Jogis WM-Puzzle

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Joachim Löw bastelt an seinem WM-Kader

Stuttgart - Die Fitness ist überprüft, aber der harte Kampf um die WM-Plätze geht erst los: Zwischen Fixpunkten und Baustellen bastelt Joachim Löw an seiner WM-Elf.

“Der Leistungstest war noch nicht der WM-Auftakt. Anfang März gegen Argentinien kann vielleicht so eine Stimmung erzeugt werden“, sagte Joachim Löw. Das erste Länderspiel des Jahres am 3. März in München ist zugleich auch schon die letzte Sichtung vor der am 13. Mai beginnenden direkten Vorbereitung der deutschen Fußball-Nationalmannschaft für die Weltmeisterschaft. Und darum wird Löw gegen Diego Maradonas Gaucho-Team erste Karten für Südafrika aufdecken und damit wichtige Frage beantworten müssen. Was geschieht nach dem Ausfall von Simon Rolfes? Was passiert mit den Aufsteigern Toni Kroos und Thomas Müller? Wie schließ-t er Baustellen in Abwehr und Mittelfeld? Und wer wird die Nummer 1 im Tor?

Fest steht, dass nicht alle von den 26 Akteuren, die Anfang der Woche in Stuttgart und Sindelfingen ihre Fitness unter Beweis stellen und für die DFB-Sponsoren vor den Kameras für WM-Werbespots posieren durften, nach München wieder eingeladen werden. “Im März wird der Kader nicht so groß sein können“, kündigte Löw an. Zudem sollen feste Größen wie Kapitän Michael Ballack und die aktuell verletzten Lukas Podolski und Heiko Westermann dann auch wieder dabei sein.

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Noch 32 Spieler umfasst Löws vorläufiger WM-Kader nach dem wahrscheinlichen Aus für den Leverkusener Pechvogel Rolfes (Knie-OP). Doch es geht nicht nur um die 23 Männer für Südafrika, sondern vor allem um eine titeltaugliche Stammelf für die Mission im Kap-Staat. Als Top-Favorit sieht Löw sein Team nicht, aber als Titelkandidat schon: “Wenn eine deutsche Mannschaft bei einem Turnier antritt, kann man nicht mit dem Ziel starten, nur die Gruppenphase zu überstehen. Selbstverständlich wollen auch wir versuchen, das Turnier zu gewinnen.“

Der Bundestrainer hat dafür Fixpunkte wie Ballack, Miroslav Klose, Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger, Per Mertesacker und auch den in der DFB-Auswahl verlässlichen Torschützen Podolski. Aber ihn plagen auch Baustellen, die der Rolfes-Ausfall noch vergrößert hat. Am schnellsten könnte die Torhüterfrage entschieden werden. René Adler, Tim Wiese und Manuel Neuer werden zur WM fahren, “wenn nichts Außergewöhnliches passieren sollte“. Und die Nummer-1-Frage steht vor der Beantwortung: “Eine aktuelle Rangfolge gibt es nicht. Aber der Torhüter, der gegen Argentinien spielt, hat einen Vorteil“, sagte Löw. Seit dem 1:0-Sieg im entscheidenden Qualifikationsspiel in Moskau gegen Russland spricht alles für den Leverkusener Adler.

Schon die Abwehrreihe vor dem Torhüter wird zum Brennpunkt. Der stabile Lahm ist - ob rechts oder links - eine Bank, auch Mertesacker ist als Abwehrchef gesetzt. Auf zwei von vier Positionen sucht und testet Löw aber seit der EM 2008 ohne dauerhaften Erfolg. Ob Heiko Westermann, Serdar Tasci, Arne Friedrich oder der wieder aufgetauchte Robert Huth - als Nachfolger für den aussortierten Christoph Metzelder konnte keiner überzeugen. Trotzdem sieht Löw auf der Innenverteidigerposition “keine Probleme“.

Im Mittelfeld hängt vieles davon ab, ob der Bundestrainer beim System mit einem zentralen Stürmer bleibt, das schon bei der EM 2008 in den gewonnenen K.o.-Spielen gegen Portugal und die Türkei sowie zuletzt in Russland die Erfolgs-Taktik war. In Moskau war Rolfes noch der Mann neben Ballack auf der “Doppel-Sechs“, für die nun der unerfahrene U 21- Europameister Sami Khedira (1 Länderspiel) oder Bastian Schweinsteiger (72 Länderspiele) favorisiert werden. Fest steht seit der endgültigen Ausmusterung von Torsten Frings lediglich, dass Löw “die Sechser- Position offensiver ausrichten will“.

Im 4-2-3-1-System könnten davor Podolski links, die 2009- Entdeckung Mesut Özil zentral und Kroos oder Müller auf dem bisherigen Schweinsteiger-Stammplatz auf dem rechten Flügel wirbeln. Jugendförderer Löw müsste sich bei diesem Plan sputen, zumal Kroos und Müller gegen Argentinien erst einmal vor dem Länderspieldebüt stehen. “Man spürt, mit welcher Kraft und Dynamik die jungen Spieler in die Mannschaft wollen“, bemerkte der Bundestrainer.

Im Sturm hat er genug Auswahl: Miroslav Klose, 2002 und 2006 jeweils der beste deutsche WM-Torschütze, wird bedrängt von Mario Gomez und auch dem führenden Bundesliga-Torjäger Stefan Kießling. Schon beim Fitness-Test versuchten auch sie mit guten Ergebnissen zu punkten, aber es war der Anfang eines Wettrennens um die 23 WM- Tickets und erst recht die elf Startplätze für den Ernstfall am 13. Juni in Durban gegen Australien. “Der Test ist wichtig, aber man darf ihn nicht überbewerten. Er ist nur ein kleiner Teil der Gesamtbewertung.“

dpa

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