Bronze raubt Savchenko den Schlaf

"Die Russen haben unfair getrickst"

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Aljona Savchenko und Robin Szolkowy.

Sotschi - Erst Tricks, dann Trauer: Dass es nicht zum Olympiasieg, sondern nur zur Bronzemedaille reichte, lag Aljona Savchenko und Robin Szolkowy auch am Morgen danach noch schwer im Magen.

Am Morgen danach hatte Aljona Savchenko die Enttäuschung noch immer nicht verdaut. Nach einer schlaflosen Nacht war die Paarläuferin aus Chemnitz derart angefressen, dass sie sich zu einem Seitenhieb auf die Gastgeber hinreißen ließ. „Die Russen“, behauptete Savchenko, während sie ihre Sonnenbrille fahrig in den Händen rotieren ließ, „haben unfair getrickst“. Nach Bronze statt Gold im ausverkauften Iceberg Skating Palace machte sie ihrem Ärger Luft.


Die Russen hätten ihre Vorbereitung gestört, sie nicht wie sonst üblich beim Einlaufen als Erste aufs Eis gelassen, klagte Savchenko. Zudem wurmte sie, dass die russischen Paare Wolososchar/Trankow (Gold) und Stolbowa/Klimow (Silber) eine eigene Kabine hatten. Der Rest der Eiskunstlauf-Welt musste sich eine Umkleide teilen. Auch Erfolgstrainer Ingo Steuer, der für alle Triumphe der viermaligen Weltmeister Savchenko und Robin Szolkowy verantwortlich zeichnete, waren die psychologischen Spielchen nicht entgangen.

„Natürlich reden wir über Kleinigkeiten, aber sie sollten zu einer Verunsicherung führen. Jeder Mensch hat ja so seine Rituale“, sagte Steuer. Als „kriegsentscheidend“ wollte er die Taschenspielertricks der Russen jedoch nicht werten. Auch Szolkowy, der mit seinem Patzer beim dreifachen Toe-Loep den entscheidenden Fehler begangen hatte, präsentierte sich als fairer Verlierer. „Es gibt keinen, auf den ich meinen Sturz schieben kann“, sagte der 34-Jährige.


Der entscheidende Sturz. „Danach hätten wir eigentlich nach Hause gehen können“, sagte Savchenko noch immer verbittert und enttäuscht. Sie taten es vor 12.000 begeisterten Zuschauern natürlich nicht, die Körperspannung war allerdings sicht- und spürbar verloren gegangen. Und als dem sächsischen Traumpaar nach einem Sturz von Aljona beim dreifachen Wurf-Axel tatsächlich auch noch Rang zwei verloren ging, war der schwarze Abend am Schwarzen Meer perfekt.

Nicht nur die amtierenden Weltmeister Tatjana Wolososchar und Maxim Trankow, die nach ihrer herausragenden Kür kaum einzuholen waren, sondern auch deren Teamkollegen Xenia Stolbowa und Fedor Klimow landeten schließlich vor Savchenko/Szolkowy. „Aljona und Robin haben sich nicht kampflos ergeben, aber sie waren nicht mehr sie selbst“, sagte Trainer Steuer.

Kämpfen müssen Steuer und Savchenko ab sofort um einen letzten Wettkampfauftritt der viermaligen Europameister bei den Weltmeisterschaften Ende März im japanischen Saitama. Denn Szolkowy, mit Abstand ältester olympischer Eiskunstläufer von Sotschi, hat eigentlich mit seiner Karriere abgeschlossen und dürfte nicht so leicht von der weiten Reise ins fernöstliche Kaiserreich zu überzeugen sein.

„Ich will erstmal ein paar Tage ins Land gehen lassen, um in Ruhe über viele Dinge nachzudenken“, erklärte Szolkowy knapp. Doch unabhängig von der WM-Teilnahme ist die nahe sportliche Zukunft des Erfolgsduos längst fixiert. Der olympischen Gala am 22. Februar (17.30 Uhr/20.30 Uhr MEZ/OZ) in Sotschi folgt die lukrative „Art on Ice“-Tour, weitere Schaulaufen stehen in Korea und Japan auf dem Programm.

Weit weniger vorhersehbar ist die berufliche Zukunft von Steuer. Noch immer liegt ein Bannstrahl auf dem einstigen Stasispitzel, die Deutsche Eislauf-Union (DEU) darf ihn auch fast 25 Jahre nach dem Fall der Mauer für die Betreuung deutscher Läufer nicht mit öffentlichen Fördergeldern bezahlen.

Doch die Nationalität seiner Läufer ist dem 47-Jährigen nach eigenem Bekunden gar nicht so wichtig. „Ich brauche Sportler, die Erfolgswillen haben und die sich mir aussetzen mögen“, sagte der Coach. Es gebe mehrere Paare, so Steuer weiter, die gern nach Chemnitz kommen würden.

Die DEU muss sich jedenfalls auf magere Zeiten einstellen, fast zehn Jahre lang schönten die achtmaligen deutschen Meister Savchenko/Szolkowy die internationalen Bilanzen. DEU-Vizepräsidentin Elke Treitz füchtete sich in pure Schönfärbei: „Es wird keinen nahtlosen Übergang geben. Wir rechnen mit einer kleinen Delle.“

sid

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