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Haas stürmt ins Viertelfinale - Djokovic wartet

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Premiere mit 35 Jahren: Tommy Haas steht zum ersten Mal in seiner Karriere im Viertelfinale der French Open.

Paris - Tommy Haas stürmt erstmals in seiner Karriere ins Viertelfinale der French Open. Am Mittwoch trifft er auf Novak Djokovic, der Philipp Kohlschreiber aus dem Turnier warf.

Im hohen Tennisalter von 35 Jahren und 61 Tagen hat Tommy Haas eine Lücke in seiner Grand-Slam-Vita geschlossen. Und das im Schnelldurchgang. Nur 84 Minuten brauchte Deutschlands bester Tennisspieler beim 6:1, 6:1, 6:3 gegen den Russen Michail Juschni, um erstmals in seiner Karriere ins Viertelfinale der French Open einzuziehen - als erster Deutscher seit 17 Jahren. Dort trifft er am Mittwoch auf den Weltranglistenersten Novak Djokovic (Serbien), der sich gegen Philipp Kohlschreiber (Augsburg/Nr. 16) mit 4:6, 6:3, 6:3, 6:2 durchsetzte. 1996 hatten Bernd Karbacher und der spätere Finalist Michael Stich das Viertelfinale in Roland Garros erreicht.

„Ich habe lange nicht daran gedacht, hier ins Viertelfinale kommen zu können. Aber wer hätte das schon?“, fragte Haas nach seinem Spaziergang auf dem Court Suzanne Lenglen. Die Runde der besten Acht beim wichtigsten Sandplatzturnier der Welt ist ein Meilenstein in seiner Karriere, das untermauern auch die Statistiken.

In einer Reihe mit Becker und Stich

Bei einem Grand Slam ist Haas der älteste Viertelfinalist seit Andre Agassi 2005 bei den US Open, der Amerikaner hatte 74 Tage mehr auf dem Buckel. Im Viertelfinale der French Open ist der Weltranglisten-14. Haas sogar der älteste Spieler seit 42 Jahren, seit einem gewissen Ungarn namens Istvan Gulyas. Darauf angesprochen ballte Haas die Hand zur Faust und grinste: „Das ist schon cool und macht mich stolz. Wirklich wichtig ist aber, dass ich hier so weit gekommen und noch immer dabei bin.“

Das hatte Haas jahrelang nicht geschafft. Während er bei den Majors in Melbourne, London und New York mehrfach in die Runde der besten Acht gekommen war, brauchte er in Paris zwölf Anläufe. Haas ist damit erst der dritte Deutsche nach Boris Becker und Michael Stich, der bei allen vier Grand Slams das Viertelfinale erreicht hat.

Haas-Gegner macht viele einfache Fehler

Gegen den indisponierten Juschni revanchierte sich Haas für die Niederlage beim Vorbereitungsturnier in Rom. Dabei hatte das Match bei Temperaturen um 14 Grad und böigem Wind denkbar unglücklich angefangen. Haas servierte einen Doppelfehler und gab sofort seinen Aufschlag ab. „Na, das fängt ja gut an“, dachte er bei sich, kam jedoch sofort zurück in die Partie. „Das war eine ziemlich gute Vorstellung von mir, auch wenn er viele einfach Fehler gemacht hat“, sagte Haas später.

Nach dem zittrigen Auftakt ließ er seinen Gegner nicht mehr aus der Umklammerung, da half Juschni weder der Urschrei im ersten, noch der Ausraster im zweiten Durchgang. Neunmal hackte er seinen Schläger auf die Plastiklehne seiner Bank, bis die Splitter flogen und sich die Balljungen in Sicherheit brachten. „Damit habe ich versucht, zurück ins Spiel zu kommen. Hat nicht geklappt“, erklärte Juschni lapidar. Haas brachte an diesem Nachmittag nichts aus der Ruhe: „Das hat sogar Spaß gemacht beim Zugucken. Ich stehe ja auf diese Emotionen auf dem Platz.“ Er selbst blieb auffällig ruhig. Nicht einmal schimpfte er, dabei hatte er dies zuvor als schlechtes Zeichen gewertet: „Wenn ich mich einmal nicht aufrege, bekomme ich schon Nachrichten aus der Heimat, was mit mir los sei. Dann weiß die Familie, dass irgendetwas nicht stimmt.“

Gegen den Vorjahresfinalisten Djokovic wird es wohl wieder lauter werden auf Haas' Seite des Platzes. „Er ist die ultimative Herausforderung, gerade weil ihm dieser Titel in Paris noch in seiner Kollektion fehlt“, sagte Haas. Die letzte Begegnung der beiden hatte Haas in Miami im März gewonnen, „bei ähnlichen Bedingungen wie hier in Paris“. Während Haas das Match gegen Juschni als aktive Regeneration nach seinem 4:37-Stunden-Krimi gegen John Isner (USA) verbuchen konnte, musste Djokovic gegen Philipp Kohlschreiber deutlich mehr investieren. Erst nach 2:42 Stunden gewann der Vorjahresfinalist und revanchierte sich damit am 29 Jahre alten Augsburger für die Drittrundenniederlage vor vier Jahren an gleicher Stelle.

dpa

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