„Sie wollte singen - aber keine Karriere“

Houstons Mutter sucht nach Erklärungen

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Whitney Houston starb im Februar 2012.

Hoboken - Whitney Houstons früher Tod schockierte im Februar 2012 die Welt. Ihre Mutter ist bis heute nicht darüber hinweggekommen. In einem Buch liefert sie Erklärungsversuche: „Whitney wollte singen - aber keine Karriere.“

„Es ist immer noch leichter für mich, darüber zu schreiben als zu reden“, sagt die 79-jährige Frau, in deren Gesicht sich das ihrer Tochter verblüffend widerspiegelt. „Ich habe mit Whitney auch mich verloren“, sagt sie der dpa. Gospel-Legende Cissy Houston hasst diese Interviews. Aber diesmal hat sie einen Grund. Sie hat ein Buch über ihre Tochter geschrieben. Es ist der verzweifelte Versuch, das wahre Gesicht der Souldiva Whitney Houston zu zeigen, die im Februar 2012, voll von Drogen, tot in der Badewanne ihres Hotels aufgefunden wurde. Die Biografie, die Cissy Houston in den USA nicht nur Freunde eingebracht hat, erscheint am 15. Juli in Deutschland.

„Sie war anders, als die Schlagzeilen sie oft darstellten“, diese Botschaft ist Cissy Houstons eine Herzensangelegenheit. Ihre Geschichte ist die eines unsicheren Mädchens, „das von allen geliebt werden wollte“, schreibt die Mutter in ihrem Buch. Es handelt von der verzweifelten Sehnsucht nach Anerkennung, von der Zwiespältigkeit einer steilen Karriere und einer holprigen Ehe mit Rapper Bobby Brown, mit dem die Mutter nie einverstanden war „und der ihr sicher nicht geholfen hat“. Drogenexzesse und Verzweiflung spielen darin eine ebensolche Rolle wie die Freude am Leben und an der Musik. „Sie lachte so gern und ist immer ein Kind geblieben“, sagt Cissy. 50 Jahre alt wäre ihre Tochter im August geworden. „Nippy hieß sie bei uns - nach einer Comicfigur, die immer in irgendetwas verstrickt war.“

Die schöne Frau im weißen Hosenanzug sinniert mit ihrer tiefen Stimme darüber in einem Hotel in New Jersey - gegenüber von Manhattan, wo sich Mutter und Tochter das letzte Mal begegneten. Auch in einem Hotel. „Ich komme dich bald besuchen, Mommy“, versprach Whitney nach einem Weihnachtstreffen, erinnert sich Cissy Houston. Doch Whitney kam nicht mehr. Stattdessen der Anruf ihres Bruders. „Sie haben Nippy gefunden!“ Das war am 11. Februar 2012. Am Nachmittag der Verleihung der Grammy Awards hatte ihr Herz nach jahrelangem Drogenkonsum kapituliert.

Wann alles kippte? „Fragen Sie mich nicht“, gesteht Cissy Houston. „Sie hat viel vor mir verschwiegen, hat ihr irgendwann ein eigenes Leben geführt.“ Anders als in den Zeiten, als die kleine Whitney ihre Mutter zu deren Konzerten begleitete. Cissy Houston hatte sie an die Musik herangeführt, sang selber im Chor für Stars wie Elvis Presley oder Aretha Franklin. Irgendwann wollte Whitney das auch. „Sie ging in mein Probestudio, zog sich meine Stöckelschuhe an und das ganze Zeug. Dann nahm sie einen Besen als Mikrofon und legte los.“ Cissy nahm sie mit in ihren Gospelchor. „Sie war ja noch ein Kind, aber sie sang großartig.“ Die Mutter erkennt Whitneys Talent. Doch sie sieht auch „das Mädchen, das einfach nur singen wollte, um andere glücklich zu machen - und nicht, um Millionen von Alben zu verkaufen und das Leben eines Superstars zu führen“.

Doch so kommt es. Whitney regiert die Charts mit Hits wie „I Wanna Dance With Somebody“ und „Greatest Love of All“. Weltweit verkauft sie mehr als 170 Millionen Platten. Wird Fotomodell, „obwohl sie sich selber nie sonderlich hübsch gefunden hat“. Der Kinohit „Bodyguard“ macht sie noch berühmter. Nach der Heirat mit Skandalrapper Brown und der Geburt ihrer Tochter Bobby Kristina nimmt der Druck zu. „Ich weiß, wie es ihr ging, denn ich habe selber den Spagat zwischen Familie und Karriere gemacht“, erklärt Houston.

Whitney Houston ist tot - Bilder aus ihrem Leben

Whitney Houston ist tot - Bilder aus ihrem Leben

„Ma, ich bin müde“, habe Whitney manchmal zu ihr gesagt. „Weißt du, ich habe nie um diesen Wahnsinn gebeten.“ Niemand, sagt Mutter Houston, hätte ihr Kind auf all das vorbereiten können, was sie noch durchmachen sollte. Auch sie nicht. „Sie hat sich selber nicht genug geliebt, um stark genug für das alles zu sein.“

Stattdessen flüchtet sie sich in Drogen, sieht immer mehr aus wie ein Skelett, verdirbt ihre Auftritte oder muss sie gar absagen. „Nippy wäre nicht so tief in alles hineingeraten, wenn sie nicht mit Bobby verheiratet gewesen wäre“, sagt Houston, die im Buch ungehemmt austeilt. Auch gegen Whitneys Freundin und spätere Assistentin Robyn Crawford. Ihr wurde in US-Medien auch ein lesbisches Verhältnis zu dem Star nachgesagt. Cissy gibt darauf keine Antwort. Dabei wirkt sie wie eine, mit der man sich besser nicht anlegen sollte. Whitneys Tochter Bobby Kristina hat es getan. Sie verteufelte das Buch ihrer Oma als „respektlos“ und distanzierte sich davon.

Die Mutter weist Whitney schließlich in eine Entzugsklinik ein. Kurzzeitig geht es bergauf. Doch Whitney Houston kommt nicht wieder auf die Beine. Ihr Comeback endet, bevor es anfängt. Minuten vor der Todesnachricht hat die Mutter eine Erscheinung. Es klingelt an ihrer Appartementtür, obwohl Pförtner und Monitore keinen Menschen wahrnehmen. „Ich glaube, dass es Nippy war“, erklärt Houston überzeugt. „Sie ist tatsächlich nach Hause gekommen, um mich noch einmal zu besuchen.“ Dann wird sie leiser. Leider sei dies die einzige Verbindung geblieben. „Bis heute ist Whitney nicht wiedergekommen“, sagt die Mutter. „Ich warte darauf, dass sie endlich zu mir spricht.“

dpa

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