Bundestags-Innenausschuss im WM-Land

WM in Brasilien: "Begeisterung hält sich in Grenzen"

Rund sechs Wochen vor der WM hält sich die Begeisterung in Brasilien offenbar noch in Grenzen.
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Rund sechs Wochen vor der WM hält sich die Begeisterung in Brasilien offenbar noch in Grenzen.

München - Eine Delegation des Bundestags-Innenausschusses hat das WM-Land Brasilien besucht. Stephan Mayer, Leiter der Abordnung, ist von einem weitgehend positiven Verlauf des Turniers überzeugt, warnt aber auch.

Die deutschen Fans können sich bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien angeblich sicher fühlen. „Ich bin der festen Überzeugung, dass da, wo die Fans sich aufhalten, in den Stadien, um die Stadien herum, in den Hotels, an den Flughäfen, in den Fanzonen oder bei den Fanfesten, die Sicherheit gewährleistet ist“, sagte CSU-Politiker Stephan Mayer nach seiner Rückkehr am Donnerstag aus Brasilien.

Der 40-Jährige hatte eine siebenköpfige Delegation des Bundestags-Innenausschusses angeführt, die das WM-Gastgeberland für eine Woche besuchte und sich dabei über die Sicherheitslage genau informierte. Mayer warnte aber auch: „Es muss jeder wissen, dass Brasilien kein so sicheres Land wie Deutschland ist. Jedes Jahr kommen in Brasilien 50.000 Menschen gewaltsam zu Tode.“

Deshalb gelte für die rund 25.000 deutschen Anhänger vor Ort „der ernstzunehmende Ratschlag, die notwendige Sorgfalt und Verantwortung an den Tag zu legen. Man sollte sich so benehmen, dass man andere nicht dazu provoziert, ausgeraubt oder überfallen zu werden.“ Es sei „ernsthaft der Eindruck vermittelt worden, dass die deutschen Fans sich sicher und friedlich in dem Land aufhalten können. Die Brasilianer sind gut gerüstet.“

"Improvisieren gehört zum Tagesgeschäft"

Überzeugt ist er auch davon, dass trotz aller Probleme zum WM-Beginn in sechs Wochen „alles startklar ist und alles auch passt. Die Brasilianer sind spontaner. Improvisieren gehört zum Tagesgeschäft. Sie wissen aber, dass die Weltöffentlichkeit auf sie blickt und dass sie sich keine Fehler erlauben sollten“.

Große Vorfreude auf das Turnier hat Mayer mit seinen Kollegen aus allen Fraktionen allerdings bei den Aufenthalten in Sao Paulo, Brasilia und Rio de Janeiro noch nicht verspürt: „Ich habe etwas naiv erwartet, dass die Brasilianer alle schon Kopf stehen und hellauf begeistert sind. Aber man sieht keine Fahnen. Auch so ist uns von vielen Seiten bestätigt worden, dass sich die Begeisterung in Grenzen hält.“

Die Stimmung und der Erfolg bei der WM hänge laut Mayer „auch sehr viel davon ab, wie die brasilianische Mannschaft abschneidet. Es haben einige Gesprächspartner gesagt: Wenn die Brasilianer wider Erwarten früh ausscheiden sollten, dann ist für die meisten Brasilianer die WM auch kein Thema mehr. Dies könnte dann vielleicht auch Auslöser für größere Unmutsäußerungen und Unruhen sein.“

WM 2014: In diesen Stadien wird gespielt

WM 2014: In diesen Stadien wird gespielt

WM 2014, Stadien, Austragungsorte
Das Estádio do Maracanã in Rio de Janeiro, das offiziell Estádio Jornalista Mário Filho heißt, wurde für die WM 1950 gebaut. Es wurde für die WM 2014 komplett erneuert und bietet Platz für 73.531 Zuschauer. © dpa
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Das Estádio do Maracanã in Rio de Janeiro hat für die WM 2014 ein neues Dach bekommen. © dpa
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Das Estádio Mineirao in Belo Horizonte wurde im Dezember 1965 eingeweiht und für die WM 2014 komplett umgebaut. © dpa
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Das Estádio Mineirao in Belo Horizonte fasst über 62.000 Zuschauer. © dpa
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Das fast gänzlich erneuerte Estádio Nacional in Brasília ist das zweitgrößte Stadion der WM 2014. © dpa
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Die Arena Pantanal in Cuiabá wurde eigens für die WM 2014 konstruiert und hat ein Fassungsvermögen von 42.968 Zuschauern. © dpa
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Die Arena da Baixada in Curitiba gilt seit der Neueinweihung 1999 als eines der modernsten und technisch fortschrittlichsten Stadien Brasiliens. Derzeit ist das Gebäude wieder im Umbau, die Zuschauerkapazität wird auf 40.000 erhöht. © dpa
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Das Estádio Castelão in Fortaleza wurde 1973 erbaut und nun komplett umgebaut. Jetzt bietet es Platz für fast 65.000 Zuschauer. © dpa
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Im Estádio Castelão in Fortaleza sind sämtliche Sitze durch eine Überdachung geschützt. © dpa
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Dach und Fassade der Arena Amazônia in Manaus sind einem für die Region typischen Strohkorb nachempfunden. © dpa
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In der Arena Amazônia in Manaus wird Regenwasser zur späteren Verwendung in den Toiletten oder zur Bewässerung des Rasens aufgefangen. © dpa
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Das Estádio das Dunas in Natal musste groß und modern werden, um sich als einer der zwölf Spielorte für die WM 2014 in Brasilien durchzusetzen. Dafür wurde das alte Stadion abgerissen. © dpa
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Die Wellenform der Konstruktion des Estádio das Dunas in Natal soll an Sanddünen erinnern. © dpa
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Das Estádio Beira-Rio in Porto Alegre steht am Ufer des Rio Guaíba. Fünf Spiele der WM 2014 in Brasilien sollen hier stattfinden, unter anderem ein Viertelfinale. © dpa
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Das Estádio Beira-Rio in Porto Alegre ist auch ein beliebtes Postkartenmotiv. © dpa
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Die Arena Pernambuco in Recife wird über eine öffentlich-private Partnerschaft finanziert. Sie bietet Platz für insgesamt 42.849 Zuschauer. © dpa
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Die Arena Pernambuco in Recife befindet sich im Vorort São Lourenço da Mata. © dpa
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Die Arena Fonte Nova in Salvador de Bahia, der ersten Hauptstadt Brasiliens, bietet Platz für 48.747 Zuschauer. © dpa
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Für den Neubau der Arena Fonte Nova in Salvador de Bahia musste das alte Estádio Fonte Nova (offiziell Estádio Octávio Mangabeira) weichen. © dpa
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Die Arena de São Paulo in São Paulo wird gerade gebaut. Sie wurde für das Eröffnungsspiel der WM 2014 in Brasilien ausgewählt. © dpa

Erneute Proteste wie beim Confed-Cup im vergangenen Jahr will Mayer ohnehin „nicht ausschließen. Es gibt in Brasilien nach wie vor große soziale Unzulänglichkeiten, die Schere zwischen Arm und Reich ist riesig.“ Bei Themen wie etwa der Gesundheitsversorgung oder dem Schul- und Erziehungswesen gebe es „riesige Defizite“. Es sei „durchaus anzunehmen, dass manche die WM als Plattform nutzen werden, um diese durchaus berechtigten Anliegen an die Öffentlichkeit zu tragen. Ich hoffe aber, dass es nicht wieder zu Gewaltexzessen wie im letzten Jahr kommt“, sagte Mayer.

Die deutsche Delegation habe den Brasilianern „klar gemacht, dass es legitim ist, dass in einer Demokratie jeder von seinem Demonstrationsrecht Gebrauch macht, solange dies friedlich und gewaltlos vonstatten geht. Da müssen die brasilianischen Sicherheitsbehörden auch noch dazulernen, dass nicht jeder Demonstrant sofort auch ein Gewalttäter ist. Uns ist versichert worden, dass aus den Erfahrungen des Confed-Cups gelernt wurde und stärker auf Deeskalationsstrategien gesetzt wird.“

SID

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