Priener Handballer verpassen Sensation nur hauchdünn

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Chiemgau - Die erste Herrenmannschaft musste sich gegen eine zusammengewürfelte Mannschaft des HC Erlangen nach zwischenzeitlicher Führung in der Verlängerung mit 35:32 geschlagen geben.

Am vergangenen Samstag war es so weit. Das im Priener Lager mit Spannung erwartete Pokalspiel gegen die zweite Mannschaft des HC Erlangen wurde um 20:00 Uhr in der Priener LTG-Halle angepfiffen. Erlangen schickte jedoch nicht die reguläre zweite Mannschaft, die im gesicherten Mittelfeld der Bayernliga steht und gleichzeitig die Reserve des Tabellenführers der 2. Bundesliga ist, nach Prien, sondern trat „nur“ mit einer gemischten Truppe mit Spielern aus der eben besagten Bayernligamannschaft, der U23 (offiziell als HC Erlangen III geführt), welche Tabellenführer in der Landesliga Nord ist sowie drei Akteuren aus der A-Jugend Bundesligamannschaft, die in der Südstaffel den vierten Platz belegt, an. Die Anspannung der jungen Priener Mannschaft war vor der Partie deutlich spürbar. Schon beim Aufwärmen wurde deutlich, wie hochmotiviert der TuS in das Spiel ging. Priens Trainer Helmut Dulzenberger hatte einen vollen Kader zur Auswahl, jedoch fehlten mit David Lehnard, Stefan Gallinger und Paul Steines drei wichtige Spieler. Der TuS rechnete sich vor dem Spiel keine großen Chancen aus und wollte sich vor der prall gefüllten Ludwig Thoma Halle gut präsentieren. Es sollte jedoch anders kommen. Von Beginn an war der TuS hellwach. Der HC Erlangen war sichtlich überrascht vom Priener Tempohandball und hatte auch den hervorragend durchgeführten Spielzügen des TuS nichts entgegenzusetzen. In Verbindung mit der gut organisierten Abwehr der Priener und einem bärenstarken Thomas Vodermair im Tor konnte der TuS schnell mit 4:2 in Führung gehen. Matthias Graf am Priener Kreis erzielte nach wunderschönen Anspielen zwei der ersten vier Priener Treffer. Im weiteren Verlauf der ersten Halbzeit entwickelte sich eine offene Partie. Beide Mannschaften machten viele Fehler und suchten oft etwas zu früh den Abschluss. Es wurde jedoch deutlich, dass der TuS sich in diesem Spiel nicht allzu viele Fehler erlauben darf. Beim Stand von 8:8 vergab Prien zweimal kurz hintereinander und war prompt mit 8:10 in Rückstand. Allerdings nutzte man dann auch die Unkonzentriertheiten der Erlanger und konnte mit einer 12:11 Führung in die Pause gehen. Das Publikum in der LTG-Halle war begeistert von diesem Handballkrimi und rieb sich verwundert die Augen darüber, wie der TuS dem scheinbar übermächtigen Gegner Paroli bieten konnte. Es sollte noch besser kommen. Priens Trainer Helmut Dulzenberger muss in der Halbzeit die richtigen Worte gefunden haben, denn seine Mannschaft legte im zweiten Durchgang erst richtig los. Nach dem 13:13 Ausgleichstreffer der Erlanger konnte der TuS sechs Tore in Folge erzielen und auf 19:13 davonziehen. Die Abwehr stand stabil und konnte einige Erlanger Abschlüsse erfolgreich Blocken, zudem stand ja Vodermair im Tor und hielt in dieser Phase einen Ball nach dem anderen. Im Angriff wurden die sich bietenden Chancen sicher verwertet. Die Außen konnten durch starke Kombinationen schön freigespielt werden und schöne Treffer erzielen. Das Publikum in der LTG-Halle war begeistert und die Stimmung kochte. Beim Spielstand von 25:18 für Prien war die Sensation zum greifen nahe. Doch Erlangens Trainer Roland Wunder stellte auf eine offensive Abwehr um und seine Spieler attackierten die Priener Rückraumspieler jetzt schon an der Mittellinie. Mit der neuen Abwehrformation kam der TuS nicht zurecht. Es wurde versucht, mit Einzelaktionen zum Torerfolg zu gelangen. Außerdem war das Priener Spiel in dieser Phase etwas zu überhastet. Erlangen roch, dass das Spiel nun kippen könnte und legte alles in eine Waagschale. Tor um Tor konnte Erlangen aufholen, zudem kassierte der TuS in den Schlussminuten zwei berechtigte Zweiminutenstrafen sowie eine rote Karte und war in ständiger Unterzahl. In der Unterzahlsituation gelang es Prien dann auch nicht mehr, den vielleicht entscheidenden einen Treffer zu erzielen und Erlangen konnte in den Schlusssekunden der regulären Spielzeit den 27:27 Ausgleichstreffer erzielen. Den Priener Spielern merkte man die Enttäuschung deutlich an und nicht wenige Zuschauer glaubten nun an einen Einbruch der jungen Mannschaft. Doch auch in der Verlängerung gab sich der TuS nicht auf. Nach den ersten fünf Minuten lag der TuS  mit 28:30 zurück. Doch gleich nach Seitenwechsel schaffte der TuS den 30:30 Ausgleichstreffer. Nun zeigte sich aber, dass Erlangen einfach die abgezocktere Mannschaft ist. Wolf Hagen im Erlanger Tor, der genau wie sein Gegenüber Vodermair eine starke Leistung zeigte, konnte zwei Bälle spektakulär entschärfen und den schnellen Gegenstoß einleiten. Der HC zog zwei Minuten vor dem Ende auf 30:33 davon. Die Vorentscheidung! Prien versuchte nochmal alles, konnte den etwas glücklichen 32:35 Sieg des HC Erlangen jedoch nicht mehr verhindern.

Trotz der Niederlage hielt es keinen Zuschauer mehr auf den Sitzen. Jeder stand auf und jubelte der jungen Priener Mannschaft zu, die mit einer Laola-Welle aus der Halle verabschiedet wurde. Nach großem Kampf und hohem Einsatz konnte man völlig überraschend gegen eine Auswahl des HC Erlangen mithalten, diesen Gegner sogar lange Zeit beherrschen. Aus Erlanger Sicht wurde der Sieg als glücklich gewertet und den Prienern ein großes Kompliment ausgesprochen, nämlich dass kein Klassenunterschied zu erkennen war. Erlangens Betreuer Trainer Roland Wunder und Betreuer Bernd Wittmann waren sich nach dem Spiel einig: „„Für so einen spannenden Pokalkrimi, in dem keinerlei Klassenunterschied zu erkennen war, lohnt sich auch die weiteste Anreise! „Solche unvergesslichen sportliche „Erfolgserlebnisse“ bringen junge Handballer weiter!“. Auch Priens Trainer Dulzenberger war sichtlich stolz auf sein Team: „Die mannschaftliche Geschlossenheit und die Ausgeglichenheit der Mannschaft waren heute überragend. Wer hätte gedacht dass wir es bis in die Verlängerung schaffen?“. Auch die Schiedsrichter Günther Börkey und Rudi Holzner zeigten eine sehr gute Leistung. Für die Zuschauer war es ein wahres Spektakel und ein richtiger Krimi. Wenn es die Priener Mannschaft schafft diese Leistung regelmäßig in der Liga zu zeigen, wird es schwer sie von der Tabellenspitze der Bezirksliga zu stoßen.

Für Prien spielten: Thomas Vodermair und Jochen Lediger im Tor, Moritz Metze 2, Bastian Rothmer 1, Serge Stamm 2, Florian Gallinger 1, Benjamin Huth 6(1), Markus Gallinger 3(2), Markus Schönhammer, Dominik Wachter 3, Matthias Graf  3, Felix Laser 3, Stefan Ziegmann 3(2) und Raphael Bächtle 4.

Quelle: rosenheim24.de

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