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Heiner Brand: Das Abschiedsinterview

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Heiner Brand hört als Bundestrainer auf

Hamburg - Zum Ende seiner Bundestrainer-Ära spricht Heiner Brand über Erfolge, die neue Spielergeneration und seine Ziele als Leistungssport-Manager.

Herr Brand, nach über 14 Jahren endet Ihre Zeit als Handball-Nationaltrainer. Wehmut oder Erleichterung, was überwiegt?

Heiner Brand: Es ist beides. Erleichterung, weil ich mich in den letzten Jahren sehr stark aufgerieben habe und auf Nebenkriegsschauplätzen viel Kraft gelassen habe. Aber natürlich auch Wehmut nach so vielen tollen Jahren. Ich war immer mit Leib und Seele dabei, die Umstellung wird gewiss nicht einfach für mich.

Wären Sie auch zurückgetreten, wenn es bei der WM im Januar ein besseres Ergebnis als Platz elf gegeben hätte?

Brand: Der Rücktritt wäre vielleicht nicht so schnell gekommen, aber ich hatte schon vor der WM überlegt und mit meiner Frau darüber gesprochen. Bei einem Platz unter den ersten fünf wäre es bestimmt ruhiger geblieben, aber für mich sind die Platzierungen nicht der Maßstab. Der Spaß ist mir ein wenig verloren gegangen.

Ihr Nachfolger wird es entsprechend schwer haben...

Brand: Der Job als Nationaltrainer ist grundsätzlich nicht einfach. Mit ein, zwei Erfolgen wird er sich auch bestimmt etabliert haben. Aber ich werde meinem Nachfolger nicht in seine Arbeit hineinreden. Diese Vorgabe habe ich mir selber gesetzt.

Wie wollen Sie als zukünftiger Leistungssport-Manager dafür sorgen, dass der DHB wieder an alte Erfolge anschließen kann?

Brand: Ich werde versuchen, bessere Strukturen zu schaffen, damit vor allem junge Spieler auf Bundes-Ebene besser ausgebildet werden und sich die Vereine gezwungen sehen, diese jungen Spieler einzubauen.

Der Kampf mit den Topteams der Liga, die fast ausschließlich auf ausländische Stars setzen, war einer der Nebenkriegsschauplätze, die Sie angesprochen haben...

Brand: Noch sind bei den großen Klubs die finanziellen Mittel vorhanden. Aber es bleibt abzuwarten, ob alle Mäzene auch in Zukunft so viel Geld in den Handball pumpen. Wenn einige erstmal weg sind, werden auch die Topklubs zwangsweise umdenken müssen.

Ihnen wurde seitens der Klubs vorgeworfen, dass Sie als Bundestrainer nur aus egoistischen Motiven den Einsatz und die Förderung junger, deutscher Spieler forderten...

Brand: Das Argument gilt dann in Zukunft nicht mehr. Als Manager bin ich in einer unabhängigeren Position, das ist im dann deutlich besser für mich und meine Argumentation.

Gehört die aktuelle DHB-Auswahl denn noch zur Weltspitze?

Brand: Ich sag es mal so: Sie ist nicht weit davon entfernt. Auch wenn wir bei der WM zuletzt nur Elfter geworden sind. Aber das reicht natürlich nicht und kann auch nicht der Anspruch einer deutschen Auswahl sein. Wir müssen auf Dauer unter den besten Fünf der Welt sein, dann kommen die Titel ganz von alleine, wenn auch nicht bei jedem großen Turnier.

Ist die Auswahl nach den großen Erfolgen mit dem EM-Titel 2004 und dem WM-Gewinn 2007 auf dem absteigenden Ast?

Brand: Sie hat definitiv noch Potenzial. Das Team ist sieges- und steigerungswillig. Aber das Spielerangebot ist nicht mehr so groß, dass auf jeder Position eine Konkurrenzsituation zu erzielen ist.

Damit sich das wieder ändert, war schon öfter eine Quote im Gespräch, mit der die Klubs gezwungen werden, junge, deutsche Spieler einzusetzen. Werden Sie sich weiter dafür einsetzen?

Brand: Eigentlich halte ich nichts von einer Quote. Aber wenn sich nichts ändert, dann ist es eben das einzige Mittel. Man muss abwarten, wie sich das Bild in der Liga entfalten wird.

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Inwiefern haben sich der Handball generell und die Spieler speziell in Ihrer Amtszeit seit 1997 verändert?

Brand: Es hat eine enorme Entwicklung im Handball gegeben. Durch Regeländerungen, wie zum Beispiel die schnelle Mitte, ist das Spiel viel temporeicher geworden. Die Klubs sind professioneller geführt und die Spieler sind athletischer. Die Profis sind auch heute noch genauso leistungsbereit wie vor 14 Jahren, manchmal muss man sie sogar bremsen. Was so ein bisschen fehlt, ist die Handball-Verrücktheit. Handball ist für viele Spieler heute einfach ein Beruf.

Welcher Erfolg war rückblickend der schönste für Sie?

Brand: Die WM 2007 im eigenen Land und der Titelgewinn in der ausverkauften Kölner Arena war ganz klar der emotionale Höhepunkt meiner Karriere. Sportlich war die Nationalmannschaft sicherlich schon 2004 auf dem Höhepunkt angekommen. Der EM-Titel war die logische Konsequenz und der Abschluss einer Leistungsentwicklung. In den Jahren zuvor waren wir schon sehr dominant und hatten einfach viel Pech mit diversen Vize-Titeln, einer Menge verletzter Spieler und unglücklichen Niederlagen.

Gibt es einen Spieler, den sie besonders herausheben würden?

Brand: Keinen einzelnen, aber Blacky Schwarzer, Markus Baur, Stefan Kretzschmar oder auch Daniel Stephan, das waren sicherlich die Spieler, die meine Zeit als Nationaltrainer geprägt haben. Zum Teil sind die ja auch schon etwas näher an meinem Alter dran, da haben sich inzwischen auch private Verbindungen entwickelt.

Was bedeutet es für Sie, als einziger Handballer den WM-Titel als Spieler und als Trainer gewonnen zu haben?

Brand: Es ist zwar immer wieder schön, in einem Atemzug mit Franz Beckenbauer genannt zu werden, der das Kunststück im Fußball ja auch geschafft hat. Aber grundsätzlich zählt das für mich nicht so sehr.

Nächstes Jahr werden Sie 60 Jahre alt, wie lange werden Sie dem deutschen Handball noch die Treue halten?

Brand: Erstmal habe ich jetzt eine sehr spannende Aufgabe als Manager für den Leistungssport vor mir. Ob ich nochmal als Trainer arbeite, kann ich mir derzeit nicht vorstellen - aber man soll ja niemals nie sagen.

Timo Prüfig, dapd

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