Coach Jens Keller unter Druck

Nach Schalke-Pleite: Gerüchte um Babbel

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Mit dem Rücken zur Wand: Schlake-Traihner Jens Keller.

Hannover - Nach der zweiten Niederlage im dritten Bundesligaspiel ist der Fehlstart für den FC Schalke perfekt. In Hannover zeigten die Königsblauen phasenweise eine desolate Leistung. Die Luft für Trainer Jens Keller wird dünner.

 Jens Keller war nur noch frustriert. „Drei Spiele und lediglich ein Punkt sind sicher nicht das, was wir auf Schalke erwarten“, sagte der Chefcoach der Königsblauen mit finsterer Miene, nachdem er den nächsten schmerzlichen Nackenschlag kassiert hatte. Der 42-Jährige sah beim 1:2 (0:2) bei Hannover 96, wie sich sein Team - ein Aspirant auf die Teilnahme an der Champions League - in der ersten Hälfte phasenweise vorführen ließ.

Keller ist sich der wachsenden Unruhe im Umfeld und zusätzlichen Brisanz des 20-Millionen-Spiels um den Sprung in die Champions League am kommenden Dienstag (20.45 Uhr/ZDF und Sky) bei PAOK Saloniki (Hinspiel 1:1) bewusst. Es könnte sogar sein letztes Spiel auf der Schalker Bank werden. „Der Druck ist enorm, das ist gar keine Frage“, sagte Keller.

„Aber wir haben bisher auch nicht das erreicht, was wir erreichen wollten. Insofern müssen wir uns dem Druck stellen“, ergänzte der Coach und versuchte trotz aller Ernüchterung zuversichtlich auf die Reise nach Griechenland zu blicken. „Wenn wir es schaffen, die zweite Hälfte von Hannover und die erste aus dem Hinspiel gegen Saloniki zusammenzupacken, dann bin ich sehr positiv.“

Julian Draxler fiel es direkt nach dem erneuten Rückschlag deutlich schwerer, Zuversicht an den Tag zu legen. „Wenn man sich die erste Hälfte ansieht, dann ist alles gesagt“, meinte der Nationalspieler: „Mit Angsthasenfußball kommt man nicht weit.“ Draxler, der eine Führungsrolle beim Vorjahresvierten beansprucht, ging bemerkenswert hart mit seiner Mannschaft ins Gericht und machte mehr als deutlich, dass er dringenden Nachbesserungsbedarf im Kader sieht.

„Ich bin nicht im Management und eigentlich der falsche Ansprechpartner“, sagte der 19-Jährige: „Aber Qualität tut jeder Mannschaft gut und ich wäre sicher nicht abgeneigt, wenn wir Verstärkungen bekommen würden. In jedem Mannschaftsteil würde uns ein neuer Spieler nicht schaden.“ Sportdirektor Horst Heldt lässt sich alle Optionen offen, zumal mit Joel Matip der nächste längere Ausfall nach Topstürmer Klaas-Jan Huntelaar (Innenbandabriss) und Sead Kolasinac (Muskelbündelriss) droht. Heldt befürchtet, dass sich der Innenverteidiger einen Muskelfaserriss zugezogen hat.

Tatsächlich präsentierte sich Schalke im ersten Durchgang als Großbaustelle. Schon vor dem frühen Platzverweis von Benedikt Höwedes (14.), den Keller und Heldt als ungerechtfertigt ansahen, war Hannover das bessere Team. Nachdem Hannovers Szabolcs Huszti nach der Notbremse an Diouf den fälligen Elfmeter sicher verwandelt hatte (15.), brachen bei Schalke alle Dämme. Die 96er erspielten sich Großchancen in Serie, und S04 konnte sich glücklich schätzen, dass nur noch Mame Diouf den allein gelassenen Keeper Timo Hildebrand in Hälfte eins überwinden konnte (42.).

„Wir reden seit mehreren Wochen hin und her und liefern dann in der ersten Halbzeit so einen Grottenkick ab“, wetterte Draxler: „Wir spielen in der zweiten Hälfte mit zehn Mann besser als im ersten Durchgang mit elf Spielern. Natürlich ist das eine mentale Frage.“

Tatsächlich kam Schalke nach dem unverhofften Anschlusstreffer von Adam Szalai (55.) noch einmal zurück und bewies in Unterzahl Moral. Doch Szalai zielte in der 65. Minute neben das leere Tor, bevor Hannovers Huszti mit einer umstrittenen Roten Karte (74.) und Schalkes Linksverteidiger Christian Fuchs (84.) mit Gelb-Rot vom Platz flogen.

Der Fehlschuss könnte für Schalkes Trainer böse Folgen haben - wenn am Dienstag nicht eine große Leistungssteigerung und die Qualifikation für die Champions League gelingt. Denn Heldt hat sich nach SID-Informationen schon in Düsseldorf mit dem vereinslosen früheren Hoffenheim- und Hertha-Coach Markus Babbel getroffen.

Völlig konträr ist die Stimmungslage in Hannover. Die Mannschaft beschenkte ihren Trainer Mirko Slomka in dessen 200. Bundesligaspiel vor 49.000 Zuschauern in der ausverkauften Arena mit dem zweiten Saisonsieg. „Es war ein sehr emotionales und anstrengendes Spiel“, sagte Slomka: „Mein Jubiläum war besonders, weil es auch noch gegen meinen Ex-Klub ging.“

sid

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