Vor Auftakt gegen Portugal

DFB-Team zwischen An- und Entspannung

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Manuel Neuer scheint rechtzeitig für das Portugal-Spiel fit zu werden.

Santo André - Schon zwei Tage vor dem Anpfiff des ersten Gruppenspiels gegen Superstar Ronaldo bricht das DFB-Team nach Salvador auf. Vorher wurde noch einmal der Ablauf simuliert.

Entspannt verfolgten Manuel Neuer & Co. auf ihren Holzliegen neben dem Pool den glücklichen brasilianischen Sieg zum Weltmeisterschafts-Auftakt - den eigenen Start kann das deutsche Team kaum mehr erwarten. „Ich freue mich auch, wenn es losgeht und die Wettkämpfe starten“, erklärte Joachim Löw als Chef der WM-Mission. Der Fernsehabend im Campo Bahia hatte dem Fußball-Bundestrainer und seiner Mannschaft gleich vor Augen geführt, wie mühsam der Weg ins Endspiel am 13. Juli in Rio de Janeiro für die Favoriten werden kann.

Die Anspannung vor der ersten eigenen Aufgabe am Montag gegen den Weltranglisten-Vierten Portugal wächst von Tag zu Tag. Da kommt eine Ablenkung durch den TV-Konsum anderer WM-Partien gerade recht. „Es ist gut für uns, dass wir die nächsten Tage die nächsten Spiele sehen können. Das sorgt für Unterhaltung bei uns“, bemerkte der 54 Jahre alte Freiburger.

Natürlich steht die präzise Einstimmung auf Portugal mit dem Weltfußballer Cristiano Ronaldo weiter im Vordergrund. Einen Tag vor der Abreise nach Salvador simulierte Löw am Freitag zum zweiten Mal in Santo André den Ernstfall für das erste WM-Gruppenmatch in der 48 747 Zuschauer fassenden Arena Fonte Nova. 8.00 Uhr Wecken, bis 10.30 Uhr Frühstück und dann zur Anstoßzeit um 13.00 Uhr eine Trainingseinheit. Anders als am abgekühlten Vorabend, als sich einige DFB-Akteure beim brasilianisch-kroatischen Anschauungsunterricht in türkisfarbene Decken hüllten, stand in der Mittageshitze wieder eine schweißtreibende Übungseinheit an. Aber es wird noch härter.

Mertesacker: "Werden mehr leiden als im Training"

„Im Spiel müssen wir uns auf Situationen einstellen, in denen wir noch mehr leiden werden, als dies im Training möglich ist“, prophezeite Abwehrchef Per Mertesacker. Der Londoner hat zwar nicht mit der Hitze, aber zumindest mit der ungewöhnlichen Anstoßzeit Erfahrung. „Es ist ein Unterschied, ob man spät spielt und schon drei Mahlzeiten zu sich genommen hat oder am Mittag, mit nur einer oder maximal zwei Mahlzeiten. Wenn man das nicht gewohnt ist, ist es nicht einfach, genügend Nährstoffe zu sich zu nehmen. Nicht jeder kann um neun Uhr morgens Nudeln essen“, sagte Mertesacker.

Neu getaktet wurde auch die Anreise zum 100. WM-Spiel der DFB-Auswahl. Der große Tross fliegt nicht wie in der Vergangenheit üblich einen Tag vor der Partie, sondern zwei Tage vorher per Charter in den Spielort.

Erst dort wird der Bundestrainer die letzten Puzzleteile seiner Aufstellung zusammensetzen. Im modifizierte Modell von Löw gibt es keine Stammelf mehr, sondern „eine erste 14“. Mit den „Spezialkräfte“ von der Bank soll in der „zweiten Phase“ die Stunde der Ersatzleute schlagen. Das Sondereinsatzkommando um Bastian Schweinsteiger, André Schürrle, Mario Götze und Miroslav Klose wird dann gebracht, wenn der Gegner bei den extremen klimatischen Bedingungen mit zunehmender Spieldauer Schwächen zeigt, Lücken lässt. „Sie haben die Aufgabe, der Mannschaft neue Energie zu geben, neue Impulse zu setzen. Im Zweifel machen diese Spieler den Unterschied“, schilderte Löw seine Sicht.

Standards als "gute Waffe für die Mannschaft"

„Das wird sich durch die ganze WM ziehen, dass Spieler von der Bank kommen, nochmal neuen Schwung bringen und dann die Spiele auch entscheiden können“, betonte Kapitän Philipp Lahm. Und die Startformation aus dem Auftaktmatch - das zeigt der Blick zurück auf andere Turniere - muss nicht die WM-Aufstellung für die folgenden Aufgaben sein. „Klar ist, dass wir unter diesen Bedingungen hier den gesamten Kader brauchen, wenn wir Erfolg haben wollen“, unterstrich der 29-Jährige vor seinem 99. Länderspiel.

Dafür könnten Standardsituationen ein mitentscheidender Faktor sein. „Das ist eine gute Waffe für eine Mannschaft. Diese Standards haben schon Gewicht“, erklärte der Bundestrainer. Hinter verschlossener Tür ließ er schon Möglichkeiten einstudieren, die sich die Spieler bei einem internen Wettbewerb mit zwei Teams selbst überlegt hatten. „Es waren verschiedene Varianten, um die anderen ein Stück weit zu überraschen“, berichtete Löw.

Damit sich der Erfolg gleich bei der ersten Weltmeisterschaftsprüfung einstellt, müssen vor allem die Kreise von Weltfußballer Ronaldo eingegrenzt werden. Der Champions-League-Sieger von Real Madrid sorgte am Donnerstag für Irritationen, als er das Training beendete und dabei einen Eisbeutel am Knie trug. Doch wie bei der WM 2006 (3:1), der EM 2008 (3:2) und der EM 2012 (1:0) wird Ronaldo, der noch kein Tor gegen Deutschland erzielte, auch am Montag in Portugals Startformation erwartet.

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„Man darf ihn im wahrsten Sinne des Wortes nicht aus den Augen lassen. Der Spieler, der gegen ihn spielt, muss immer sehen, was macht Ronaldo, wo ist Ronaldo“, beschrieb Löw das Anforderungsprofil für den zum Gegenspieler erkorenen Jérome Boateng. „Ich weiß: Alleine ausschalten kann ich Ronaldo über 90 Minuten sowieso nicht. Das kann kein Verteidiger. Das kann eine Mannschaft nur im Verbund“, sagte Boateng der „Bild“-Zeitung (Freitag).

Insgesamt zeichnet sich ab, dass am Montag acht Akteure in der deutschen Startelf stehen, die schon vor zwei Jahren bei der EM in Polen und der Ukraine angefangen hatten. Der damalige Kopfball-Torschütze Mario Gomez ist nicht im aktuellen Aufgebot.

Der Sieg im ukrainischen Lwiw war der sechste Erfolg im elften Spiel für die in EM-Eröffnungspartien ungeschlagene DFB-Elf - ein erfolgreicher WM-Start hat ebenfalls Tradition. Bei den drei Titelgewinnen 1954, 1974, 1990 fand die Nationalelf gleich in die Siegspur. Von 17 Ouvertüren seit 1934 gewann die DFB-Auswahl zwölf und verlor bei einem Torverhältnis von 46:12 nur eine. „Für uns wäre es sehr gut, wenn wir im ersten Spiel ein Ausrufezeichen setzen könnten“, sagte Löw.

dpa

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