Brasilien-Spiele gekauft?

IOC wegen Rio-Skandal unter Druck

+
IOC-Präsident Thomas Bach steht unter Druck.

Eigentlich will das IOC bei seiner Versammlung in Lima die Doppelvergabe der Olympischen Spiele an Paris und Los Angeles feiern - doch die Stimmung ist mäßig. Im Raum steht die Frage, ob die Rio-Spiele gekauft worden sind.

Lima - Der Skandal um mögliche Stimmenkäufe vor der Vergabe der Olympischen Spiele an Rio de Janeiro setzt das Internationale Olympische Komitee (IOC) massiv unter Druck. „Wenn Beweise vorgelegt werden, werden wir handeln“, sagte IOC-Präsident Thomas Bach am Montagabend (Ortszeit) in Perus Hauptstadt Lima. „Keine Organisation in der Welt ist immun.“ In Lima will das IOC am Mittwoch die Sommerspiele 2024 an Paris und 2028 an Los Angeles vergeben.

Bach sagte, dass er trotz der Nordkoreakrise keine Gefahr für die Winterspiele 2018 im südkoreanischen Pyeongchang sehe. Alle Signale die er von Regierungen und Nationalen Olympischen Komitees empfange, zeigten, dass die Spiele stattfinden könnten.

IOC-Ehrenmitglied Nuzman im Fokus der Ermittlungen

Hinweise der französischen und brasilianischen Justiz, Rio 2016 könnte gekauft gewesen seien, überschatten die erste Doppelvergabe seit knapp 100 Jahren. „Glaubwürdigkeit ist extrem wichtig für uns“, sagte Bach. Er musste sich in einer Pressekonferenz rund 45 Minuten lang fast nur Fragen zum Thema Korruption stellen. Anwälte des IOC hätten Kontakt zu brasilianischen Ermittlern aufgenommen, um mehr Informationen zu erhalten, betonte der IOC-Präsident.

Im Fokus steht IOC-Ehrenmitglied Carlos Nuzman, der Chef des Organisations-Komitees von Rio 2016 war und auch das Nationale Olympische Komitee Brasiliens leitet. Er soll möglicherweise Stimmen aus Afrika bei der Vergabe zugunsten Rios mit Millionen geködert haben. Nuzman weist die Vorwürfe zurück. Sein Pass wurde eingezogen, sein Anwesen in der vergangenen Woche in Rio de Janeiro durchsucht und seine Konten eingefroren.

Mit Blick auf die die Winterspiele in Südkorea im nächsten Februar betonte Bach, Alleingänge Nationaler Olympischer Komitees, aus Sicherheitsgründen nicht teilzunehmen, erwarte er nicht. „Ich sehe das derzeit nicht“, sagte Bach.

Der IOC-Präsident hofft, dass die Generalversammlung der Vereinten Nationen im November eine Resolution für einen olympischen Frieden im November verabschiedet. Die Spiele im südkoreanischen Pyeongchang sind vom 9. bis 25 Februar 2018 geplant. Pyeongchang ist nicht einmal 100 Kilometer von der Grenze zu Nordkorea entfernt.

Das weitgehend isolierte Nordkorea hatte mit Raketen- und Atomtests die Spannungen immer weiter verschärft. Der UN-Sicherheitsrat verabschiedete am Montag in New York einstimmig neue Strafmaßnahmen gegen Nordkorea, so sollen die Öllieferungen in das Land begrenzt werden.

Ausschluss Russlands für Spiele 2018?

Noch vor Beginn der Wintersportsaison hofft Bach auf neue Erkenntnisse zum Ausmaß des russischen Dopingskandals. Auf der IOC-Vollversammlung, die am Mittwoch beginnt, sind nur Zwischenberichte der beiden hauseigenen Kommissionen zu erwarten.

Bach hatte wiederholt angekündigt, das IOC werde gegen russische Dopingsünder mit Strafen durchgreifen. Sollte sich die Beweislage für Staatsdoping bei den Winterspielen im russischen Sotschi 2014 weiter erhärten, muss das IOC entscheiden, ob Russland bei den Spielen im Februar 2018 in Pyeongchang überhaupt antreten kann.

Das IOC hat angesichts der beiden Untersuchungen des kanadischen Rechtsprofessors Richard McLaren über systematisches und staatlich gebilligtes Doping Russlands eigene Kommissionen mit Untersuchungen beauftragt. Russland soll in Sotschi nach Erkenntnissen McLarens im großen Stil staatlich organisiertes Doping betrieben haben.

Die Schmidt-Kommission des IOC versucht zu klären, welche Athleten, Funktionäre und Trainer im Staatsdoping verwickelt waren. Die Oswald-Kommission des IOC untersucht, auf welche Weise gedopt wurde und mit welchen Methoden Dopingproben in Sotschi manipuliert wurden. Die Proben aller russischen Athleten werden überprüft.

dpa

Zurück zur Übersicht: Sport-Mix

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser