Wettskandal: Jogi Löw ist schockiert

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 “Ich bin natürlich auch absolut schockiert gewesen und bin weiter schockiert“, sagte Bundestrainer Jogi Löw.

Düsseldorf - Die neuesten Enthüllungen im Wettskandal sorgen in der Welt für ungläubiges Staunen. Auch Bundestrainer Joachim Löw ist „schockiert“. Er fordert abschreckende Strafen.

 “Ich bin natürlich auch absolut schockiert gewesen und bin weiter schockiert“, sagte der Bundestrainer der Deutschen Presse-Agentur dpa am Freitag zum Ausmaß des Skandals. Im gesamten Fußball müsse man rigoros vorgehen. Es sei “absolut schädigend“ für den gesamten Fußball, “wenn Spiele verschoben würden“, betonte Löw.

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Eine kompromisslose Aufarbeitung des jüngsten weltweiten Skandals und harte Bestrafungen für alle Beteiligten an Manipulationen seien laut Löw die einzig mögliche Reaktion. “Natürlich müssen Betrüger, ob es nun Spieler oder Schiedsrichter sind, drastisch bestraft werden. Drastische Strafen, wie es drastischer nicht geht“, sagte der Bundestrainer.

Zuvor waren brisante Details vom “Tatort Fußball“ bekanntgeworden. Laut Ermittlungsunterlagen steht ein hochgradig organisiertes, weltweit aktives Netzwerk unter Verdacht, auch vor “russischen Methoden“ nicht zurückzuschrecken. Das sagte der Rechtsanwalt Burkhard Benecken der Deutschen Presse-Agentur dpa nach Einsicht in die Akten seines seit einer Woche in Untersuchungshaft sitzenden Mandanten Deniz C. Auf Mannschaftsärzte und Köche von Luxus-Hotels sei nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Bochum eingewirkt worden, dass diese einzelne Spieler vergiften. So soll versucht worden sein, den Arzt eines slowenischen Teams mit Präparaten auszustatten, damit dieser eigene Spieler betäube, sagte Benecken der “Bild“.

Die Verbindungen des Netzwerks reichen dabei um den Globus. In mehreren asiatischen Ländern soll die Wettmafia aktiv gewesen sein, auch Holland sei betroffen, sagte Benecken auf Anfrage: “In Rotterdam soll ein Riesen-Wettvermittler sitzen.“ Eine Schaltfigur des Wett- Netzwerks soll der 30 Jahre alte Deniz C. aus Herten sein. Er habe laut Ermittlungsunterlagen den vor allem in den Ligen aktiven Mario C. unter Druck gesetzt. Dieser soll durch seinen Kontakt in Spielerkreise ein Drahtzieher bei den Manipulationen gewesen sein.

Entscheidendes Kriterium, dass die Bande von den Ermittlern der organisierten Kriminalität zugerechnet wird, ist laut Benecken die Gewalt. Man schrecke nicht mehr wie andere Betrüger zuvor davor zurück, Leute in Keller einzusperren oder Spieler zu betäuben, soll es in den Unterlagen heißen. Deniz C. wird neben gewerbsmäßigem Bandenbetrug in acht Fällen auch erpresserischer Menschenraub vorgeworfen. “Er hat damit nichts zu tun“, sagte Benecken und kündigte an, für kommenden Mittwoch Haftprüfung zu beantragen. Eine zweite Person aus der Bande, “die in ganz erheblichem Maße im Sinne einer Gewaltausübung gehandelt haben soll“ ist laut Ermittlungsunterlagen Nurettin G. aus Lohne, sagte Benecken.

dpa

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