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Kein schlechtes Gewissen: Contador fährt die Tour

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Alberto Contador will bei der Tour mitfahren

Leipzig - Ein Satz von Alberto Contador genügte, um den Saisonhöhepunkt der Radprofis schon drei Wochen vor dem Startschuss zur Tour de Farce verkommen zu lassen.

“Ja, ich werde die Tour de France fahren“, sagte der unter Dopingverdacht stehende Spanier am Pfingstwochenende.

Contador hatte sich ein ihm zu Ehren veranstaltetes Jedermannrennen in seinem Heimatort Pinto nahe Madrid ausgesucht, um der Welt seine Pläne mitzuteilen. “Die Tour ist das beste Rennen mit den besten Fahrern“, sagte der 28-Jährige und schloss sich selbst natürlich gleich mit ein. Ein schlechtes Gewissen wegen des noch laufenden Dopingverfahrens gegen ihn plagt Contador ganz offensichtlich nicht.

Schließlich wird vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS erst vom 1. bis 3. August darüber verhandelt, ob Contador wegen eines positiven Tests auf Clenbuterol bei der Tour 2010 gesperrt wird. Deshalb könnte der Zweitplatzierte bei der am 2. Juli startenden Tour am Ende sogar zum Sieger werden - vorausgesetzt Contador gewinnt und wird danach vom CAS aus dem Verkehr gezogen. Denn dann werden alle Ergebnisse seit der positiven Probe gestrichen. So hat es der Weltverband UCI beantragt.

Aldag verlangt Bekenntnis von WADA

Dass Contador überhaupt starten darf, zeigt, wie leicht mit dem System gespielt werden kann. So kritisiert Rolf Aldag, Sportchef des Radteams HTC, im dapd-Interview: “Für mich stimmt irgendwas mit dem Umsetzen der Regeln nicht. Es ist unmöglich von der WADA (Welt-Anti-Doping-Agentur, d. Red.) und den Verbänden, ihm den Start bei der Tour frei zu stellen.“

Aldag forderte von der WADA ein klares Bekenntnis. “De Facto gibt es kein Limit für Clenbuterol. Es gibt eine positive A-Probe und eine positive B-Probe“, sagte der 42-Jährige: “Entweder man sperrt ihn oder man muss eingestehen, dass das Reglement falsch ist.“

WADA-Direktor David Howman hatte öffentlich lediglich sanften Druck auf Contador ausgeübt. “Rechtlich gesehen, hat er jedes Recht zu starten. Es liegt an ihm. Ich würde ihm aber nicht raten, es zu tun“, sagte der Neuseeländer. Hinter den Kulissen soll der Tour-Veranstalter ASO wohl noch etwas deutlicher geworden sein. Genützt hat es offenbar nichts.

Doping: Die merkwürdigsten Ausreden

Doping: Die merkwürdigsten Ausreden

Alberto Contador erklärte seine positive Doping-Probe mit verunreinigtem Essen. Er wurde daraufhin freigesprochen. Es ist nicht die erste merkwürdige Erklärung in der Geschichte des Dopings. © AP
Doping - die dümmsten Ausreden
Ex-Sprinter Dennis Mitchell nutzte seinen positiven Dopingbefund, um sich als Sexprotz zu outen. Das viele Testosteron komme von einer wilden Partynacht, in der er seine Frau verwöhnt habe. „Fünf Flaschen Bier und mindestens vier Mal Sex mit seiner Frau. Es war ihr Geburtstag. Die Lady hatte es verdient“, so lautete sein Statement. © Getty
Der Klassiker: Wer hat die Dopingmittel in Dieter Baumanns Zahnpastatube deponiert? © ots/dpa/Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Adrian Mutu: Der rumänische Fußballspieler sagte 2004 nach einer positiven Dopingprobe, er habe lediglich ein Mittel zur “Steigerung der sexuellen Leistungsfähigkeit“ genommen. Zuvor hatte er zugegeben, Kokain genommen zu haben, dieses Geständnis wenige Tage später jedoch widerrufen. © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Die Lebensmittelvergiftung der anderen Art: Ex-Sprinter Linford Christie beteuert: „Ich habe nicht gedopt, ich habe nur Avocados gegessen!“ © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Die wohl abgefahrenste Ausrede für Blutdoping hatte Radsportler Tyler Hamilton: “Ich bin ein Mischwesen. Die fremden Zellen in meinem Körper werden von den Stammzellen meines vor der Geburt gestorbenen Zwillingsbruders produziert." © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Gefährliche Mitbringsel: Die aus Südamerika importierten Bonbons sollen mit Koks verseucht gewesen sein, meint Straßenrad-Star Gilberto Simoni. © Getty
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Johann Mühlegg soll eine Spezial-Diät gemacht haben, wegen der in seinem Kreislauf eine EPO-ähnliche Substanz nachgewiesen wurde... © Getty
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Auf den Hund gekommen: Frank Vandenbroucke behauptete, als bei ihm Anabolika und EPO sichergestellt wurden, die Mittel seien für seinen asthmakranken Hund bestimmt gewesen. © Getty
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Justin Gatlin gab einem Masseur die Schuld. Der soll ihn nämlich mit einer testosteronhaltigen Salbe bearbeitet haben. Es soll sich sogar um eine fiese Retourkutsche des Profikneters gehandelt haben, meint Gatlin. © Getty
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Christian Henn, ehemals Radprofi, wollte eigentlich nur der eigenen Libido auf die Sprünge helfen. Ein Spezialtee wurde ihm zum Verhängnis. © Getty
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Ex-T-Mobile-Fahrer Matthias Kessler nahm angeblich Präparate zu sich, auf denen chinesische Schriftzeichen standen. Nur doof, dass er kein Chinesisch kann. © Getty
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Zu tief ins Glas geschaut und damit den Testosteronspiegel erhöht. Floyd Landis schiebt‘s auf den Whiskey © Getty
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Keiner war über einen positiven Dopingtest so verwundert wie Patrik Sinkewitz: "Ich? Das kann nicht sein", wunderte er sich. Und das ist noch nicht mal eine Ausrede... © Getty
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Martina Hingis, die Schweizer Version von Zahnpasta-Dieter Baumann: Jemand soll ihr Koks in den Fruchtsaft gemischt haben. Sieht ja auch aus wie Süßstoff... © Getty
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Ex-Radprofi Rolf Aldag gibt dem System die Schuld. Ohne EPO-Missbrauch hätte er im T-Mobile-Team keinen neuen Vertrag bekommen. © Getty
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Erik Zabel sagte, er habe nur einmal EPO probiert. Die Substanz habe aber nicht mit seinem Körper und Geist harmoniert. © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Jan Ullrich ließ sich in einer Disco Ecstacy andrehen. „Ulle“ schluckte die Tabletten, ohne sich dabei etwas gedacht haben zu wollen. “Ich war den Abend ziemlich mies drauf. Das waren zwei Tabletten, wo mir bestätigt wurde, (...) und dass das eigentlich harmloses Zeug ist.“ Wer ihm die Tabletten gab, sagte er nicht. “Zu den Tabletten kann ich gar nichts sagen, ich kenn' kein Ecstasy. Ich weiß nicht wie das aussieht. Ich bin um die Ecken gezogen und war in verschiedenen Läden. Ich möchte keinen Unschuldigen da mit reinziehen.“ © Getty
400-Meter-Olympiasieger LaShawn Merritt wurde nach positiven Dopingproben gesperrt. Die positiven Tests ließen sich mit der Einnahme eines frei erhältlichen Produkts zur Vergrößerung des männlichen Geschlechtsteils erklären, sagte sein Berater. © dpa
Claudia Pechstein: “Ich weiß nun, dass ich eine Blutmacke habe, aber nicht krank bin“, sagte die Eisschnellläuferin. Die Sportlerin war 2009 wegen auffälliger Blutwerte gesperrt worden. Später erklärten Ärzte, ein von ihrem Vater vererbter Gen-Defekt sei für die hohen Retikulozyten-Werte verantwortlich. © dpa
Ivonne Kraft: Den positiven Test auf das Asthma-Mittel Fenoterol erklärte die Mountainbikerin 2007 mit einer explodierten Sprühflasche. Ihre Mutter habe Asthma-Spray benutzen wollen, dann sei die Flasche explodiert und sie habe die Substanz offenbar eingeatmet. © Getty

ASO will keinen zweiten “Fall Boonen“

Die ASO wird wohl auch gar nicht erst versuchen Contador öffentlich Steine in den Weg zu legen, hatte man sich doch schon vor zwei Jahren bei Tom Boonen die Finger verbrannt. Der Belgier wurde wegen eines positiven Kokaintests ausgelassen, klagte dagegen und stand schließlich doch am Start.

Dafür könnten die Fans die Tour für Contador zum Spießrutenlauf werden lassen. Bereits während des Giro d'Italia wurde der kleine Kletterkünstler ob seiner unglaublichen Dominanz ausgebuht. Durch seine Attacke im vergangenen Jahr gegen Rivale Andy Schleck als dieser gerade einen Defekt hatte, ist Contador in Frankreich ohnehin nicht der erste Anwärter auf Beliebtheitspreise.

Schleck selbst begrüßt Contadors Anreise zur Tour und will ihm das Double aus Tour- und Giro-Sieg, das zuletzt dem inzwischen verstorbenen Marco Pantani 1998 gelungen war, vermasseln. “Ehrlich gesagt, bin ich froh. Ich will ihn auf der Straße schlagen, darauf bereite ich mich vor“, sagte Schleck der französischen Sporttageszeitung “L'Équipe“.

“Wenn ihn keine juristische Institution stoppt, kann er fahren“, sagte der Luxemburger. “Unser Duell war im vergangenen Jahr sehr aufregend und ist mir immer noch in Erinnerung.“ Schleck hatte den Tour-Sieg 2010 um exakt jene 39 Sekunden verpasst, die Contador bei seiner unfairen Attacke in den Pyrenäen herausgefahren hatte.

Auf dem Weg zu Tour-Sieg Nummer vier setzt Contador ganz auf Entspannung. Rennen wird er mit Ausnahme der spanischen Straßenrad-Meisterschaften keine bestreiten. “Bis zum Beginn des Rennens hat Ruhe oberste Priorität“, sagte Contador. Er nehme selbst einen Formverlust in Kauf, wenn er dafür ausgeruht anreisen kann.

dapd

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