DFB postet Foto nach Fast-Blamage in Estland

Gündogan nach Instagram-Eklat: "Fühlt sich nicht wie Zufall an"

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Bundestrainer Löw, Rotsünder Can und Doppeltorschütze Gündogan (von links) beim mühevollen 3:0-Sieg in Estland.
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Tallinn - Früher Platzverweis hin oder her - es war ein alles andere als erfreulicher Auftritt der deutschen Fußball-Nationalmannschaft am Sonntagabend in Estland. Am Ende stimmte in Tallinn mit 3:0 (0:0) immerhin das Ergebnis. Zufriedenheit kam aber nicht auf. Das lag auch an einem Eklat auf Instagram.

UPDATE, 11.25 Uhr - "Fühlt sich nicht wie Zufall an"

Nach den heftigen Reaktionen auf seinen (kurzzeitigen) Instagram-Like eines höchst umstrittenen Posts um den militärischen Gruß von türkischen Nationalspielern, ist der deutsche Matchwinner Ilkay Gündogan weiter in der Defensive und muss sich Vorwürfen erwehren. Noch vor dem Anpfiff in Estland am Sonntagabend hatte er gesagt: "Ich habe das Like bewusst zurückgenommen, als ich gesehen habe, dass es politisch gewertet wurde."

Hinterher witterte er sogar eine mögliche Verschwörung gegen ihn. "Ich habe das ehrlich gesagt erst mitbekommen, als dann unsere Geschichte aufgetaucht ist. Gerade, dass das ausgerechnet heute kurz vorm Spiel auftaucht, fühlt sich auch nicht gerade wie ein Zufall an, weil das Foto - glaube ich - schon drei Tage alt ist. So ist das heutzutage, ich kann es nicht ändern. Ich glaube, dass Menschen wissen, wie das von uns beiden gemeint ist. Alles andere können wir nicht beeinflussen", so Gündogan gegenüber der Bild-Zeitung.

Unterdessen hat der Deutsche Fußball Bund (DFB) Gündogan und Emre Can, der sich bislang nicht mehr öffentlich geäußert hat, demonstrativ den Rücken gestärkt. Auf Twitter wurde ein Foto veröffentlicht, dass das Duo im Kreise der Nationalelf samt Betreuern zeigt. Kapitän Neuer hält Gündogan und Can sogar im Arm. In dem Post heißt es: "Gemeinsam für Offenheit, Vielfalt und Toleranz. Gegen jede Form von Gewalt und Diskriminierung."

Die Stimmen zum Spiel:

Joachim Löw (Bundestrainer): "Zunächst bin ich saufroh, dass wir es geschafft haben. Es war ein schweres Stück Arbeit, wenn man so früh dezimiert ist. Wir mussten uns erst einmal fangen. In der zweiten Halbzeit hat es die Mannschaft gut gemacht. Wir haben zu null gespielt, drei Tore erzielt und drei Punkte jetzt. Die ganze Woche war nicht so einfach, wir haben nicht lamentiert. Wir haben in der Konstellation noch nicht gespielt. In der zweiten Halbzeit haben wir nochmals das Tempo angezogen. Wir haben in der Halbzeit ein paar Dinge angesprochen, sind ruhig geblieben und nicht nervös geworden. (...)"

Marco Reus: "Wir haben echt schlecht gespielt, muss man sagen. Klar, die Rote Karte war nicht gut für uns. Sie kam zu keinem guten Zeitpunkt. In der Kabine mussten wir uns erstmal sammeln, unsere Grundausrichtung ändern. Es war wichtig, dass wir in der zweiten Halbzeit mit breiter Brust rausgehen und unser Spiel aufziehen."

Manuel Neuer (Kapitän): "Wir spielten seit der 14. Minute in Unterzahl, dann ist es natürlich schwierig mit dem Anlaufen. Deshalb fand ich das in der ersten Halbzeit nicht so blamabel. Ein erstes Tor war eine Frage der Zeit, weil sie trotzdem mehr laufen mussten. Dementsprechend haben wir sie über die Fitness bekommen. (...)"

Can und Gündogan sorgen für Instagram-Eklat

Mit einem militärischen Gruß salutierten die türkischen Nationalspieler beim 1:0 gegen Albanien.

Rund um die Partie in Tallinn sorgten auch zwei Instagram-Likes für Ärger. Emre Can und Ilkay Can hatten das Foto zum Salut-Jubel der türkischen Nationalmannschaft bei deren 1:0-Sieg gegen Albanien gelikt. Hintergrund: Die Türken wollten damit ihre Sympathiebekundung für die Militäroffensive von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan gegen die Kurden in Syrien zum Ausdruck bringen. Die UEFA hat entsprechende Ermittlungen eingeleitet. Politische Botschaften beim Fußball sind bekanntlich verboten.
Zwar "entlikten" die beiden deutschen Nationalspieler das Foto wenig später wieder, rechtfertigen mussten sie sich allerdings trotzdem. Can sagte gegenüber der Bild-Zeitung: "Ich habe den Post von Cenk Tosun, den ich schon lange kenne, beim Scrollen geliked, ohne jegliche Intention und auf den Inhalt zu achten. Ich bin ein absoluter Pazifist und gegen jede Art von Krieg."

Auch Gündogan stellte klar: "Krass, was heutzutage für Geschichten geschrieben werden. Ich dachte, ich like ein Foto von einem Freund von mir, der ein Tor schießt und seine Mannschaft zum Sieg führt. Das Bild haben viele andere geliked. Dass ausgerechnet wir zwei rausgepickt werden, ist schade. Es sollte kein politisches Statement sein. Emre und ich stehen gegen jegliche Art von Krieg und Terror."

Löw nahm Rotsünder Can und Doppeltorschütze Gündogan in Schutz: "Ich habe mich vor dem Spiel nicht damit beschäftigt, ich habe es nur unmittelbar vor der Abfahrt erfahren. Ich glaube, das war heute ein klares Statement für Deutschland von Ilkay. Sie haben auch den Like sofort zurückgenommen und wer die beiden kennt, der weiß, dass sie natürlich gegen Terror und gegen Krieg sind."

mw

Quelle: rosenheim24.de

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