Knapper Sieg gegen Russland

Belgien duselt sich ins Achtelfinale

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Divock Origi (Nr. 17) jubelt über sein entscheidendes Tor gegen Russland.

Rio de Janeiro - Mitfavorit Belgien hat sich durch einen Duselsieg ins WM-Achtelfinale gequält. Das Tor, das den Sieg gegen Russland brachte, fiel erst in der Schlussphase.

Beim glücklichen 1:0 (0:0) am Sonntag gegen Russland erlöste der eingewechselte Divock Origi in der 88. Minute das Team von Trainer Marc Wilmots nach einer über lange Strecken enttäuschenden Vorstellung. Russland droht dagegen das Vorrunden-Aus. Vor den Augen des belgischen Königs Philippe und 73 819 Zuschauern in der Endspielarena Estádio do Maracanã in Rio de Janeiro lieferten beide Teams über weite Strecken gähnende Langeweile ab.

Dafür zeigte der Münchner Schiedsrichter Felix Brych bei seinem zweiten WM-Auftritt eine gute Leistung. Bei einem Foul des Belgiers Toby Alderweireld an Maxim Kannunikow im Strafraum (26.) blieb seine Pfeife still. Nicht einmal die TV-Bilder gaben sofort Aufschluss.

Wilmots hatte die Partie zu einem "Sechs-Punkte-Spiel" erklärt, und dementsprechend engagiert ging sein Team die Aufgabe auch an. Anders als beim mühsamen 2:1 zum Auftakt gegen Algerien wollte der WM-Mitfavorit von der ersten Sekunde an die Initiative übernehmen. Die gegen die Nordafrikaner erst eingewechselten Torschützen Marouane Fellaini und Dries Mertens standen diesmal in der Startelf.

Vor allem der agile Mertens vom italienischen Pokalsieger SSC Neapel sorgte über die rechte Seite für mächtig Schwung und hatte bei zwei gefährlichen Schüssen (20./22.) auch die besten Chancen seiner Mannschaft vor der Pause. Darüberhinaus lief bei den hochgelobten Belgiern nach ordentlichem Beginn aber nicht mehr viel zusammen. Chelseas Eden Hazard blieb auf der linken Seite genauso blass wie Evertons Angreifer Romelu Lukaku.

Die Russen, beim enttäuschenden 1:1 zu Turnierbeginn gegen Südkorea noch überraschend nervös, präsentierten sich bei ihrem zweiten Auftritt wesentlich ruhiger und taktisch disziplinierter. Das Team von Coach Fabio Capello gab Belgien wenig Raum zur Entfaltung, mehr als ein paar eigene Zufallskonter sprangen bei der Safety First-Taktik aber nicht heraus. Immerhin hatte Alexander Kokorin 60 Sekunden vor der Pause mit einem Kopfball aus acht Metern frei vor dem belgischen Keeper Thibaut Courtois die beste Chance der ersten Hälfte.

Wo war der Esprit der Belgier, wo der Tempofußball, mit dem die eher schwerfällige Abwehrreihe der Russen in ernsthafte Verlegenheit hätte gebracht werden können? So erlebte Russlands Abwehrstratege Sergej Ignaschewitsch in seinem 100. Länderspiel einen relativ ruhigen Nachmittag. Immer wieder forderte Wilmots seine Akteure zu mehr Dringlichkeit auf - lange vergeblich. Die Russen wurden mutiger, aber nicht gefährlicher. Die geduldigen Fans quittierten die Langeweile nach einer guten Stunde mit einem gellenden Pfeifkonzert - und wurden mit einer zumindest packenden Schlussphase noch entschädigt.

Nach einem knapp verzogenen Schuss des eingewechselten Andrej Jeschtschenko (81.) klatschte ein Hazard-Freistoß an den Pfosten (84.). Origi sorgte mit dem goldenen Treffer dann für die kollektive Erleichterung.

Die prächtige Stimmung war trotzdem noch das Beste an der Partie. Die verschärften Sicherheitsvorkehrungen in Rio de Janeiro wirkten sich jedenfalls nicht negativ auf die ausgelassene Atmosphäre aus. Als Folge des Fansturms chilenischer Anhänger ins Pressezentrum des Stadions riegelten Hunderte Militärpolizisten die Zufahrtsstraßen zum brasilianischen Fußball-Tempel ab. Fans mussten bereits einige Stunden vor Anpfiff des Spiels mehrere in Reihen stehende Sicherheitskräfte passieren. Einige Straßen waren mit gepanzerten Fahrzeugen komplett abgesperrt. Zwischenfälle gab es nach ersten Angaben diesmal keine.

dpa

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