Wettkampfgemeinschaft kommt nicht zustande

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Vor zwei Jahren noch als Kontrahenten auf der Matte. Nun wollten die beiden Ringervereine Traunstein und Trostberg mit der Bildung einer Wettkampfgemeinschaft gemeinsame Wege gehen. Eine gegensätzliche Abstimmung in Trostberg führte nun zum „Aus“ der Pläne.

Traunstein/Trostberg - Die Gedanken an eine Kooperation sind vom Tisch: Die Ringerabteilungen von TV Traunstein und TSV Trostberg werden nicht gemeinsam antreten.

Die Ringerabteilungen der beiden Vereine TV Traunstein und TSV Trostberg werden auch weiterhin getrennte Wege gehen. Eine ins Auge gefasste gemeinsame Kampfgemeinschaft kommt nicht zustande. Nach wochenlangen Gesprächen und Planungen, hinter die sich auch die Vereinsvorstände beider Vereine gestellt hatten, haben sich insbesondere die Trostberger Aktiven mehrheitlich gegen die Bildung einer gemeinsamen Mannschaft in den bayerischen Ringerligen entschieden. Damit werden beide Vereine je eine Mannschaft im Ligabetrieb stellen. Trostberg hat damit auch in diesem Jahr einen Startplatz in der Oberliga sicher, Traunstein kämpft wie schon im vergangenen Jahr in der Bayernliga.

Begonnen hatten die Gespräche bereits vor zwei Jahren, als sich Verantwortliche beider Abteilungen zu einer ersten Sondierung trafen und dabei feststellten, dass ein verstärktes Zusammenarbeiten zwar wünschenswert aber noch nicht umsetzbar war. „Da war die Zeit noch nicht reif dafür“ betont Christian Philipp, Trostbergs Abteilungsleiter und fügt hinzu: „Schon damals waren wir aber der Überzeugung, dass dieser Schritt zur Sicherung eines erfolgreichen Mannschaftsbetriebes früher oder später kommen müsse.“ Sehen sich doch beide Vereine – wie auch andere Ringerabteilungen – mit einem langsamen Schwund an ligatauglichen Aktiven konfrontiert. Der Ringsport kämpft – wie viele andere Sportarten auch – in Zeiten von Facebook, Computern und sonstigen elektronischen Freizeitbeschäftigungen mit einem zunehmenden Nachwuchsproblem. Talente aus dem Jugendbereich kommen nicht mehr in der Breite nach, um den dauerhaft erfolgreichen Fortbestand des Mannschaftsringens zu sichern. Daneben werden erfolgreiche junge Ringer von zahlungskräftigen Bundesligavereinen oft heftig um- und abgeworben, was im Falle eines Vereinswechsels für den abgebenden Verein natürlich quantitativ und qualitativ zur Schwächung der eigenen Mannschaft führt.

Die Gespräche wurden Anfang diesen Jahres erneut aufgenommen und intensiviert. Ende Januar führten die Abteilungsleiter beider Vereine im Rahmen der Bayerischen Meisterschaften in Traunstein ein persönliches Gespräch mit Verantwortlichen des Bayerischen Ringer Verbandes und informierten diese über ihre sachlich gut und fundiert ausgearbeiteten Pläne. Eine entsprechende Antragstellung für die Bildung einer Wettkampfgemeinschaft (die beim Verband zustimmungspflichtig ist) wurde vorbereitet, die Vereinsvorstände waren zur Unterschrift bereit. Die letzte Entscheidung über die WKG wäre dabei dem Bayerischen Ringer Verband verblieben.

Während beide Abteilungsleiter und Trainer (auf Traunsteiner Seite Petar Stefanov, auf Trostberger Seite Alexander Schrader) von der Zusammenlegung der Mannschaften in ihren Vereinen um Zustimmung warben, gaben die Trostberger Stimmberechtigten – insbesondere überwiegend Nicht-Aktive - nun in einer Abstimmung am vergangenen Freitag den Planungen einen Korb, der zugleich das wohl längerfristige endgültige Aus für die WKG-Pläne bedeutet. Zwischenzeitlich hat auch der Bayerische Ringer Verband die Einteilungen seiner bayerischen Ligen für die diesjährige Saison vorgenommen. Hätte die Bildung der WKG durch entsprechende Nachrücker ja auch in der Landes- und Bayernliga für Veränderungen gesorgt. Nun herrscht für alle Vereine Planungssicherheit.

Vorteile hätten überwogen

„Für mich ist das nicht nachvollziehbar. Die Vorteile wären klar auf der Hand gelegen“ betont ein missmutig gestimmter Trostberger Abteilungsleiter Christian Philipp und auch sein Traunsteiner Kollege Hartmut Hille pflichtet ihm bei: „Hier wurde eine Chance vertan.“ Wäre doch neben der gemeinsamen Oberligamannschaft eine Bezirksligamannschaft gebildet worden, in der insbesondere auch junge Ringer langsam an die „raue Luft“ der oberen bayerischen Ligen hätten herangeführt werden können. Und auch so mancher ältere Ringer, der sich nicht mehr den hohen Anforderungen der Ober- oder Bayernliga stellen will, hätte hier – fernab des Leistungssports – noch den einen oder anderen erfolgreichen Kopfzug ziehen können. Die Abteilungsleiter waren sich weitgehend einig über das Grundgerüst der Verantwortlichkeiten für das gemeinsame Training und die Mannschaft. „Hier ist in den vergangenen Jahren auch Vertrauen untereinander gewachsen“ betont Philipp, was in früheren Zeiten nicht immer der Fall war. Zu hitzig waren oft auch die direkten Duelle der beiden Mannschaften, Vereinswechsel – insbesondere von Trostberg Richtung Traunstein – sorgten zusätzlich für Unmut. Seit zwei bis drei Jahren schon steht die Uhr eher auf Kooperation statt auf Konfrontation. Freundschaftskämpfe wie beispielsweise in den letzten beiden Jahren auf dem Traunsteiner Frühlingsfest oder auch zur 150-Jahrfeier des TSV Trostberg im vergangenen Jahr verdeutlichten das konstruktive Miteinander. Die Bildung der WKG wäre nun der richtig „große Wurf“ in der Annäherung beider Abteilungen gewesen.

Daneben hätte die Aufteilung der Heimkämpfe auch eine Entlastung bei den ehrenamtlichen Helfern gebracht. Stemmen beide Abteilungen ihren Ligabetrieb beziehungsweise die Heimkämpfe mit einer sehr begrenzten Anzahl von freiwilligen Helfern, für die die derzeit jeweils sieben Heimkämpfe auch eine Herausforderung sind. Trostbergs Abteilungsleiter Christian Philipp, der schon seit längerer Zeit angekündigt hat, dass zum Saisonende für ihn als Abteilungsleiter „Schluss“ ist, wäre im Falle der WKG die Verpflichtung eingegangen, seine Abteilung für mindestens drei Jahre weiterzuführen. Die Frage, wie es mit dieser wichtigen Personalie in Trostberg weitergeht, steht derzeit noch offen. Philipp hatte nach der Abstimmungsniederlage geäußert, längstens bis zum Saisonende auf der Kommandobrücke der Trostberger Ringerabteilung zu stehen.

Perspektive wäre 2. Bundesliga gewesen

Letztlich waren sich die Beteiligten aber auch einig, dass für die dann gebildete gemeinsame Oberligamannschaft die klare Zielsetzung mit der 2. Bundesliga vorgegeben wäre, in der sich auch die Nachbarvereine aus Burghausen und Anger tummeln, was Derbys mit Zuschauerzahlen erwarten lassen hätte, wie sie der Ringsport insbesondere auch in den 1970er Jahren gesehen hat, als sich beispielsweise in der Chiemgauhalle in Traunstein mehrmals über 1.000 Ringerfans zum Zuschauen der Lokalderbys einfanden.

Beide Vereine beziehungsweise Ringerabteilungen werden nun auch in dieser Saison getrennte Wege gehen und stehen in zwei in diesem Jahr extrem aufgewerteten Ligen vor keiner leichten Zeit. „Viele Ober- und Bayernligisten haben sich markant verstärkt, das wird in diesem Jahr ganz schwer für uns“ zeigen sich beide Abteilungsleiter getrennt für ihre Teams überzeugt. Noch bleibt bis Ende Mai für beide Vereine Zeit, sich nach Bedarf selektiv zu verstärken. Die Bildung einer Wettkampfgemeinschaft, die in der diesjährigen Oberliga beste Chancen gehabt hätte, ganz vorne dabei zu sein, ist aber auf unbestimmte Zeit vertan. Die bayerischen Ringerligen beginnen am 6. September mit ihren Mannschaftskämpfen.

awi

Quelle: rosenheim24.de

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