Geschafft! 1860 Rosenheim in der Bayernliga

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Der Jubel war riesig!

Rosenheim - Plötzlich gab es kein Halten mehr. Bayernliga! Dominik Haas wurde zum Überbringer einer Nachricht, die innerhalb von Sekunden alle Dämme brechen ließ. ++ Fotos ++

Peter Martin, der Torwart, der sich gerade noch maßlos über die drei Gegentreffer geärgert hatte beim 6:3-Erfolg des TSV 1860 Rosenheim beim TSV Schwabmünchen, fiel jubelnd Masseur Frank Hanauer um den Hals, Manfred Burghartswieser, der Spielertrainer, hatte plötzlich den ganzen Frust über die diesmal schwache Abwehr von sich geschüttelt und umarmte herzlich Christoph Schiller, seinen Co, der bereits völlig durchnässt war von Wasser und Bier.

Haas hatte mit Heimstetten telefoniert, seinem früheren Klub. Und der hatte mit dem 2:2 dem FC Affing zwei Punkte abgeknöpft, dem zuletzt schärfsten Verfolger der Sechziger die letzte Chance geraubt. Vier Punkte Vorsprung sind es nun für Burghartswiesers Truppe vor dem Saisonfinale am kommenden Samstage gegen den SV Raisting, nicht aufzuholen, der Aufstieg in die Fußball-Bayernliga ist perfekt, nach elf Jahren Landesliga. Hans Klinger, der Fußball-Chef des TSV 1860, hatte feuchte Augen, gratulierte jedem einzelnen Spieler. In der Spielfeldmitte hat sich die Mannschaft dann versammelt, man tanzte, hüpfte, jubelte. Und Thomas Masberg, der nicht nur mit seinen drei Treffern in Schwabmünchen maßgeblich zu diesem Triumph beigetragen hatte, erinnerte sich an 2005, als er mit der zweiten Mannschaft des SV Wacker Burghausen schon einmal den Sprung in die Bayernliga geschafft hatte: „Wahnsinn“, freute er sich, „jetzt sind wir schon vor dem letzten Spieltag durch.“

Thomas Masberg hatte früh die Weichen gestellt, schon in der 2. Minute nach einem Freistoß von Franz Höhensteiger im Nachsetzen die Rosenheimer Führung erzielt und diese elf Minuten später mit einem harten, platzierten Flachschuss ins Eck ausgebaut. Das Spiel schien gelaufen, doch was würde in Heimstetten passieren? Man hatte zunächst keine Informationen und versuchte, weiter Druck aufzubauen, als ein Elfmeterpfiff nach einem Hakler von Christian Hofmann für neue Spannung sorgte. Klaus Köbler verwandelte sicher, Schwabmünchen aber konnte sich nur wenige Minuten freuen, denn Höhensteigers knallharter Freistoß aus rund 25 Metern sauste an Torhüter Obermayers Fingern vorbei zum 3:1 für Sechzig ins Netz.

Das aber war es noch nicht in der torreichen ersten Hälfte, an diesem „Tag der offenen Tür“. Wiederum Masberg nickte einen Freistoß von Höhensteiger ins Netz, ein Weitschuss von Klaus Köbler schlug, noch abgefälscht, bei Peter Martin ein. Mit 4:2 für den Gast ging es in die Kabinen, hoch motiviert kam das Kathrein-Team schon Minuten vor den Gastgebern zurück und übernahm gleich wieder das Kommando. Doch Chancen gab es nicht nur für Masberg und Haas, sondern auch auf der Gegenseite für Frey und Deutscher, was Manfred Burghartswieser ziemlich ärgerte: „Wir haben heute einfach zu viel zugelassen und uns damit das Leben selber immer wieder schwer gemacht.“

Tsv 1860 Rosenheim - Die Bilder

Der eingewechselte Matthias Linnemann hatte dann zwei hochkarätige Möglichkeiten, alles klar zu machen, aber erst die dritte brachte das fünfte Rosenheimer Tor. Obermayer hatte den Knaller von Haas noch abwehren können, gegen Linnemanns Nachschuss aber war er machtlos. In der 84. Minute, nach der Roten Karte für Haas schon in Unterzahl, dann noch der zweite Streich von Linnemann, als er sich nach schönem Anspiel von Scheuerer im Sechzehner in Position brachte und gegen die Laufrichtung des Torhüters einschoss. 6:2, aber auch das war noch nicht der Schlusspunkt, Joachim Schuster verdarb mit seinem Treffer zum Endstand Rosenheims Keeper Martin den Nachmittag.

Zunächst. Denn als die Kunde aus Heimstetten kam, war alles vergessen. Burghartswieser, der sich das letzte Auswärtsspiel „leichter vorgestellt“ hatte, „aber daran waren wir selbst Schuld“, strahlte nun übers ganze Gesicht, konnte den ersten großen Erfolg seiner noch kurzen Trainerlaufbahn feiern. Schwere Wochen musste er dabei überstehen, als um die Osterfeiertage der zur Winterpause recht satte Vorsprung schmolz, bald aufgebraucht war und man plötzlich Pullach und Affing vor sich hatte. „Aber ich wusste immer, dass die Mannschaft die Qualität hat, um aufzusteigen.“ Ein Scheitern wäre für ihn eine „Riesenenttäuschung“ gewesen, umso glücklicher war er jetzt, dass man den Aufstieg mit einer tollen Serie nun schon vor dem letzten Spieltag perfekt gemacht hat: „Wir haben jetzt seit dem Sieg in Burghausen fünf Spiele in Folge gewonnen, haben nach dem 1:3 in Pullach kein Spiel mehr verloren“, rechnete er vor und meinte: „Also haben wir den Aufstieg auch verdient.“

Widersprechen wollte da keiner, nur drei Niederlagen in 33 Spielen sind eine stolze Bilanz, 26 Gegentore eine sensationelle Quote, auch wenn Torhüter Martin sich zumindest die drei in Schwabmünchen nur allzu gerne erspart hätte. Burghartswieser dachte derweil schon an die neue Saison, erkundigte sich, ob die Sperre, die Dominik Haas nach seinem umstrittenen Feldverweis zu erwarten hat, auch für die Bayernliga gilt. So stehen wohl schon mal zwei Ausfälle fest, Haas und der an der Achillessehne operierte Ozan Tuncali werden zum Saisonauftakt eine Klasse höher fehlen. Dafür feierte Andreas Schwinghammer, der nach seinem Kreuzbandriss zur Vorbereitung wieder einsteigen will, in Schwabmünchen mit der Mannschaft, während Hans Klinger pausenlos Glückwünsche entgegen nehmen musste, persönlich und per Handy.

Dass dazwischen auch die Nachricht vom Abstieg der 2. Mannschaft aus der Bezirksliga eintraf, trübte die Freude ein wenig. Nun aber gilt es, ein neues Kapitel in der Rosenheimer Fußballgeschichte aufzuschlagen und eine schlagkräftige Truppe zusammenzustellen, die nicht, wie vor zwölf Jahren, gleich wieder runter muss aus der Bayernliga.

TSV 1860 Rosenheim: Martin, Hertreiter, Burghartswieser, Adamosky, Christian Hofmann, Haas, Höhensteiger (87. Hernandez), Egginger, Mayerl (80. Scheuerer), Huber (61. Linnemann), Masberg.

Tore: 0:1 Thomas Masberg (2.); 0:2 Thomas Masberg (13.); 1:2 Klaus Köbler (Foulelfmeter, 21.); 1:3 Franz Höhensteiger (27.); 1:4 Thomas Masberg (36.); 2:4 Klaus Köbler (39.); 2:5 Matthias Linnemann (71.); 2:6 Matthias Linnemann (86.); 3:6 Joachim Schuster (88.)

Schiedsrichter: Philipp Rommelsbacher (Dinkelsbühl)

Zuschauer: 100

Rote Karte: Dominik Haas (78., Rosenheim, Notbremse)

Quelle: rosenheim24.de

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