McClaren: Jobgarantie statt Rauswurf

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Steve McClaren darf Trainer in Wolfsburg bleiben

Wolfsburg - Besinnliche Weihnachten wird es in Wolfsburg nicht geben, aber Steve McClaren bleibt trotz der peinlichen Pokal-Schlappe gegen den Zweitligisten Energie Cottbus Trainer beim VfL.

Jobgarantie statt Rauswurf: Trainer Steve McClaren darf seine Arbeit beim Fußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg trotz einer verheerenden Bilanz auch nach dem peinlichen Pokal-Aus gegen den Zweitligisten Energie Cottbus fortsetzen. Der Klub sprach dem Engländer nach einer gut zweistündigen Krisensitzung das Vertrauen aus, stattdessen sollen Sanktionen des Vereins die Spieler treffen.

„Wir werden aufräumen. Es wird Veränderungen im Kader und im Trainerstab geben“, sagte Manager Doeter Hoeneß nach der Aussprache. Die Spieler haben in Zukunft weniger Freiheiten. Man werde beim Einhalten von Terminen verstärkt auf Disziplin achten. Sonderrechte für einige Profis wurden gestrichen. „Die Spieler sollen aus ihrer Komfortzone heraus“, sagte Hoeneß.  

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McClaren kam relativ glimpflich davon. „Wir erwarten von den Trainern, dass sie mit aller Konsequenz handeln und Fehlverhalten auf und neben dem Platz ahnden“, sagte Hoeneß lediglich. Nach der Winterpause am 2. Januar soll ein anderer Wind wehen.

Personell haben die ersten Maßnahmen gegriffen. Karim Ziani und Caiuby gehören ab sofort nicht mehr dem Bundesliga-Kader an. Dafür werden die Nachwuchskräfte Akaki Gogia, Kevin Wolze, Michael Schulze sowie Florian Hartherz ins Trainingslager fahren. Zudem soll es im Trainerstab Veränderungen geben, die allerdings nicht McClaren betreffen. Unter anderem kommt mit Oliver Mutschler ein neuer Reha-Trainer.

Nötig geworden war die Krisensitzung durch das peinliche 1:3 (0: 3) im Achtelfinale des DFB-Pokals am Mittwochabend gegen den Zweitligisten Energie Cottbus, dem bisherigen Tiefpunkt der sportlichen Talfahrt. Im Anschluss legte McClaren die üblichen Durchhalteparolen der vergangenen Wochen ab und gab zunächst auch das Scheitern seiner Mission zu.

„Wir sind ganz unten angekommen“, sagte McClaren und wirkte fast ein wenig erleichtert. In der Liga gelang seinem Millionen-Team in den letzten sieben Spielen kein Sieg mehr. Im Pokal erlebte die Werkself von Europas größtem Autobauer mit dem Aus gegen den Zweitligisten einen sportlichen Totalschaden. Nur anderthalb Jahre nach dem Gewinn der deutschen Meiserschaft steht der VfL vor einem Schrotthaufen.

„Der Klub braucht Veränderungen. Wie die genau aussehen, weiß ich nicht“, sagte der Brite und übte Selbstkritik. Über die Mentalität seiner Mannschaft konnte der frühere Nationaltrainer Englands nur den Kopf schütteln. „Wir haben Probleme auf dem Feld, wir haben Probleme in der Kabine.“

Allerdings wollte McClaren die Schuld nicht allein auf sich nehmen. Schon vor seiner Ankunft im Sommer seien Fehler gemacht worden, betonte er. Damit schob er Manager Dieter Hoeneß den Schwarzen Peter zu. „Der Klub muss nicht nur die letzten fünf, sondern die letzten 18 Monate analysieren und daraus Konsequenzen ziehen“, forderte McClaren. Gemeint ist die Zeit seit dem Weggang von Meistertrainer Felix Magath, die seit Beginn des Jahres von Hoeneß geprägt wurde.

Hoeneß selbst verhielt sich zunächst - wie immer bei kritischen Lagen für seine Trainer - loyal. „Jetzt hier aus der Hüfte eine Entscheidung zu treffen, das ist nicht mein Stil“, sagte der Manager nach Schlusspfiff. Doch er wusste nur zu gut, dass er auch wegen der verstimmten Konzernspitze bei VW ein Zeichen setzen muss. „Ich werde schlecht schlafen“, kündigte der 58-Jährige an.

Hoeneß muss sich aber auch selbst fragen, wie groß sein Anteil am Absturz der „Wölfe“ ist. Er war es, der den Kader zusammenstellte und 35 Millionen Euro für Diego, Mario Mandzukic und Simon Kjaer ausgab. Das Trio rechtfertigte gegen Cottbus nicht im Ansatz die hohen Transferkosten und spielte ohne Herz und Abgeklärtheit. „Die Mannschaft verträgt es nicht, wenn man zu nett zu ihr ist“, sagte Hoeneß.

Und Hoeneß wusste offenbar auch, dass mit einem Trainerwechsel die Probleme nicht gelöst wären. Der Kader ist wenig homogen ohne Hierachie und Führungsspieler. In allen Mannschaftsteilen schlummern Probleme. Die Abwehr ist alles andere als sattelfest, das Mittelfeld wird geprägt von biederen Handwerkern und vorne harmonieren Diego, Dzeko und Grafite schon lange nicht mehr.

Bei Cottbus sorgte indes Trainer Claus-Dieter Wollitz nach dem ersten Einzug ins Viertelfinale seit 1997 für Misstöne. Der Coach kritisierte die Krawallmacher im Cottbuser Block, die zum wiederholten Male Feuerwerkskörper abbrannten, und drohte mit seinem Abschied. „Es ist unglaublich, dass ein paar Idioten unseren Triumph gefährden“, sagte er. Seine Spieler ließen sich die Freude über die 20.000 Euro Siegprämie nicht nehmen. Kapitän Marc Andre Kruska machte Viertelfinal-Gegner 1899 Hoffenheim eine Kampfansage: „Auch gegen Hoffenheim glauben wir an unsere Chance.“

sid

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