Altherren-Fußballer sind deutscher Vizemeister

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Kirchanschöring - Einen wahren Krimi lieferten sich die Altherren-Fußballer des SV Kirchanschöring bei dem Deutschen Altherren Super-Pokal in Goaspach bei Stuttgart:

Eines der wohl verrücktesten Fußball- Wochenenden der Vereinsgeschichte erlebten die AH Fußballer des Landesligisten SV Kirchanschöring bei ihrer erstmaligen Teilnahme am Deutschen Altherren Super- Pokal, der inoffiziellen deutschen Fußball- Meisterschaft, in Großaspach, am 13. und 14. Juni bei Stuttgart. Der Pokal wurde heuer zum neunten Male ausgetragen.

Ungeahnte Turbulenzen gab es schon bei der Anreise: Nach einem Verkehrsunfall beim Zustieg einiger Spieler an der Chiemgauhalle in Traunstein mussten die Gelb- Schwarzen dezimiert gen Schwabenland reisen. Doch nach heutigem Stand hätte alles tragischer enden können, „Glück im Unglück“. Glück und Unglück spielten allerdings im weiteren Verlauf des Turnieres eine nicht unerhebliche Rolle:

Auf drei Sportanlagen wurde das Turnier mit den 32 besten Altherren- Mannschaften aus ganz Deutschland nördlich von Stuttgart ausgetragen. Dabei zeigte sich, welch große Unterschiede es in den 16 Bundesländern bezüglich der Qualifikation gibt: Die einen spielen Meisterschaften aus, während in Bayern der Teilnehmer im Pokalmodus ermittelt wird. In dem einen Bundesland wird auf Kleinfeld gespielt, andernorts dauert die Halbzeit nur 35 Minuten.

Der SVK spielte die Vorrunde in Kleinaspach, das der Tross nach dem Checkin im Hotel mit etwas Verzögerung erreichte. Die Eröffnungsfeier verpassten die Gelb- Schwarzen, doch zur Vorbereitung für das erste Gruppenspiel hatte das Team um Chef- Taktiker und Spielertrainer Günter Heberle noch genügend Zeit.

Mit zwei mal 15 Minuten war die vorgegebene Spielzeit auf dem Großfeld veranschlagt und im babylonischen Stimmengewirr der Dialekte aus ganz Deutschland zeigte sich schnell: Der SVK hatte mit Titelverteidiger VfB Lübeck, Weimar und Bremen kein Losglück. Es war wohl eine der stärkeren Gruppen, zumindest in der Vorrunde in Kleinaspach.

Titelverteidiger Lübeck startete vor den Augen der Gelb- Schwarzen mit einem 1:0 Sieg ins Turnier und beim SVK- Anhang wuchs langsam die Nervosität. Dabei hätte im ersten Gruppenspiel gegen Weimar alles nach Plan laufen können. Mit dem ersten Angriff nach dem Anstoß gab es nach geschätzten 20 Sekunden Elfmeter für die Oberbayern. Doch der Gefoulte (Marx) trat selbst an – und vergab.

Wie die anderen Spiele zeigten war es enorm wichtig, nicht in Rückstand zu geraten. Oft setzten schwächere Teams einen Nadelstich, konterten in der Endphase die anrennenden Gegner aus und ließen sie erfolglos anrennen.

0:0 endete schließlich das erste SVK- Match, allerdings hatte sich die Mannschaft nach diesem Auftritt bereits gehörigen Respekt verschafft. Die Lübecker- Vorjahressieger waren vom Auftritt der Gelb- Schwarzen ebenso angetan wie die Damen und Herren vom Orga- Team. Die Lederhosen- Mannschaft aus Oberbayern war kein Kanonenfutter, sondern ein spielstarker Gegner, dem alle Respekt zollten.

Nach dem Auftakt- Unentschieden war die SVK- AH im zweiten Spiel gegen Bremen allerdings schon unter Zugzwang. Die Bremer allerdings mit ihrer Auftakt- Niederlage gegen Lübeck ebenso.

Der SVK beherrschte wie schon im ersten Spiel Ball und Gegner, einzig die Tore fehlten. So erlöste Kapitän Feil Mitte der 2. Halbzeit die mit fiebernden Zuschauer durch das 1:0, was dank der kompakten SVK- Defensive zum Sieg reichte.

In so einem Turnier zeigt sich der sportliche Ehrgeiz der einen und der Spaß- Fußball der anderen: Da mit Lübeck ein hochklassiger Gegner am folgenden Morgen bevorstand, ging es für einen Teil des SVK- Trosses nach Spielschluss zum Hotel zur Regeneration. Andere mussten sich um die „eingeschossene“ Scheibe des Betreuer- Kleinbusses kümmern, die in Kleinaspach von einem Fußball zertrümmert wurde. Der Rest der Crew fuhr zum Hauptveranstaltungsort in die comtec- Arena, des frisch gebackenen Drittliga- Aufsteigers Großaspach, um auf Großbildleinwand die Fußball- WM zu verfolgen.

Am zweiten Tag reichte den Gelb- Schwarzen im Spiel gegen Titelverteidiger Lübeck eigentlich ein Unentschieden, doch würde man verlieren, konnte niemand ahnen, ob nicht doch noch Weimar auf Platz zwei vorbei rücken könnte. Da Weimar erst nach dem SVK gegen Bremen antrat, galt es gegen Lübeck nichts anbrennen zu lassen und den nötigen Punkt zu holen. Äußerst konzentriert und wiederum als klar bessere Mannschaft bezwangen die Anschöringer den Titelverteidiger aus Lübeck mit 1:0 und zogen somit als Tabellenführer in die Endrunde ein.

Regeneration war für die Mannschaft darauf angesagt, der Tag könnte noch lange werden. Von Kleinaspach ging es ins 10.000 Mann- Stadion nach Großaspach, was psychisch für alle irgendwie eine andere Welt bedeutete. Vom kleinen beschaulichen Dorf- Sportplatz ins Profi- Stadion beziehungweise dessen Kunstrasen- Nebenplatz. Die Kabine teilten sich die Kirchanschöringer mit der AH des FC Bayern München, die allerdings kurz vor der Ankunft der Südost- Oberbayern bereits im Achtelfinale ausgeschieden war.

Im letzten Achtelfinal- Spiel des Turnieres fand der SVK lange nicht ins Spiel und musste gegen einen spielerisch nicht überzeugenden, trotzdem unangenehmen Gegner, den 1. Traber FC Mariendorf aus Berlin, sogar einem Rückstand hinterher laufen. Doch nach einem Elfmeterpfiff verwandelte erneut Feil sicher zum 1:1, so ging es ins Elfmeterschießen. Dort behielt der SVK mit 5:4 die Oberhand.

Die Spiel- Pausen wurden nun kürzer, 30 Minuten Spielzeit folgten einem Spiel Pause, da mahnten erfahrene Turnier- Begleiter: „Paßt auf- das geht jetzt immer schneller“. Hätte den SVK- Verantwortlichen vor Beginn des Turniers jemand gesagt, sie würden bis ins Viertelfinale vordringen, hätte das jeder ohne Widerrede unterschrieben. Die Teilnahme war bis hierher schon ein großer Erfolg, doch ab jetzt kamen harte Brocken, die zuvor Mannschaften wie den FC Bayern, Werder Bremen oder Hertha BSC Berlin ausgeschaltet hatten.

Einer davon war der SVK- Gegner im Viertelfinale, der TuS Germania Schnelsen. Die bezwangen den FC Brandenburg im Achtelfinalemit 12:13 nach Elfmeterschießen. Der SVK war gewarnt, doch das Team hielt sich an die Vorgaben von Trainer Heberle, ließ kaum Chancen zu und gewann nach viel umjubelten Toren mit 2:0. Die mitgereisten Zuschauer spendeten Standing Ovations, die AH des SVK befand sich unverwartet aber völlig verdient unter den besten vier Teams aus ganz Deutschland.

Der Gegner im Halbfinale war gespickt mit ehemaligen, höherklassigen Fußballern, das war bekannt. In diesem Match gab Stratege und Denker Heberle die Taktik vor, die sich erst vor wenigen Tagen im Spiel gegen die aktuelle Landesliga- Mannschaft ergebnis- mildernd auswirkte. Meinten die athletischen Kicker der TSG Hofherrnweiler- Unterrombach, die immerhin Hertha BSC im Achtelfinale aus dem Turnier geworfen hatten, dass sie gegen den SVK leichtes Spiel hätten, so spürte der Gegner nach dem ersten SVK- Konter schnell, dass gegen die gelb- schwarzen Oberbayern äußerste Vorsicht geboten war. So ging es torlos ins Elfmeterschießen, das erneut der SVK mit 2:3 für sich entscheiden konnte.

Was auf SVK- Seite und von den vielen neu gewonnen Bekanntschaften keiner so richtig glauben wollte: Es war wie ein lebhafter Traum- die Altenherren des SVK stand binnen weniger Stunden aus Neuling im Finale um den 9. Altherren- Supercup in Großaspach.

Sichtlich abgekämpft und kräftemäßig am Limit wirkte jedoch auch im Finale Heberles- Taktik wie ein Gift auf den Gegner aus Köln, die Spvg Porz. Wenngleich der SVK im Vergleich zum Halbfinale das Spiel in der regulären Spielzeit für sich hätte entscheiden können. Doch Marx vergab zu Beginn eine große Einschussmöglichkeit und kurz vor Schluss sah es beinahe nach dem Sieg für den SVK aus: Nach einem Pass in die Spitze und angeblichem Foul im Strafraum zeigte die Schiedsrichterin auf den Elfmeterpunkt. Doch selbst Schlachtenbummler und Spieler des SVK grinsten verschmitzt, ob dieses Pfiffes, der aus Sicht der Schiedsrichterin nur schwer einzuschätzen war. Die Linienrichterin intervenierte und winkte ihre Kollegin mit der Pfeiffe zu sich. Nach kurzer Diskussion nahm das Gespann die Entscheidung zurück, was im Stadion bei allen Beteiligten für Beifall sorgte.

So ging es mit einem 0:0 erneut an den Elfmeterpunkt und nun nahm das Drama, Glück und Unglück, das den SVK von Beginn dieser Tour bis ins Finale begleitete, seinen Lauf. Trotz zwei gehaltener Elfmeter durch Zehentner musste sich der SVK mit 2:3 geschlagen geben. Die Spvg Porz war damit Deutscher Meister 2014! So jubelten am Ende die Rheinländer, während das oberbayerische SVK- Lager -kurz vor dem Triumpf- nicht wusste, ob man lachen oder weinen sollte. Deutscher Vize- Meister bei der ersten Turnier- Teilnahme zu werden, dafür zollten Veranstalter, Organisatoren und Gegner dem Team von der deutsch- österreichischen Grenze, bei Salzburg, hinter Rosenheim, wie es der Stadionsprecher mehrmals beschrieb, höchsten Respekt.

Team und Fans feierten nach dem ersten überwundenen Schock, ob der Final- Niederlage, noch bis spät in die Nacht auf der großen Party im Stadion in Großaspach. Bei der nochmaligen Ehrung gab es wiederrum große Sympathie- Bekundungen, Beifall und Schulterklopfen. Die AH- Fußballer sind im Kreise der erlauchten Turnier- Teilnehmer angekommen. Zu diesem Zeitpunkt waren sämtliche Dialekt- Barrieren beseitigt, die Gelb- Schwarzen sind beim Jubiläums- Turnier im Jahr 2015 in Bremen als diesjähriger Halbfinalist erneut mit von der Partie. Mit heiseren Kehlen staunten viele Teilnehmer dieses grandiosen Ausfluges immer wieder und stellten glücklich fest: Deutscher Vize- Meister – SVK!

Pressemitteilung SV Kirchanschöring

Quelle: rosenheim24.de

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