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Heuer wartet noch mehr Arbeit auf den Stadionsprecher

Karlheinz Kas ist die Stimme des Biathlon-Weltcups in Ruhpolding

Besonderer Moment: Karlheinz Kas verabschiedete Magdalena Neuner. Die deutsche Biathletin bestritt 2012 in Ruhpolding ihr letztes WM- Rennen.
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Besonderer Moment: Karlheinz Kas verabschiedete Magdalena Neuner. Die deutsche Biathletin bestritt 2012 in Ruhpolding ihr letztes WM- Rennen.

Im vergangenen Sommer hat Sportreporter Karlheinz Kas die ganz große Bühne verlassen und sich zur Ruhe gesetzt. Doch der ehemalige Zeitungsredakteur und beliebte Radiokommentator kann noch nicht so ganz die Finger vom Mikrofon lassen.

Ruhpolding – Karlheinz Kas wird er in dieser Woche wieder beim Biathlon-Weltcup in Ruhpolding als Stadionsprecher im Einsatz sein – zum 19. Mal in Folge! „Bisher habe ich 17 Weltcups und eine Weltmeisterschaft kommentiert“, erzählt der 66-Jährige stolz. Der ehemalige Zeitungsredakteur und beliebte Radiokommentator ist in Rosenheim aufgewachsen und lebt seit 1975 in Trostberg. Die Sportredaktion führte mit der „Stimme des Biathlon-Weltcups in Ruhpolding ein Interview

Herr Kas, Sie sind seit Sommer 2021 im Ruhestand. Warum machen Sie jetzt in Ruhpolding als Stadionsprecher weiter?

Karlheinz Kas: Das ist Alzheimer-Prophylaxe bei mir! Ich kann einfach nicht von 100 auf Null gehen. Ich bin ja auch noch Stadionsprecher beim TC Großhesselohe in der Tennis-Bundesliga, schreibe noch den einen oder anderen Artikel oder kommentiere noch die eine oder andere Veranstaltung.

Wie lange werden Sie noch die Stimme des Biathlon-Weltcups in Ruhpolding sein?

Kas: Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Ich schaue immer von Jahr zu Jahr und warte, ob ich angerufen werde.

Haben Sie mit Ruhpolding denn keinen langfristigen Vertrag?

Kas: Das läuft immer ganz unkompliziert ab: Ich warte, wie gesagt, ob mich das Organisationskomitee anruft und dann reden wir darüber. So war’s auch diesmal – allerdings mit einem Unterschied: Es gab eben auch die Frage, ob ich geimpft bin. Das ist der Fall. Und weil das Organisationskomitee unbedingt wieder die gleichen Stimmen wie in den letzten Jahren haben wollte, sind wir uns wieder einig geworden. Auch DJ Lumpi (Alexander Klammer, Anm. der Red.) ist dabei!

Dennoch wird heuer vieles anders sein: Gleich am ersten Wettkampftag wird es ein Geisterrennen – also ohne Zuschauer – geben...

Kas: Es wird heuer in der Tat alles ein bisschen anders sein als sonst. Ich habe etwa keinen Helfer an meiner Seite. Ich bin allein mit DJ Lumpi in der Sprecherkabine. Es ist für mich aber nichts Neues, dass ich Geisterreporter bin. Ich war ja auch in den vergangenen Monaten als Kommentator für den Bayerischen Rundfunk alleine in den Fußball-Stadien – also in der Münchner Allianz-Arena, dem Grünwalder Stadion oder in Augsburg und in Nürnberg.

Müssen Sie sich auf dem Weltcup deshalb anders vorbereiten als sonst?

Kas: Nein. Ich bereite mich immer gleich gut vor – und zwar auf alle Athleten. Ich möchte immer zwei, drei Sätze zu jedem Sportler sagen können. Gerd Rubenbauer – er war mein Lehrmeister beim Bayerischen Rundfunk – hat mal zu mir gesagt: „Kasi, bereite dich immer gut vor – egal, ob du eine Stunde redest oder ob du nur fünf Minuten auf Sendung bist!“ Das habe ich immer befolgt. Das gehört zum Handwerkszeug dazu.

Aber ohne Zuschauer ist das Ganze schon eine andere Herausforderung, oder?

Kas: In der Tat: Ich darf keinen einzigen Fehler machen. Es muss jedes Detail stimmen. Diesmal hören mich die Trainer, die Athleten und das Schießstandpersonal. Da muss man schon sehr konzentriert sein. Ich habe heuer auch keinen Sprecher an meiner Seite, der den englischen Part übernimmt. Das haben bisher Hermann Ohletz und Maria Wünn übernommen. Da konnte ich normalerweise dann immer ein wenig durchschnaufen. Aber bei diesem Weltcup rede ich komplett durch und das wird anstrengender als sonst sein.

Das heißt also für Sie: Fünf Tage volle Konzentration!

Kas: Das wird wieder Anspannung pur sein. Was halt abgehen wird, ist das Gesellige. Ich bin immer im Hotel direkt neben dem Champions Park, den es in diesem Jahr ja auch nicht gibt, untergebracht gewesen. Wir hatten an den Abenden sonst immer eine Mordsgaudi. Diesmal werden DJ Lumpi und ich direkt mit dem Shuttle zu unserem eigenen Eingang am Stadion gebracht. Coronabedingt soll es so wenig Kontakte wie möglich geben.

Haben Sie eigentlich ein Lieblingsrennen?

Kas: Ich mag am liebsten die Rennen, die auch für den Stadionsprecher am spannendsten sind! Das sind die drei Formate, bei denen der Erste auch wirklich der Erste ist. Also beim Massenstart beim Verfolger und bei der Staffel – die beiden letzteren Formate haben wir ja diesmal in der Chiemgau-Arena!

2021 musste der Weltcup in Ruhpolding coronabedingt komplett ausfallen. In diesem Jahr darf er zumindest stattfinden. Ist es trotz der Umstände ein schönes Gefühl?

Kas: Absolut! Es ist eine Mega-Veranstaltung und eine Riesen-Werbung für Ruhpolding und für die Region!

Sie sind lange im Geschäft dabei. Was hat sich im Sport in den vergangenen Jahrzehnten verändert?

Kas: Vor allem die Sprache! Die hat sich wirklich sehr verändert. Beim Fußball beispielsweise gehst du jetzt nicht mehr in den Strafraum, du bist jetzt in der Box. Oder es gibt jetzt den VAR – also den Video Assistant Referee. Diese ganzen neuen Fachausdrücke – eine falsche Sechs oder eine falsche Neun – das ist alles verrückt. Ich bin aber noch ein wenig traditioneller und habe mich nicht so angepasst.

Und der Kontakt zu den Sportlern?

Kas: Auch das kann man gar nicht mehr vergleichen. Als die Sechziger in die 1. Bundesliga aufgestiegen sind – 1994 in Meppen war das – da war ich nach dem Spiel in der Kabine. Da habe ich mit Karl-Heinz Wildmoser, mit Werner Lorant und mit allen Spielern gesprochen – und kam dann nicht mehr raus aus der Kabine! Die Fans hatten diese nämlich belagert und aus Sicherheitsgründen durfte niemand mehr raus. Meine Kollegen in München mussten über eine Stunde auf die Interviews warten, weil ich sie nicht überspielen konnte. Das ist heute undenkbar. Jetzt wird dir ein Spieler hingeschoben und den musst du dann interviewen.

Ist das beim Biathlon auch so?

Kas: Beim Biathlon ist das Gott sei Dank noch ein wenig anders. Auch deshalb ist der Biathlon-Weltcup in Ruhpolding eine Herzensangelegenheit für mich und ich freue mich unheimlich drauf.Interview: Brenninger

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