"Fusion ist trotz Aufstieg ein Thema"

Rosenheim - Nach elf Jahren schaffte der TSV 1860 Rosenheim am Samstag die Rückkehr in die Fußball-Bayernliga. Interview mit dem sportlichen Leiter Ingomar Weiß.

Über die Auswirkungen des Aufstiegs der 1. und Abstiegs der 2. Mannschaft aus der Bezirksliga, über die Zusammensetzung des Kaders und über eine immer noch im Raum stehende Fusion der beiden Rosenheimer Vereine 1860 und SB Rosenheim sprach die Sportredaktion mit Weiß.

Frage: Auf- und Abstieg an einem Tag innerhalb weniger Stunden. Wie war die Gefühlslage?

Antwort:  Das habe ich in dieser Konstellation auch noch nie erlebt. Natürlich gab es ein lachendes und ein weinendes Auge, aber das lachende überwog, weil es natürlich schon das große Ziel war in die Bayernliga aufzusteigen. Das hatte oberste Priorität.

Frage: Jetzt liegen plötzlich vier anstatt vorher zwei Klassen zwischen der 1. und der 2. Mannschaft. Keine ideale Konstellation für einen Unterbau, oder?

Antwort: Der Abstieg der zweiten Mannschaft hat in diesem Fall keinen gravierenden Auswirkungen, weil fast alle Spieler unabhängig von der Klasse ihre Zusage für die nächste Saison bereits gegeben haben. Vor allem die zwölf Spieler aus dem 90er-Jahrgang, die aus der A-Jugend kommen und in der abgelaufenen Saison schon viele Einsätze in der Landesliga- und Bezirksliga-Elf bekommen hatten, bleiben fast alle. Und da sind ganz interessante Spieler auch für die Bayernliga-Mannschaft dabei. Zum Beispiel Michael Sauer, Markus Ostarek, Martin Kolb und Maxi Mayerl, um nur einige zu nennen.

Frage: Nur mit dem eigenen Nachwuchs als Verstärkung in die Bayernliga zu gehen wäre aber zu wenig.

Antwort: Das stimmt und deshalb werden wir auch fünf bis sechs neue Spieler präsentieren. Fest steht, dass vom Lokalrivalen SB Rosenheim Bernd Sylla und Daniel Wimmer zu uns kommen. Außerdem ist Markus Einsiedler vom SV Wacker Burghausen praktisch fix. Er kommt aus Grölking bei Söchtenau und hat bereits im Nachwuchs bei uns gespielt. Außerdem stehen wir noch im Kontakt mit drei bis vier weiteren Spielern, die teilweise schon einmal in unserem Nachwuchs gespielt haben. Wir werden auf alle Fälle keinen Spieler aus München holen, der uns 1000 Euro kostet. 

Frage: Und wie sieht es mit dem aktuellen Kader aus? Bleiben die Spieler der Meistermannschaft?

Antwort: Der gesamte Kader der aktuellen Mannschaft hat bereits zugesagt. Und auch Manfred Burghartswieser wird in der kommenden Saison wieder als Spielertrainer fungieren soweit seine Knochen mitmachen. Nicht mehr zur Verfügung steht uns allerdings aus beruflichen Gründen sein Co-Trainer Christoph Schiller. Da sind wir jetzt auf der Suche nach einem geeigneten Mann, der natürlich hauptsächlich mit Burghartswieser gut zusammenarbeiten muss. Geklärt ist dagegen die Trainerfrage der U21-Mannschaft. Hier bleibt Christian Fleissner und wird unterstützt vom letztjährigen A-Juniorencoach Heiko Drube. 

Frage: Und welchen Posten übernehmen Sie in der neuen Saison? Bleiben Sie sportlicher Leiter?

Antwort: Da steht noch ein letztes Gespräch aus, dann wird hier eine endgültige Entscheidung fallen. Sicher ist dagegen, dass ich mich aus der Leitung des Nachwuchs-Leistungszentrums wegen Problemen mit dem erweiterten Umfeld zurückziehe und deshalb die A-Junioren als Trainer übernehme. 

Frage: Die Sechziger spielen nächste Saison wieder eine Klasse über dem Lokalrivalen. Sind die Fusionsgedanken damit ad acta gelegt?

Antwort: Nein, ganz im Gegenteil. Ich bin nach wie vor ein großer Befürworter einer Fusion. Das würde sich für den Fußball in Rosenheim nur positiv auswirken und man könnte höhere Ziele anstreben. Für uns ist Bayernliga das höchste der Gefühle. Mit einer Fusion könnte man Kräfte bündeln: Finanziell, was die Trainingsmöglichkeiten betrifft, und der Kader würde für zwei Mannschaften automatisch stärker werden. Und das sind nur einige der vielen Vorteile einer Fusion. An dieser Stelle möchte ich mich auch noch einmal beim Sportbund bedanken, der uns durch seine zwei Siege gegen Pullach und Affing den Weg zum Aufstieg leichter gemacht hat. 

Frage: Der Bayernliga-Aufstieg ist geschafft. Was ändert sich jetzt bei 1860 Rosenheim?

Antwort: Wir wollen an vielen Fronten professioneller arbeiten und es wird viermal wöchentlich trainiert. Finanziell wird sich nicht viel ändern. Die sportliche Motivation in der Bayernliga spielen zu können muss für die Spieler Anreiz genug sein. n Nach den letzten beiden Bayernliga-Aufstiegen ging es sofort wieder zurück in die Landesliga. Das soll natürlich heuer nicht passieren. Ich bin guter Dinge, dass wir uns mit der aktuellen Mannschaft und den angesprochenen neuen Spielern in der Liga etablieren können. Beim letzten Aufstieg haben fünf bis sechs Leistungsträger die Mannschaft verlassen und das ist diesesmal eben nicht so. Wir wollen zukünftig von unserer guten Nachwuchsarbeit der letzten Jahre profitieren und Schritt für Schritt eine Verjüngungskur einleiten. Unser Nachwuchs muss die Basis für die nächsten Jahre sein.

Frage: Was ist für das letzte Saisonspiel am Samstag gegen Raisting geplant?

Antwort: Es wird freien Eintritt für alle und Freibier geben. Und für die Mannschaft ist natürlich noch eine Aufstiegsfeier geplant.

Interview: Hans-Jürgen Ziegler

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © Ziegler

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