Chefpromoter muss vor Gericht

Ecclestone-Anklage: Was wird aus der Formel 1?

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Bernie Ecclestone muss vor Gericht.

München - Formel-1-Chefpromoter Bernie Ecclestone wird wegen Untreue und Bestechung in München der Prozess gemacht. Damit steht die Rennserie vor einer ungewissen Zukunft.

Bernie Ecclestone droht nach über 30 Jahren der endgültige Sturz vom Formel-1-Thron, dem milliardenschweren PS-Zirkus ohne seinen umstrittenen Zampano eine ungewisse Zukunft. Wegen Anstiftung zur Untreue und Bestechung muss sich Ecclestone vor Gericht verantworten. Der Prozess gegen den britischen Motorsport-Manager in der Schmiergeld-Affäre um den Verkauf von Formel-1-Beteiligungen soll Ende April beginnen. Das gab das Landgericht München am Donnerstag bekannt.

Ecclestone muss damit nicht nur ein unrühmliches Ende seiner Karriere fürchten, sondern nach einer möglichen Verurteilung durch die deutsche Justiz auch eine Gefängnisstrafe. Der 83-Jährige soll dem früheren BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky 44 Millionen Dollar Bestechungsgeld im Zuge des Verkaufs von Formel-1-Anteilen der BayernLB an den britischen Investor CVC gezahlt haben.

Als erste Konsequenz hat sich Ecclestone aus dem Vorstand der Formel-1-Mehrheitseigner zurückgezogen - er soll aber weiter die Geschäfte der Rennserie führen. Allerdings arbeitet er ab sofort unter verstärkter „Überwachung und Kontrolle“, bis die Vorwürfe gegen ihn geklärt seien, hieß es in einer Mitteilung. Ecclestone darf nun nicht mehr wichtige Verträge „genehmigen oder unterzeichnen“.

Der mittlerweile zu achteinhalb Jahren Haft verurteilte Gribkowsky hatte Ecclestone in seinem Prozess schwer belastet. Ecclestone bestreitet die Vorwürfe und behauptet, von Gribkowsky erpresst worden zu sein. Gribkowsky soll Anspielungen gemacht haben, Ecclestones undurchsichtiges Geschäftsmodell den britischen Steuerbehörden zu melden.

„Man ist erst dann schuldig, wenn ein entsprechendes Urteil ergangen ist“, sagte Ecclestone der Wirtschafts Woche. Der Milliardär gibt sich trotz der Vorwürfe noch gelassen und hat bereits angekündigt, vor Gericht zu erscheinen: „Ich muss wohl - vermutlich habe ich da gar keine Wahl. Übrigens: Ich mag München, eine schöne Stadt.“

Mit Ecclestone wird erstmals dem Chef einer globalen Sportserie der Prozess gemacht. Insider gehen davon aus, dass er als mächtigster Mann der Formel 1 damit nicht mehr an der Spitze der Rennserie zu halten ist. Weltweit agierenden Unternehmen wie Mercedes oder Ferrari ist es durch selbst auferlegte strenge Compliance-Vorschriften eigentlich nicht mehr gestattet, eine geschäftliche Beziehung mit dem umstrittenen Manager aufrechtzuerhalten.

Bereits im vergangenen Jahr hatte Christine Hohmann-Dennhardt, Daimlers Konzern-Vorstand für Integrität und Recht, eine Art Ausstiegsklausel im Vertrag mit Ecclestone bestätigt. „Das geht bis zum Kündigungsrecht“, sagte die ehemalige Bundesverfassungsrichterin: „Die Vertragsklauseln würden wir auch nutzen, wenn es nötig ist - man muss das abwarten.“ Auch Ferrari-Boss Luca di Montezemolo hatte Ecclestone zuletzt unter Druck gesetzt: „Weil er die Formel 1 liebt, wird Bernie der Erste sein, der einen Schritt zurücktritt, im Interesse der Rennserie. Dieser Vorgang kann die ganze Formel 1 beschädigen.“

Doch noch reagiert man im Fahrerlager gelassen auf die neusten Entwicklungen. „Es gilt die Unschuldsvermutung“, sagte etwa Red Bulls Motorsportberater Helmut Marko dem SID: „Bis zu einem Urteil können drei bis vier Jahre vergehen. Das sind natürlich keine lustigen Umstände, aber bis zu einem Urteil bleibt er unser Ansprechpartner.“

Strippenzieher Ecclestone gilt in der Formel 1 schon länger nicht mehr als unumstritten. So soll die Formula One Management Group bereits schon vor einiger Zeit einen Headhunter engagiert haben, der im Hintergrund nach einem möglichen Nachfolger suchen soll. Die Namen Monisha Kaltenborn, Teamchefin von Sauber, und Justin King, Chef einer britischen Supermarktkette, wurden bereits genannt. Beide zeigten allerdings (noch) kein Interesse.

Ecclestone selbst ist auf Konsequenzen offensichtlich vorbereitet, zumindest wenn es zu einer Verurteilung käme. Die Formel-1-Besitzergesellschaft CVC „wird wahrscheinlich gezwungen sein, mich loszuwerden, wenn die Deutschen mich holen. Es ist ziemlich klar, wenn ich eingesperrt würde“, hatte der Milliardär gesagt - und einen Rücktritt immer ausgeschlossen: „Es ist wirklich verfrüht, darüber nachzudenken.“

Ecclestones Anwälte wiesen die Vorwürfe erneut zurück. „Es verbleibt dabei: Die behauptete Bestechung gab es nicht. Die auf der Erklärung von Herrn Dr. Gribkowsky beruhenden Anklagevorwürfe sind unzutreffend“, hieß es in einer Mitteilung.

Ecclestones Aufstieg zum mächtigsten und gefürchtetsten Mann der Formel 1 begann Ende der 1970er Jahre, als der nur 1,59 m große Zampano die TV- und Vermarktungsrechte für die Rennserie erstand. In den Jahren nach 1978 machte Ecclestone aus dem PS-Zirkus ein milliardenschweres Unternehmen und eine der profitabelsten Sportveranstaltungen der Welt.

Dabei kämpfte Bernhard Charles Ecclestone immer mit harten Bandagen, stets hatte er das Image, bei seinen Geschäften das Recht möglichst nach seinen Gunsten zu beugen. „Wir sind nicht so etwas wie die Mafia“, sagte er einmal, „sondern wir sind die Mafia“.

sid

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