Kommission legt Ergebnisse vor

Ullrich, Zabel und Pantani bei Tour 1998 gedopt

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Jan Ullrich (r.) gewann 1997 die Tour.

Paris - Jan Ullrich, Erik Zabel und Marco Pantani waren während der Tour de France 1998 mit Epo gedopt. Anonyme Nachtests wurden jetzt den entsprechenden Fahrern zugeordnet.

Die einstigen deutschen Radsport-Helden Jan Ullrich und Erik Zabel versinken endgültig im Dopingsumpf: Beide gehören zu den rund vier Dutzend Profis, denen die Anti-Doping-Kommission des französischen Senats in Nachtests Manipulation mit Epo bei der Tour de France 1998 nachgewiesen hat. Nur drei Tage nach der rauschenden Jubiläums-Tour mit sechs Etappensiegen durch Marcel Kittel, Tony Martin und Andre Greipel wird der deutsche Radsport damit wieder von den Schatten der Vergangenheit eingeholt.

Ullrich äußerte sich am Mittwoch nicht zu den Ergebnissen. „Wir geben dazu vorläufig keinen Kommentar ab“, sagte sein Berater Falk Nier dem SID. Dennoch hat sich Ullrich mit der jüngsten Enthüllung endgültig als unglaubwürdig erwiesen. Der 39-Jährige hatte sich vor einem Monat zwar erstmals dazu bekannt, gedopt zu haben, dies aber nur mit Eigenblut. Epo-Doping stritt er aber stets ab. Zabel war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen, BDR-Präsident Rudolf Scharping wollte sich auf SID-Anfrage am Mittwochmittag ebenfalls noch nicht äußern.

Im Juni hatte Ullrich im Gespräch mit dem Magazin Focus erstmals überhaupt Doping gestanden - allerdings „nur“ Blutdoping. Ja, er habe diese Blutdoping-Behandlungen beim spanischen Dopingarzt Eufemiano Fuentes bekommen, sagte Ullrich. Zu umfassenden Vorwürfen des Epo-Dopings, wie sie der ehemalige Betreuer Jef d'Hont vor Jahren geäußert hatte, sagte Ullrich nichts.

Der am Mittwoch in Paris veröffentliche Bericht enttarnt weitere frühere Top-Profis als Betrüger: Demnach hatten auch der 2004 gestorbene Marco Pantani, 1998 Gesamtsieger der Tour vor Ullrich, der frühere Super-Sprinter Mario Cipollini und der französische Volksheld Laurent Jalabert bei jener Frankreich-Rundfahrt Epo im Blut. Die damalige Tour galt angesichts des Festina-Skandals ohnehin schon als Skandalrennen sondergleichen.

Der Anti-Doping-Ausschuss hatte anonymisierte Epo-Nachtests aus dem Jahr 2004 den getesteten Profis zugeordnet, nachdem 1998 noch nicht auf diesen Wirkstoff getestet worden war. In den sechs Jahre nach der Tour durchgeführten Untersuchungen fielen fast alle Tests positiv aus.

Zabel hatte am 24. Mai 2007 gemeinsam mit Rolf Aldag in Bonn unter Tränen ein Doping-Geständnis abgelegt. Er erklärte damals aber, während der Tour 1996, zwei Jahre vor dem nun fraglichen Zeitraum, „einmalig“ Epo genommen zu haben. Er habe das Mittel nicht vertragen und deshalb wieder abgesetzt.

Der ebenfalls im Senat-Report enttarnte Franzose Jacky Durant, 1998 und 1999 kämpferischster Fahrer der Tour, sagte: „Die heutige Generation sollte nicht für den Mist bestraft werden, den wir damals angestellt haben. Der Sport ist heute viel sauberer.“ Durants Wunsch wird ein frommer bleiben: Das Image des Radsports ist seit Mittwoch wieder ein Stück verheerender.

Ullrich war im Februar 2012 vom CAS schuldig gesprochen worden, gegen die Anti-Doping-Regeln verstoßen zu haben. Wegen der Verwicklung in die Fuentes-Affäre wurde er zu einer zweijährigen Sperre rückwirkend vom 22. August 2011 verurteilt. Sämtliche Resultate seit dem 1. Mai 2005 wurden gestrichen - damit darf Ullrich seinen Toursieg von 1997 behalten.

Ob es Möglichkeiten gibt, ihm sein Olympiagold von Sydney 2000 abzuerkennen, will das IOC nach Auskunft seines Präsidentschaftsanwärters Thomas Bach eingehend prüfen. Bei der Aberkennung von Medaillen gilt laut IOC-Statuten eine Verjährungsfrist von acht Jahren.

Dass diese Vorschrift für das IOC aber kein Dogma ist, bewies der Fall Lance Armstrong. Der Amerikaner hatte zu Jahresbeginn gestanden, seit 1998 mit Dopingmitteln betrogen zu haben. Das IOC strich den Namen des Olympiadritten im Zeitfahren daraufhin aus der Ergebnisliste von Olympia 2000 in Sydney.

Keine 24 Stunden vor Bekanntwerden seiner Epo-Sünde am Mittwoch hatte Ullrich noch in der ihm eigenen Art auf seinem Eurosport-Blog verkündet: „Der Radsport lebt! Auch die Reaktion meiner Gäste bei der zweiten Jan-Ullrich-Radsportwoche im Hotel Central in Sölden war durchweg positiv. Wir haben in den zehn Tagen im Ötztal viel über die Tour diskutiert und philosophiert.“

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sid

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