Leichtathletik-WM in Peking

Bitteres Aus: Spiegelburg verpasst Finale

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Silke Spiegelburg verpasste das WM-Finale.

Peking - Das WM-Finale in Peking findet ohne die beste deutsche Stabhochspringerin statt: Silke Spiegelburg schied am Montag überraschend schon in der Qualifikation aus. Glücklich ist sie bei großen Meisterschaften zuletzt nie geworden.

Silke Spiegelburg und die großen Leichtathletik-Meisterschaften - das war schon immer ein besonderes Thema. Zwischen 2009 und 2013 wurde die beste deutsche Stabhochspringerin viermal Vierte bei den jeweiligen Weltmeisterschaften, Europameisterschaften und Olympischen Spiele.

"Vierte, immer werde ich Vierte", sagte sie 2012 in London verzweifelt. Dabei liefen ihr die Tränen aus den Augen. An diesem Montagmorgen war dann alles noch schlimmer: Spiegelburg schied bei der WM in Peking bereits in der Qualifikation aus.

Besser machten es die Diskuswerferinnen um die deutsche Meisterin Fischer (63,38 m). Die Freundin von Olympiasieger Robert Harting steht ebenso im Finale (Dienstag, 13 Uhr/ARD) wie die EM-Dritte Shanice Craft (62,73/Mannheim) und die frühere WM-Zweite Nadine Müller (64,51/Leipzig).

„Ich war schon ziemlich aufgeregt“, sagte Fischer. Die 25-Jährige hatte sich zuletzt im Training noch am Rücken verletzt und zeigte sich erleichtert: „Jetzt freue ich mich einfach auf das Finale. Das ist die erste WM, vor der ich keine Angst habe. Ich bin selbstbewusst und weiß, ich habe was drauf.“ Doch die Weltjahresbeste Denia Caballero aus Kuba (65,15) und Titelverteidigerin Sandra Perkovic (64,51/Kroatien) werden wohl kaum zu schlagen sein.

Unbeeindruckt vom Spiegelburg-Schock zeigten sich die anderen beiden deutschen Stabhochspringerinnen. „Das war locker flockig“, sagte Martina Strutz nach ihrem Versuch über 4,55 m, der zum Einzug in den Endkampf reichte: „Im Finale will ich Saisonbestleistung (4, 65 m, d.Red.) springen, alles andere ist Zugabe.“ Auch die deutsche Meisterin Lisa Ryzih (4,55 m/Ludwigshafen) rechnet sich für den Showdown um die Medaillen einiges aus.

Einen starken Eindruck hinterließ Gesa Felicitas Krause (9:24,92 Minuten/Frankfurt). Die deutsche Meisterin spazierte souverän ins Finale über 3000 m Hindernis (Mittwoch, 15 Uhr/ZDF). „Ein wenig liebäugele ich mit dem deutschen Rekord, bis dahin fehlen mir ja nur noch anderthalb Sekunden. Ich hoffe, dass die eigenen Kräfte und der Kopf mitspielen“, sagte die 23-Jährige: „Ich will auf der Bahn zeigen, was in mir steckt.“

Für die Weitspringer Fabian Heinle (Tübingen) und Alyn Camara (Leverkusen) ist die WM nach der Qualifikation bereits beendet. Heinle reichten 7,96 m nicht zum Finale (Dienstag, 13.25 Uhr/ARD), Camara kam nicht über 7,66 m hinaus.

Drei Fehlversuche über 4,55 Meter, davor auch die 4,45 Meter erst im dritten Anlauf übersprungen: Das reichte für Spiegelburg nicht aus, um das Finale der besten 14 am Mittwoch um 13.05 Uhr deutscher Zeit zu erreichen.

Es gibt Athleten, die fressen eine solche Enttäuschung in sich hinein. Spiegelburg aber lässt sie jedesmal frei heraus. Wütend stapfte sie nach ihrem dritten Fehlversuch über 4,55 Meter über die Stabhochsprunganlage. Sie warf ihre Trinkflasche weg, trat gegen ihre Sporttasche und fluchte laut über sich selbst. Dann packte sie ihre Sachen zusammen und verschwand in den Kabinen des Olympiastadions. Zu den wartenden Journalisten sagte sie kein Wort.

"Ich bin noch zu ihr hingegangen. Aber in dem Moment kann ihr keiner helfen. Das ist sehr bitter", meinte Strutz. Das Verhältnis unter den deutschen Stabhochspringerinnen ist ohnehin nicht das beste. "Vielleicht sind wir alle mehr Einzelkämpferinnen", sagte Strutz. Am Montag hätte ihrer Rivalin aber auch der beste Teamgeist nicht geholfen.

Ein Teil der Erklärung ist: Für Spiegelburg ist es eine schwierige WM-Saison. Nach immer wiederkehrenden Problemen im vergangenen Jahr musste sich die 29-Jährige am rechten Fuß operieren lassen. Als Ursache stellte sich ein Haarriss im Kahnbein heraus. "Erst Mitte Januar konnte ich wieder mit dem Springen beginnen", erzählte sie vor der WM.

Aber auch ohne Verletzungsprobleme gab es in Spiegelburgs Karriere bislang vor allem eine Konstante: die fehlende Konstanz. Denn ihren Rückschlägen bei internationalen Meisterschaften stehen auch einige bemerkenswerte Erfolg entgegen, häufig auch in ein und derselben Saison. So gewann die Studentin der Gesundheitsökonomie von 2011 bis 2013 dreimal nacheinander die Gesamtwertung der Diamond League. Das haben nicht einmal die Olympiasiegerin Jennifer Suhr aus den USA oder die WM-Favoritin Yarisley Silva aus Kuba geschafft.

Spiegelburgs nächste Ziele sind jetzt die Olympischen Spiele 2016 in Rio und die Heim-EM 2018. "Mit Berlin habe ich noch eine Rechnung offen", sagte sie einmal. Auch da wurde sie bei der WM 2009 Vierte.

dpa/sid

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