Neuer zwischen Weltklasse und Tipp-Kick

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Rückhalt, Vorbereiter, Motivator: Torhüter Manuel Neuer besticht in der U 21-Nationalmannschaft nicht nur durch seine sportliche Klasse, sondern sorgt auch für Stimmung im Team. Seine Hauptaufgabe, Tore zu verhindern, erledigt er ohnehin mit Bravour.

Malmö - Für den Titel des besten Turnier-Torhüters hat er sich längst beworben, Sportdirektor Matthias Sammer attestiert Manuel Neuer sogar eine Weltklasseleistung bei der U 21-Europameisterschaft.

Der Schalker Schlussmann ist auf dem Weg zum ersten EM-Championat zum großen Erfolgsgaranten im deutschen Team avanciert. DFB-Trainer Horst Hrubesch beschrieb die Fähigkeiten des mittlerweile zum heißen Anwärter auf die Nummer 1 in der A-Nationalmannschaft aufgestiegenen Nationalkeepers am besten. “Er ist auf der einen Seite ein lockerer Typ, auf der anderen Seite hat man bei ihm nie das Gefühl, dass da etwas passieren könnte“, sagte der Coach.

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Bezeichnend dafür war die Szene in der Nachspielzeit des Halbfinales gegen Italien, als Neuer einen fulminanten Freistoß von Mario Balotelli mitten aufs Tor völlig kurios mit dem Fuß abwehrte. “Das sah aus wie Tipp-Kick“, meinte Vereinskamerad und Zimmergenosse Benedikt Höwedes. “Ich weiß auch nicht genau, das war eine spontane Aktion. Der Ball war sehr fest getreten und flatterte, da hatte ich Angst, dass er dem Gegner vor die Füße fällt. Da habe ich ihn einfach weggehauen“, erklärte der Schalker. Dann musste auch er lachen.

Für Trainer Hrubesch ist Neuers Top-Leistung mit der Hauptgrund für den bisherigen Erfolg im Turnier. “Unser Torhüter ist der entscheidende Faktor, warum es in der Abwehr so gut läuft. Er hat eine unglaubliche Sicherheit, die er auch an die anderen Spieler weitergibt“, sagte er. Nach seinem Debüt in der A-Nationalmannschaft kurz vor der EM ist das ohnehin große Selbstbewusstsein des 23 Jahre alten Profis weiter gestiegen. “Ich kenne meine Qualitäten und denke nie an Fehler. Denn ich weiß, dass ich mit dem nächsten Ball alles wieder gutmachen kann“, meinte der Schalker.

DFB-Torwarttrainer Andreas Köpke, der die Vorrundenspiele in Schweden verfolgt hat, erklärte den Schlussmann zu einer der Stützen im Team. “Er zeigte eine außergewöhnlich gute Leistung“, betonte Ex-Nationaltorwart Köpke im ZDF-Sportstudio.

Als “Senior“ im Team hören die anderen Spieler auch auf ihn, sein Rat ist gefragt. Wenn er sagt, “dass wir so viele Chancen zugelassen haben gegen die Italiener, das hat mir gar nicht gefallen“, dann vertritt er diese Meinung auch vor der Mannschaft. Und das Lob seiner Mitspieler ist ihm ohnehin gewiss. “Na klar, er hat uns den Rücken freigehalten“, meinte Höwedes. Den Einzug ins Finale empfindet der Torhüter als “Belohnung“ für die ganze Arbeit. “Wir freuen uns richtig darauf.“ Und sein Prinzip hat der Trainer ja schon erklärt: “Wir müssen aus der Lockerheit in die Spannung kommen. Und wenn dann die Null steht, ist das okay“, sagte Neuer. Da stört es auch nicht, dass ausgerechnet Final-Gegner England bislang das einzige Turnier-Tor gegen Neuer erzielt hat.

dpa

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