Wie ticken die brasilianischen Mitbürger?

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Landkreis - Zuckerhut, Karneval, Samba-Rhythmen. Brasilien hat weit mehr zu bieten, als die klischeehaften Touristenattraktionen. Gerade zur Fußball-WM sollten wir deutlich über den Tellerrand kucken.

In der Region wohnen viele Mitbürger, die aus Brasilien kommen. Meist im deutschen Alltag gut angekommen und voll integriert, haben sie sich auf den bayerischen Tagesablauf eingestellt. Doch das Herz schlägt immer noch für Brasilien. Nicht nur beim Fußball. Darum wollten wir wissen, wie sie so sind, die Brasilianer? Wie feiern sie, wie leben sie, wie gastfreundlich sind sie?

Irailee lebt schon seit vielen Jahren hier in Bayern. Sie liebt die Region, hat im Altlandkreis Wasserburg Familie und Freunde. Doch auch die Kontakte nach Brasilien sind nicht abgerissen. Obwohl Irailee Tausende Kilometer von der eigentlichen Heimat entfernt ist, weiß sie, wie die Menschen in und aus Brasilien ticken.

Im Gespräch wird sehr schnell klar, herzlich sind sie! Bereits bei der Begrüßung wird eine Umarmung fällig. Die gebürtige Brasilianerin erzählt, dass viele Freunde und Bekannte, die in Brasilien leben, ihr über die Vorbereitungen zur Fußball-WM berichtet haben, und dass sich im Vorfeld nicht viel zum Positiven für die Menschen in Brasilien geändert habe. „Leider erfährt das Land an sich keine Verbesserung“, so Irailee. Alles wirke nur oberflächlich.

Sie stammt aus der Hafenstadt Salvador da Bahia und beschreibt die Gegend, in der gerade Fußball gespielt wird, als traumhaft.

Es sei eine wunderschöne Atmosphäre, speziell auch deshalb, weil die Brasilianer sehr weltoffen seien. Auch ihr merkt man an, dass Temperament durch die Adern fließt. Musik ist für die Brasilianer sehr wichtig. Ebenso wie Rhythmus, nicht umsonst fühlt sich ein Samba so frei an. Schattenplätze seien in Brasilien begehrt, Regen nichts Ungewöhnliches. Mit dem deutschen Klima könne man das in Ihrer Heimat nicht vergleichen. „Ganz anders“ sei es.

Was ist nun typisch Brasilianisch?

Irailee klärt uns über die Eigenheiten der Brasilianischen Menschen auf. Gesprochen wird ja Portugiesisch.

Die Brasilianer verniedlichen gerne die Worte. Und lieben den Buchstaben „i“. Vieles wird zu inhos und inhas. Auch bei der brasilianischen Fußballmannschaft werden die Spieler mit Spitznamen oder Vornamen genannt, sogar so auf dem Trikot verewigt. Ich persönlich werde zu Reginhas, wie klingt Ihr Vorname mit Brasilianischer Betonung?

Zum Wortlaut der Brasilianer sei noch gesagt: Frauen sprechen anders, als Männer. Haben Sie sich schon gedacht und dies sei in Deutschland ebenso, dass Frauen und Männer oft aneinander vorbei reden? Sicher, aber in Brasilien gestaltet es sich anders: Frauen bedanken sich mit dem Wort OBRIGADA, Männer hingegen sagen OBRIGADO. Es gibt also für viele Wörter in Brasilien eine weibliche und eine männliche Form.

Wie feiern die Brasilianer?

Brasilianer sind Menschen mit viel Herz. Es heißt, der Funke springe sofort über, wenn sich Menschen aus Brasilien begegnen. Im Verlauf des Gesprächs wird schnell klar, dass es stimmt: Brasilianer sind tolle Gastgeber.

Und: Sie besuchen sich gegenseitig gern. War ich gerade einmal zehn Minuten allein mit Irailee, kommen spontan immer mehr Familienmitglieder und Freunde, die ebenfalls Brasilianische Wurzeln haben, zu Besuch.

In der großen Runde fällt mir auf, dass ein älterer Herr während des Gesprächs äußerst oft mit dem Finger schnippt. Ist es das Schnippen, das wir Deutschen auch oft anwenden, um auf uns aufmerksam zu machen?

Fehlanzeige! In Brasilien schüttelt man den Zeigefinger auf die sich treffenden Daumen und Mittelfinger, bis es zischt. Die Bewegung kommt aus dem Handgelenk. Unermüdlich übe ich diesen Fingertrick, möchte nebenbei erfahren, warum der Senior diese Geste während einer Diskussion so oft anwendet? „Damit stimmen wir Brasilianer jemandem zu, sind seiner Meinung oder finden etwas großartig“, erklärt Fernando.

Großartig finde ich, dass es heute viel zu Entdecken gibt, ich erfahre, welch Vielfalt im Alltag mit Brasilianischen Mitmenschen herrscht.

Wie jubelt Ihr? – schießt meine nächste Frage heraus. „Als Kinder haben wir aus einer ausgehölten Kokosnuss-Schale und Bananenblättern ein Instrument gebastelt, das tolle Klänge, naja, eigentlich deftig Lärm gemacht hat“, berichtet Irailee.

Grundsätzlich gilt in Brasilien: Die Natur wird mit allen Sinnen genossen, und auch verwendet! Trommeln gehört durchaus zu Brasilien wie das Schuhplatteln und die Blasmusik zu Bayern, zwinkert Irailee mir zu.

Kulinarisches Brasilien

„Das Essen kann man nicht auf einen großen Nenner bringen“, so Bibu, die Cousine von Irailee.

In Brasilien koche jede Region etwas anders, erklärt sie mir. Grundsätzlich werde im Alltag viel Obst gegessen: Pflückfrische Mangos oder Papayas, auch Weintrauben-ähnliche Früchte, die an einem Baumstamm wachsen, seien beliebt. Fisch, Fleisch und Gemüse kommen reichlich auf den Tisch. Meist nicht fehlen dürfen Bohnen. Irailee erzählt, dass die Brasilianer gerne gemeinsam kochen, und besonders gern auch miteinander essen. „Fisch mit Kokosmilch und Palmenöl schmeckt uns sehr“, erklärt Irailee. Spontan lädt sie mich ein, gemeinsam mit Ihrer Familie zu kochen und zu essen.

Diese Herausforderung nehme ich herzlich gerne an. Obwohl ich vor 30 Minuten noch völlig fremde Menschen begrüßt habe, kommt es mir jetzt so vor, als wären wir in kürzester Zeit Freunde geworden. Die Brasilianer sind herzlich, und versprühen sofort eine sonnige Offenheit.

Die Gastfreundschaft der Brasilianer, die ich kennenlernen durfte, kann ich nicht ausschlagen. Wir treffen uns in der Küche. Zu fünft! Und kochen eine leckere Köstlichkeit mit Fleisch, Wurst und vielen Bohnen. Details und Fotos folgen. Erst genieße ich diese Laune und entdecke die Menschen aus Brasilien, die unsere Region durch die ganz besondere Mentalität durchaus bereichern.

Quelle: rosenheim24.de

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