Weltcup in Inzell gut besucht

Kuhglocken statt Medaillen für die Gewinner

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Gabi Hirschbichler

Inzell - Nach dem Eisschnelllauf-Weltcup in der Max Aicher Arena zeigen sich die Beteiligten rundherum zufrieden. Beinahe haben alle mit dem tollen Wetter an den drei Tagen um die Wette gestrahlt.

Für die Sieger gab es statt Medaillen Kuhglocken und für die Journalisten aus aller Welt, Weißwürste. "Wir haben diesmal sehr viel regionale Werbung gemacht, das hat sich ausgezahlt", freute sich Stadionchef Hubert Graf. Auch sportlich können sich die Ergebnisse aus heimischer Sicht sehen lassen. Wenn das einige größere Medien auch anders gesehen haben. Natürlich ist allen klar, dass die großen Zeiten im deutschen Eisschnelllaufen vorbei sind. Mittlerweile entwickelt sich aber wieder einiges, vor allem in Inzell. So sind gleich fünf der elf deutschen Sportler aus dem Chiemgauer Eisschnelllauf-Mekka gewesen. So entpuppte sich Roxanne Dufter als Vielstarterin und bestritt insgesamt vier Rennen. Vor der Saison vom Verband massiv unter Druck gesetzt, explodierten die Leistungen der 23-jährigen zum Saisonstart. Nun scheint sie sogar eine Kandidatin für die Teilnahme an der Weltmeisterschaft im Februar zu sein. Über 1000 und 1500 Meter schaffte sie jeweils Platz 17 und sicherte sich damit den wichtigen Verbleib in der A-Gruppe.

Den Platz unter den besten der Welt hat sich auch Gabi Hirschbichler mit dem 15. Platz über 1000 Meter gesichert. Zum dritten Rang ist es nicht einmal mehr eine Sekunde. Dazu kommt ein fünfter Platz der beiden Inzellerinnen zusammen mit Claudia Pechstein im Teamlauf. Nach den Wettkämpfen gab Hirschbichler ein bemerkenswertes Fernsehinterview. Auf die Frage, ob sie vom Verband viel Druck verspüren würde, meinte sie forsch: "Ich spüre von da keinen Druck, da ich keinen Platz mehr in der Sportfördergruppe bekommen habe. Ich konzentriere mich daher auf mich um eine gute Leistung zu zeigen." Seit vier Jahren geht die bald 32-jährige ihren eigenen Weg und hat sich der Gruppe von Danny Leger angeschlossen.

Die Rückkehr in die Weltspitze ist auch Moritz Geisreiter gelungen. Der "Lange" erreichte über 5000 Meter den achten Platz. "Das tut gut und richtet meinen Blick auf die nächsten Schritte nach vorne", so der Langstreckenspezialist. Bleiben noch die Leistungen der beiden jungen Inzeller. Hubert Hirschbichler wurde in der B-Gruppe über 1000 Meter disqualifiziert, die 1500 Meter beendete er als 13ter. Für den 20-jährigen Joel Dufter sind die Weltcups zum Lernen gedacht. "Er hat alle Zeit der Welt, für sein Alter ist er eh schon ziemlich weit", so sein Trainer.

"Wir haben noch Luft nach Oben"

"Die sportlichen Leistungen waren sehr gut, aber nicht überragend", diese Bilanz zieht der Inzeller Trainer Danny Leger nach dem Heimweltcup in der Max Aicher Arena. Sein Fazit: "Es ist noch Luft nach Oben". "Wir haben gezeigt, dass die Leistungen in Nordamerika keine Eintagsfliegen gewesen sind. Natürlich wünscht man sich bei einem Heimweltcup ein kleinwenig mehr", so Leger und fügt hinzu, dass es nicht immer perfekt gelaufen ist. Für ein positives Ausrufezeichen haben über die 1000 Meter vor allem Gabi Hirschbichler (15.) und Roxanne Dufter (17.) und mit dem 5. Platz im Team gesorgt. "Das alles muss bis zur Weltmeisterschaft im Februar noch besser werden".

Als keine Belastung sieht Leger die mögliche Bürde eines Heimweltcups für seine Sportler. "Klar, der Ablauf ist ein wenig anders. Die Familien sind um die Sportler herum, die Medien wollen mehr. Aber das ist in Ordnung und sie haben das gut weggesteckt." Auch gibt es keinen möglichen Heimvorteil auf dem Eis. Mittlerweile trainiert die ganze Welt in Inzell und kennt die 400-Meterbahn genauso gut wie die Hirschbichlers oder Dufters. "Meine Sportler machen das alles seit Jahren mit und haben eine gewisse Gelassenheit. Die Jüngeren sind manchmal ein wenig unsicher, finden aber immer die richtigen Worte", lobt der Trainer seine Schützlinge was die gestiegene Aufmerksamkeit der Medien betrifft. Leger hat in den vergangenen Jahren drei sogenannte Problemfälle in seiner Trainingsgruppe. Die von Verletzungen und Krankheiten geplagten Roxanne Dufter und Moritz Geisreiter und Gabi Hirschbichler, die im Verband keine Zukunft mehr gehabt hat. Mittlerweile ist das Trio auf dem aufsteigenden Ast. Danny Leger sieht seinen Anteil daran eher bescheiden. "Den größten Anteil daran haben die Sportler. Ich hoffe aber, dass ich meinen Beitrag dazu leisten konnte".

Für das Inzeller Team geht es jetzt nach einer kurzen Ruhepause am Mittwoch nach Heerenveen zum nächsten Weltcup. Anschließend steht ein Radtrainingslager auf dem Programm. "Wir wollen dort Energie in der Sonne tanken", verrät Leger. Bereits Weihnachten beginnt die harte Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft im Februar. "Vieles ist möglich. Wir sind noch nicht auf den Stand, den wir zu Olympia 2018 haben wollen", blickt Leger bereits in die Zukunft.

SJH

Quelle: rosenheim24.de

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