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„Wichtig war, dass ich alles probiert hatte“

Buchautor nach der Biathlon-Karriere – Was Simon Schempp zu seinem Rücktritt bewog

Der Wahl-Ruhpoldinger Simon Schempp feierte 18 Weltcupsiege, wurde Doppel-Weltmeister und gewann Olympia-Silber.
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Der Wahl-Ruhpoldinger Simon Schempp feierte 18 Weltcupsiege, wurde Doppel-Weltmeister und gewann Olympia-Silber.

Der Rücktritt kam doch überraschend, aber die Entscheidung von Weltklasse-Biathlet Simon Schempp war wohl überlegt. Warum es keine andere Möglichkeit gab auszuhören, schreibt er auch in seinem Buch „Zieleinlauf“.

Ruhpolding – Eine Liebeserklärung an Ruhpolding gibt Simon Schempp im Interview. Der Wahl-Ruhpoldinger war Doppel-Weltmeister von Hochfilzen im Jahr 2017, hat Olympia-Silber gewonnen und 18 Weltcupsiege gefeiert. Nach vielen gesundheitlichen Rückschlägen hatte der 33-Jährige vor fast genau einem Jahr seine Karriere beendet. Mittlerweile hat er ein Buch geschrieben, der Titel lautet „Zieleinlauf“. Die gebundene Ausgabe umfasst 304 Seiten und ist im Riva-Verlag erschienen.

Herr Schempp, nach Ihrem überraschenden Rücktritt vom Leistungssport war es Ihr erster Sommer und Herbst ohne Biathlon-Vorbereitung seit fast 20 Jahren. Wie ist es Ihnen ergangen?

Simon Schempp: Es war nie langweilig. Meinen Rücktritt habe ich zu keinem Zeitpunkt bereut. Ich glaube, dass ich genau den richtigen Zeitpunkt getroffen habe. Mir ist klar geworden, dass ich nicht mehr die Leistungen, die ich von mir erwartet habe, erfüllen konnte. Mein Körper hat auch nicht mehr mitgespielt. In Oberhof war mir klar, dass das mein letztes Rennen war.

Warum hat der Körper nicht mehr mitgemacht?

Schempp: Ein Schlüsselerlebnis waren jene drei Wochen nach den Olympischen Spielen 2018 in Pyeongchang. Ich hatte davor schon große Probleme mit meinem Rücken, habe sie aber noch in Griff bekommen. In den drei Weltcups danach gab es wieder große Schmerzen, das Gefühl war plötzlich nicht mehr so da, wie es sein sollte. Das lief wie ein roter Faden bis Oberhof 2021.

Geben Sie jemandem Mitschuld?

Schempp: Nein, da kann keiner was dafür. Ich habe alles versucht, aber es ist mir nicht mehr aufgegangen. Wichtig war für mich, dass ich alles probiert hatte. So bin ich auch mit mir selbst im Reinen.

Wie war jetzt die Zeit ohne Wettkampfvorbereitung für Sie?

Schempp: Es war eine sehr spannende Zeit, in der man die Weichen selbst stellen muss, wohin es für einen nach der Karriere geht. Ich habe beim Deutschen Skiverband ein duales Studium begonnen. Ich bin beim DSV im Finanzbereich angestellt. Das hat sich optimal ergeben, denn ich wollte dem Sport erhalten bleiben, ihn aber mal von der anderen Seite kennenlernen. Ich erhalte tiefe Einblicke in den Sport. Das ist echt hoch interessant. Es gefällt mir sehr gut.

Wie sieht Ihr Alltag aus?

Schempp: Die Hälfte der Woche arbeite ich im Haus des Ski in Planegg eben beim DSV, in der anderen Hälfte studiere ich.

Trainer war keine Option?

Schempp: Ich möchte mich im Sport breiter aufstellen und mich auch persönlich weiterentwickeln. Dadurch ist mir wichtig, nun den Sport aus einer anderen Perspektive erlernen zu können.

Wer kam auf die Idee, ein Buch zu schreiben?

Schempp: Vom Riva-Verlag in München war die Anfrage gekommen. Ich bat um kurze Bedenkzeit und fand dann die Idee super, weil ich während meiner Karriere viele Bücher über große Sportler gelesen habe. Das war spannend, wie die so leben, wie sie denken, wie sie ticken. Ich sah es als große Chance, meine Karriere Revue passieren zu lassen.

Welche Bücher von großen Sportlern haben Sie denn am meisten fasziniert?

Schempp: In jüngster Zeit war es das Buch vom Triathlon-Olympiasieger und dreifachen Ironman-Sieger auf Hawaii, Jan Frodeno. Sehr gerne gelesen habe ich zwei Bücher von großen Tennisstars. Es liegt schon einige Zeit zurück, aber Rafael Nadal und Andre Agassi haben mich mächtig beeindruckt.

Wieso heißt Ihr Buch Zieleinlauf?

Schempp: Es gab viele knappe Entscheidungen auf der Ziellinie, aber das Buch geht ja über meine Biathlonkarriere und da hat sich der Kreis jetzt irgendwo geschlossen. So passt der Titel.

Das Vorwort hat Martin Fourcade geschrieben. Der war fünf Mal Olympiasieger, 13 Mal Weltmeister und sieben Mal Gesamt-Weltcupsieger. Wie kam’s dazu?

Schempp: Wir zwei verstehen uns immer schon gut. Ich hatte ihn angeschrieben und er hat sofort geantwortet, es sei eine große Ehre für ihn. Das ist natürlich auch für mich eine große Ehre.

Kann man im Leistungssport überhaupt Freundschaften knüpfen?

Schempp: Ja, klar. Von der internationalen Konkurrenz habe ich mit mit Tarjei Bö immer bestens verstanden. Wir haben auch heute noch Kontakt, ebenso wie mit Fourcade. Wir sind alle der gleiche Jahrgang, haben 15 Jahre lang mit- und gegeneinander gekämpft. Im deutschen Team gibt es natürlich mehrere Biathleten, mit denen ich in Verbindung stehe.

Gibt es einen bestimmten Themenkomplex, dem Sie den meisten Platz eingeräumt haben?

Schempp: Nein. Es sind Erzählungen aus meinem Blickwinkel, aus meinen Erfahrungen. Ich denke, dass das Buch für Nachwuchssportler, die nach oben kommen wollen, ganz gut zu lesen ist. Ich habe mir bei erfahrenen und älteren Biathleten immer Ratschläge geholt. Das hat mir sehr geholfen. Aber es ist ein vielfältiges Werk und für alle gedacht, die vom Biathlonsport fasziniert sind, oder auch für jene, die sich für die lange Karriere eines Leistungssportlers interessieren.

Seit 2015 sind Sie und Ihre Partnerin Franziska Preuß Wahl-Ruhpoldinger.

Schempp: Ja, über Ruhpolding ist auch einiges im Buch zu lesen. Ruhpolding ist unser Lebensmittelpunkt geworden und wird es wohl auch immer bleiben. Unser Ziel ist es, hier zu bleiben, weil es uns einfach so gut gefällt. Wir fühlen uns sehr wohl. Es ist ein wunderschöner Ort, die Landschaft ist traumhaft. Wir können unsere Hobbys gemeinsam ausleben. Ich bin ja auch immer gerne in Ruhpolding beim Weltcup gestartet, also in der Höhle des Löwen. Das hat mich immer motiviert. Der Sieg 2015 im Massenstart war schon was ganz Besonderes, eines meiner absoluten Highlights.

Welche Hobbys haben Sie denn gemeinsam?

Schempp: Ich gehe mit ihr ab und zu zum Training auf die Strecke. Wir gehen Skitouren, gemeinsam auf die Berge, wir gehen zum Radfahren oder Joggen und die Seen laden auch zum Baden ein. Es ist perfekt für uns beide. Beim Biathlon spiele ich ab und zu auch ihren Trainer.

Simon Schempp im Interview mit dem ehemaligen Bayern1-Reporter Karlheinz Kas.

Und das gefällt Franzi?

Schempp: Ich habe bisher noch keine Klagen gehört. Und im Schwabenland, wo ich herkomme, gibt es ein altes Sprichwort, das da lautet: Nicht geschimpft ist gelobt genug.

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