstanz des alten Stadions erwies sich als kaum tragfähig. “Wir mussten es fast komplett abreißen“, erklärt Pearce. Und der Neubau musste schnell gehen.

Als im Januar 2007 mit den Arbeiten begonnen wurde, waren daher die Pläne noch nicht bis in alle Details fertig. “Da gab es einige Überraschungen“, sagt Pearce. So waren die Pfeiler zu schmal eingeplant. “Wir hatten gedacht, die würden gebraucht, um das Dach aufrecht zu halten.“ Aber es habe sich herausgestellt, dass sie - im Gegenteil - das Dach am Boden halten müssen, da es der Wind nach oben drückt.

Nach zweieinhalb Jahren ist das Bauwerk nun fast fertig. Die meisten Sitze sind bereits installiert. Orangefarben leuchtend, geschützt von Plastiküberzügen, scheinen sie bereits auf die Fans zu warten. Noch liegt in der Mitte ein riesiges Oval aus Sand. Es erinnert an eine Arena für Gladiatorenkämpfe. “Der Rasen wird schon in den nächsten Tagen gesät“, verspricht Pearce. Das sei zwar ein Wagnis, da in Südafrika Winter sei, aber so richtig kalt werde es am Kap ja selten. Auch ein Ring von Scheinwerfern unter dem Stadion wird demnächst noch angebracht. Er soll das Feuer unter dem Kochtopf symbolisieren.

Die Stimmung werden dann aber die Fußballer anheizen müssen. Nur wenn sie die Begeisterung der Fans entfachen, wird der größte Kochtopf Afrikas 2010 zu brodeln beginnen.

dpa

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