Mehr Sensibilität im Fußball

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Jörg Neblung war Berater von Robert Enke.

Hannover - Der Tod von Nationaltorwart Robert Enke hat nach Ansicht seines Beraters Jörg Neblung ein Umdenken im Spitzensport bewirkt.

“Insgesamt glaube ich schon, dass es jetzt mehr Sensibilität und Menschlichkeit im Fußball gibt. Und mit der geplanten Robert-Enke-Stiftung soll demnächst Betroffenen Mut gemacht werden, sich zu ihrer Erkrankung zu bekennen“, sagte der Spielervermittler in einem Interview mit dem “Hamburger Abendblatt“ (Samstag).


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Von den Taten einiger Verwirrter, die wie in Stuttgart den Mannschaftsbus bewerfen, sollte man nicht auf die gesamte Szene schließen. Enke, der an schweren Depressionen litt, hatte sich am 10. November 2009 das Leben genommen. Zwei Tage vorher hatte er sein letztes Bundesligaspiel für Hannover 96 absolviert. Neben der Witwe Teresa Enke wusste auch sein Freund und Berater Neblung von der Krankheit.

Selbstmorde von Spitzensportlern

Ramiro Castillo, Oktober 1997: Der bolivianische Fußballer erhängt sich in La Paz in seiner Wohnung. Er litt nach dem Tod seines Sohnes unter schweren Depressionen. © Getty
Marco Pantani, Februar 2004: Der ehemalige Tour-de-France-Sieger aus Italien stirbt im Alter von 34 Jahren an einer Überdosis Kokain. Ein Brief an seine Familie deutet auf Selbstmord hin. © Getty
Mikael Ljungberg, November 2004: Der unter Depressionen leidende schwedische Ringer-Olympiasieger befand sich zur Behandlung in einer psychiatrischen Klinik in der Nähe von Göteborg. Der 34-Jährige hatte in Sydney 2000 Gold gewonnen. Im Januar 2002 beendete er seine Karriere wegen anhaltender Rückenprobleme. © Getty
Steffen Krauß, April 2008: Der ehemalige Fußball-Auswahlspieler der DDR stürzt sich aus dem sechsten Stock der Auer Heliosklinik. Der 43-Jährige lag dort wegen schwerer Verbrennungen, die er bei einer Gas-Explosion in seiner Schmiede erlitten hatte. © Getty
Adam Ledwon (r.), Juni 2008: Der ehemalige Profi des Fußball-Bundesligisten Bayer Leverkusen erhängt sich in seiner Wohnung in Klagenfurt. Der 34-jährige Pole hatte von 1997 bis 1999 beim Werksklub gespielt. © Getty
Christophe Dupouey, Februar 2009: Der unter Depressionen leidende ehemalige Mountainbike-Weltmeister begeht in seiner französischen Heimatstadt Tarbes Selbstmord. Der 40-Jährige war 2006 in Zusammenhang mit einem Dopingskandal zu drei Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. © Getty
Mike Whitmarsh, Februar 2009: Der amerikanische Beachvolleyballer bringt sich mit Autoabgasen in der Garage eines Freundes um. Der 46-Jährige hatte olympisches Silber bei den Sommerspielen 1996 in Atlanta geholt. © dpa
Arturo Gatti, Juli 2009: Der ehemalige Box-Weltmeister erhängt sich in einer angemieteten Ferienwohnung in Brasilien. Der Italo-Kanadier wird 37 Jahre alt. © Getty
Darren Sutherland (r.), September 2009: Der irische Box-Olympiadritte erhängt sich in seiner Wohnung in London. Ein mögliches Motiv des 27-Jährigen wird zunächst nicht bekannt. © Getty
Dimitri De Fauw, November 2009: Der 28 Jahre alte belgische Radprofi nimmt sich das Leben. Belgischen Medienberichten zufolge soll De Fauw seit Jahren depressiv gewesen sein, nachdem er 2006 beim Sechstagerennen in Gent in eine schwere Kollision mit dem Spanier Issac Galvez verwickelt gewesen war. Galvez starb damals an den Folgen seiner Verletzungen. © Getty
Robert Enke, November 2009: Der Fußball-Nationaltorwart nimmt sich das Leben, indem er sich in Neustadt am Rübenberge nahe Hannover vor einen Zug stürzt. Der 32-Jährige litt unter schweren Depressionen. © Getty

“Auch ich überlege immer wieder: Hättest du in der einen oder anderen Situation anders reagieren müssen? Wir haben drei Monate lang um und für ihn gekämpft - am Ende werden wir leider keine weiteren Antworten bekommen. Auch nicht auf die Frage, ob der Gang in eine Klinik ihn gerettet hätte“, berichtete Neblung.

dpa

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