Arthur Abraham ist zum Siegen verdammt

+
Arthur Abraham.

Rust - Der frühere Box-Weltmeister Arthur Abraham will am Samstag mit einem erfolgreichen Comeback den Weg zu einem neuen Titelkampf ebnen. Sollte der 31-Jährige scheitern, ist seine Karriere endgültig vorbei.

Die abschließenden Trainingseinheiten und das offizielle Wiegen am Freitagnachmittag absolvierte Arthur Abraham in einem Freizeitpark. Im Fall eines Scheiterns bei seinem Comebackversuch wird der frühere Box-Weltmeister allerdings mehr Freizeit haben, als ihm lieb ist. Wenn Abraham am Samstag in Offenburg (22.45 Uhr/ARD) nach seiner achtmonatigen Ring-Abstinenz gegen den international unbekannten Argentinier Pablo Farias kein überzeugender Auftritt gelingt, ist die ohnehin am Boden liegende Karriere des 31-Jährigen endgültig vorüber.

„Es geht um Alles oder Nichts. Verlieren darf Arthur nicht, sonst ist es vorbei. Dann geht bei Arthur das Licht aus“, sagte Abrahams Promoter Kalle Sauerland vor dem als Aufbaukampf geplanten Fight im Supermittelgewicht in der Baden-Arena. Trainer Ulli Wegner sieht es genauso. „Noch eine Beule kann seine Karriere nicht verkraften“, äußerte der Coach. Immerhin scheint auch Abraham mittlerweile wieder zu wissen, was die Stunde geschlagen hat: „Ich will nicht gewinnen, ich muss gewinnen.“

Die besten Boxer-Sprüche

Die besten Boxer-Sprüche

"Es gab schon viele Weltmeister, die später Alkoholiker wurden. Aber ich bin der erste Alkoholiker, der Weltmeister wurde." Eckhardt Dagge (rechts), Superweltergewichts-Weltmeister 1976. © dpa
George Foreman auf die Frage eines Interviewers, warum seine fünf Söhne alle "George" heißen: "Stellen Sie sich mal mit Ali, Frazier oder Holyfield in den Ring und halten den Kopf hin. Dann sind sie froh, wenn sie sich später nicht so viele Namen merken müssen." © dpa
"Falls Du davon träumst, mich zu schlagen, dann wachst Du besser sofort auf und entschuldigst Dich bei mir!" Muhammad Ali © getty
"Ich weiß, wie ich Mike Tyson schlagen kann!" Das verkündete Peter Mc Neeley 1995 vor seinem Kampf gegen Mike Tyson (links). Tyson haute McNeeley (rechts) anschließend in der ersten Runde K.o. © dpa
"Er war unheimlich schnell als Champion. Er war so schnell, dass er das Licht löschte und im Bett war, bevor es im Schlafzimmer dunkel wurde..." George Foreman (links) über Muhammad Ali (rechts). Foreman wurde bei dem legendären Fight der beiden 1975 in Zaire ausgeknockt. © AP
"Es gibt schlaue Deutsche und schlaue Polen, aber Du bist ein dummer Pole. Mit Dir kann man nicht diskutieren, Du bist zu dumm..“ Graciano "Rocky" Rocchigiani (rechts) zu Dariusz "Tiger" Michalczewski (links) auf einer Pressekonferenz vor dem Kampf im Januar 2000. © dpa
„Er ist ein Asozialer. Der sollte sich auf der Straße prügeln". “ Der Tiger im April 2000 über Rocky. © dpa
Muhammad Ali wurde in einem Flugzeug vor dem Start von einer Stewardess aufgefordert, den Gurt anzulegen. Ali prahlte: "Superman braucht keinen Gurt." Die Stewardess konterte: "Superman braucht kein Flugzeug." © dpa
"Einmal machte ich zwei Wochen lang Diät. Alles was ich verloren habe, waren zwei Wochen." George Foreman © dpa
"In Russland gibt es ein Sprichwort: Ein guter Boxer hat so viele Fähigkeiten, die kann er nicht mal versaufen. Und ich saufe noch nicht einmal." Vitali Klitschko rechnete sich gute Chancen für sein Comeback aus. © dpa
Auf die 1939 gestellte Frage, ob er eigentlich wisse, wer William Shakespeare sei, antwortete Schwergewichtsboxer Tony "The TNT Kid" Galento: "Shakespeare? Ich habe noch nie von ihm gehört. Ich vermute mal, er ist einer dieser ausländischen Schwergewichtler. Die sind alle lausig. Eins ist sicher, ich vermöbel den Penner." Da war die Dichterlegende nur schon fast ein halbes Jahrtausend tot. © dpa
Vor seinem letzten Profi-Kampf gegen Trevor Berbick (links) 1981 war Muhammad Ali (rechts) schon deutlich von seiner Parkinsonkrankheit gezeichnet. Die Bedenken, ob er überhaupt noch antreten solle, kommentierte Ali trocken: "Noch nie in der Weltgeschichte haben sich so viele weiße Menschen um einen Neger solche Sorgen gemacht." © dpa
Alis Humor ist legendär: Nachdem er durch einen IQ-Test der US-Armee fiel, meinte er nur: “Ich sagte, ich bin der Größte. Ich sagte nicht, ich bin der Klügste” © dpa
Halbschwergewichtler Willie Pastranos kassierte böse Treffer bei einem Kampf in New York. Als er vom Ringarzt gefragt wurde, ob er überhaupt wisse, wo er sei, sagte Pastrano: “Davon kannst Du verdammt noch mal ausgehen. Ich bin im Madison Square Garden, wo ich gerade die Scheiße aus mir herausgeprügelt bekomme” © dpa
Ralf Rocchigiani lästerte: “Torsten May ist nicht WM-würdig. Der trinkt und raucht nicht” © dpa
Mike Tyson hörte von einem Reporter, dass sein Gegner Bruce Seldon über beeindruckende athletische Fähigkeiten verfüge. Tyson meinte nur: "Was will er tun, wenn ich ihn voll treffe? Hürdenlaufen?" Einen Tag später haute er Seldon in der ersten Runde die Lichter aus. © dpa
Mittelgewichts-Legende Hector "Macho" Camacho über seine Vorlieben: "Meine Frau buht mich aus, wenn wir Sex haben. Sie weiß, dass mich das anmacht." © dpa
Schwergewichts-Weltmeister Lennox Lewis erzählte, wie er sich an seine einzige KO-Niederlage 1994 gegen Oliver McCall erinnert: "Plötzlich wachte ich auf, lag auf dem Boden und der Ringrichter starrte mir ins Gesicht und brüllte: sechs, drei, sieben, fünf!" © dpa
"Iron-Mike" Tyson über sich selbst: "Ich weiß, ich bin ein Arschloch, aber das ist nun mal mein Stil." © dpa
Bundeskanzler Konrad Adenauer zu Hein ten Hoff, als der 1952 Europameister im Schwergewicht geworden war und auf USA-Reise ging: "Nun boxen Sie mal schön, aber vergessen Sie nicht, daß wir mit den Amerikanern jetzt befreundet sind." © dpa
"Das Ohr ist durch einen Schlag abgeflogen", erklärte Mike Tyson (links), nachdem er Evander Holyfield (rechts) 1997 ein Stück seines Ohrs abgebissen hatte. Das Foto beweist das Gegenteil... © dpa
Der frühere britische Europa- und Weltmeister im Mittelgewicht, Alan Minter, meinte leicht verharmlosend: "Sicher, es gab Verletzungen und Todesfälle im Boxsport. Aber keine ernsthaften." © Getty
"Man weiß ja nicht, wie groß das bei einem da unten alles ist." Premiere-Kommentator und Ex-Profi Axel Schulz während des "Tiefschlag-Festivals" zwischen John Ruiz und Kirk Johnson. © dpa
"Er ist ein Typ der morgens um sechs Uhr aufsteht, egal welche Uhrzeit es ist." Coach Lou Duva 1996 über das harte Training von Andrew Golota (links). © Getty
"Ich werde dieses Interview sofort abbrechen, wenn Sie nicht ihr Maul halten!" US-Kommentatorenlegende Larry Merchant (Foto) während eines Interviews mit Hector Camacho Jr. zu Promoter Dan Goossen - der sagte Camacho die Antworten vor. © Screenshot: Youtube
Auf die Reporter-Frage, wie es denn zu seinem WM-Gewinn kam, antwortete Ralf Rocchigiani: “Ich habe es mal mit Training versucht” © dpa
"Ich finde, die Deutschen sind wunderbare Leute." Promoter-Legende Don King 1995 nach dem Skandal-Kampf zwischen Axel Schulz und Francis Botha, bei dem die aufgebrachten Zuschauer den Ring bewarfen. © dpa
„Warum sind Sie Boxer?“ wurde der irische Federgewichts-Champion Barry McGuigan (links) gefragt. Seine Antwort: „Weil ich kein Dichter bin. Ich kann keine Geschichten erzählen.“ © Getty
Mike Tyson über seine Ring-Strategie: "Ich versuche, die Nasenspitze meines Gegners zu treffen. Ich will ihm das Nasenbein ins Gehirn treiben." © Getty
Vor seinem Kampf gegen Rocky Marciano (Foto) verkündete Schwergewichts-Weltmeister "Jersey" Joe Walcott 1952: "Ihr könnt meinen Namen aus den Annalen streichen, wenn Marciano mich besiegt!" Marciano haute Walcott in der ersten Runde um. © AP
"Warum glaubte irgendjemand, dass er schlauer rauskommt? Er war drei Jahre im Knast - nicht auf der Uni." Promoter Dan Duva über Tyson, der sich vertraglich wieder an Don King band, kaum dass Tyson wieder ungesiebte Luft atmete. © dpa
"Mann am Boden - jutet Jefühl" Lebensweisheit des Philosophen und Boxers Graciano "Rocky" Rocchigiani. © dpa
"Keiner versteht, warum Holyfield gegen Tyson kämpfen will. Wäre es nicht einfacher, sich vor einen fahrenden Zug zu stellen?" Das fragte sich Schwergewichtler Michael Moorer. Doch entgegen seiner Prognose besiegte Holyfield Tyson 1996 per K.o. © dpa
"Wir sind verheiratet, wie Vater und Sohn." So beschrieb Promoter Don King sein Verhältnis zu Halbmittelgewichtler Julio César Chavez. © dpa
Quizmaster und TV-Legende Robert Lembke ("Was bin ich?") befand: "In dieser Welt sind die einzigen Menschen, die noch die Rechte anderer beachten, die Berufsboxer." © dpa
"Foreman kann mich gar nicht getroffen haben, die Hallendecke muß heruntergekommen sein." "Smokin'" Joe Frazier (links) wurde von Foreman (rechts) 1973 mit einem linken Aufwärtshaken ausgeknockt. Frazier hob bei diesem Treffer mit beiden Beinen vom Boden ab. © Getty

Wie tief der frühere Mittelgewichts-Weltmeister gesunken ist, zeigen schon alleine die Umstände des Kampfes gegen Farias, der erstmals außerhalb seines Heimatlandes einen Profikampf absolviert. Früher stieg der Berliner in der Hauptstadt vor mehr als 12.000 Zuschauern in den Ring, diesmal werden 4000 Boxfans in der badischen Provinz erwartet. Zu seinen besten Zeiten kassierte Abraham rund 1,5 Millionen Euro pro Fight, diesmal verdient er gerade einmal 95.000 Euro.

Nach dem Willen Abrahams, der sich insgesamt zehn Millionen Euro erboxt hat, soll es ab Samstag wieder bergauf gehen. Der gebürtige Armenier hat genug von den Schlagzeilen über seinen luxuriösen Lebenswandel mit einem Ferrari und einem eigenen Flugzeug. „Der Samstag ist für mich ein Neuanfang. Ich will mich erfolgreich zurückmelden. Dann will ich dieses Gefühl, Weltmeister zu werden, wieder erleben. Das kann man für kein Geld der Welt kaufen“, sagte Abraham, der in den kommenden Monaten Großes vorhat: „Ich mache ein, zwei Aufbaukämpfe und boxe Ende des Jahres um die WM. Das ist der Plan.“

Dabei hatte es noch vor wenigen Monaten so ausgesehen, als ob Abraham sein unrühmliches Karriere-Ende bereits hinter sich hätte. Nachdem der Champ 2009 seinen IBF-Titel im Mittelgewicht niedergelegt hatte, um am lukrativen Super-Six-Turnier der besten Supermittelgewichtler teilzunehmen, ging es nur noch bergab. Abraham zeigte eine Klasse höher deutliche Schwächen, verlor drei seiner vier Fights und schied vorzeitig aus.

„Natürlich habe ich mir Gedanken gemacht und Lehren aus den letzten Kämpfen gezogen“, sagte Abraham, der zuletzt im Mai 2011 einstimmig nach Punkten gegen Andre Ward (USA) verloren hatte. „Ich habe damit abgeschlossen. Für mich zählt das, was kommt“, sagte Abraham, der seinen Vertrag mit dem Sauerland-Boxstall Ende vergangenen Jahres bis 2014 verlängert hat.

Im Gegensatz zu seiner Kampfbilanz im Supermittelgewicht hat Abraham eine Klasse tiefer alle seine 30 Profikämpfe gewonnen und den WM-Titel zehnmal verteidigt. Dennoch ist es unwahrscheinlich, dass Abraham noch einmal ins Mittelgewicht zurückkehren wird: „Ich will meinen Körper nicht kaputtmachen.“

Neben dem Abraham-Kampf wird den Zuschauern in Offenburg ein WM-Fight im Supermittelgewicht geboten. WBO-Champion Robert Stieglitz (Magdeburg) tritt gegen den krassen Außenseiter Henry Weber aus Stralsund an. Die Bedeutung dieses Kampfes zeigt die ARD-Übertragung: Der Abraham-Fight wird live gezeigt, der Kampf von Stieglitz geht danach als Aufzeichnung über den Sender.

sid

Kommentare