Unvergessener Humorist

Zum 90. Geburtstag: So wird Loriot gefeiert

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Unvergessen: Am heutigen Dienstag wäre Loriot 90 geworden.

München - Nach dem Tod von Loriot vor mehr als zwei Jahren sind Dinge passiert, an denen der große Humorist wohl seinen Spaß gehabt hätte. An diesem Dienstag wäre er 90 Jahre alt geworden.

Neue Bücher, eine Ausstellung und Plastikenten auf dem Grabstein: Auch mehr als zwei Jahre nach seinem Tod ist der Humorist Vicco von Bülow unvergessen. Das, was er als Loriot in die Welt gesetzt hat, ist längst deutsches Kulturgut und zu seinem 90. Geburtstag an diesem Dienstag wird das landauf, landab gefeiert.

Der NDR bringt einen „großen Geburtstagsabend“ (16. November), neue Bücher kommen auf den Markt, seine Geburtsstadt Brandenburg an der Havel will ihm ein Denkmal setzen, Bremen hat das mit einem Loriot-Platz schon getan - Posse um einen Parkplatz, der ursprünglich seinen Namen tragen sollte, inklusive.

Sofa samt Mops in Bronze

Das Bronze-Sofa samt Mops hat der Osnabrücker Künstler Herbert Rauer geschaffen.

Und vor dem Haupteingang des Funkhauses von Radio Bremen steht seit Sonntag das berühmte Loriot-Sofa - aus Bronze gegossen. Darauf sitzt - getreu dem Loriot-Motto „Ein Leben ohne Mops ist möglich aber sinnlos" ein zerknautschter Hund - ebenfalls aus Edelmetall. Entworfen hat die Hommage der Osnabrücker Künstler Herbert Rauer.

Das grüne Original-Sofa steht im Foyer der kleinsten ARD-Anstalt in Bremen.

Radio-Bremen-Intendant Jan Metzger sagte: „Das grüne Sofa ist eine Art Ikone der Fernseh-Unterhaltung und erinnert uns an viele wunderbare Loriot-Momente.“ Bremen fühlt sich mit Loriot besonders verbunden, weil der Komiker in den 1970er Jahren bei Radio Bremen die mehrteilige Fernsehserie mit Cartoons und Sketchen produziert hatte, die ihn berühmt machte. Er moderierte die Sendung stets von einem grünen Samtsofa aus. Das Original steht heute im Eingangsbereich des Funkhauses in Bremen.

Ein Glas "Hupfheimer Jungferngärtchen" gefällig?

Die Weine aus dem legendären Loriot-Weinsketch „Vertreterbesuch“ gibt es inzwischen wirklich: Die „Oberföhringer Vogelspinne“, das „Hupfheimer Jungferngärtchen“ und der „Klöbener Krötenpfuhl“.

Komiker Bastian Pastewka erinnert sich darin an seinen ersten Besuch bei den von Bülows und einen „übergroßen, feierlichen Kuchen mit Mops-Motiv“ und Michael „Bully“ Herbig, der Loriot 2009 den Ehrenpreis des Deutschen Filmpreises überreichte, berichtet, was der ihm nach der letzten Probe gesagt habe: „Schade, dass wir uns nicht früher kennengelernt haben.“

Loriot: Ein Streifzug durch sein Leben

Loriot - ein Streifzug durch sein Leben

Der Auftritt beim Filmpreis sollte von Bülows letzter großer in der Öffentlichkeit sein. Er starb am 22. August 2011 im Alter von 87 Jahren in Münsing am Starnberger See. „Bernhard-Viktor v. Bülow 12.11.1923 - 22.8.2011“ steht schlicht auf seinem Grabstein im Berliner Waldfriedhof Heerstraße.

Fans schmücken es in Erinnerung an einen seiner berühmtesten Sketche mit gelben Quietscheentchen und in Erinnerung an seine große Leidenschaft mit Möpsen aus Porzellan - auch wenn Kritiker das pietätlos finden. Inzwischen trägt auch eine Spinne seinen Namen. Der Frankfurter Spinnenforscher Peter Jäger benannte einen zwei Millimeter großen Achtbeiner aus Laos nach Loriot.

Loriot in Berlin beigesetzt: Bilder von seinem Grab

Loriot in Berlin beigesetzt: Bilder von seinem Grab

Die genaue Beobachtung des Alltags des kleinen Bürgers, die gnadenlose Überzeichnung - und die „zerbröselte Kommunikation“, das Aneinander-vorbei-Reden: Das waren Loriots Themen. Sein Sprachwitz und seine Pointen sind längst legendär: der Sketch mit der Nudel im Gesicht, Lottogewinner Erwin Lindemann und die Knollennasenmännchen Dr. Klöbner und Müller-Lüdenscheidt in einer Hotelwanne im Streit um eine Badeente.

Hier können Sie den berühmten Quietsche-Entchen-Sketch noch einmal genießen

Loriot hat Lebensweisheiten geprägt wie „Frauen und Männer passen einfach nicht zusammen“ und dem Publikum Filme hinterlassen wie „Ödipussi“ und „Pappa ante portas“.

Der Autor Stefan Lukschy zitiert Altbundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) in seinem neuen Buch „Der Glückliche schlägt keine Hunde. Ein Loriot Porträt“: „Mit seiner vielfältigen Begabung, seiner Intelligenz und seinem feinsinnigen Humor hat Loriot auf unvergleichliche Weise brillante und zeitlose Unterhaltungskunst geschaffen.“

Loriot mal anders

Eine Ausstellung im Münchner Literaturhaus zeigt aber zum 90. Geburtstag einen anderen, bislang unbekannten Loriot. Unter Schlaflosigkeit habe er sein Leben lang gelitten, sagte Kurator Peter Geyer, ein Vertrauter der Familie von Bülow. „Er konnte seinen hellen Geist nicht einfach ausknipsen.“ Und so begann er, in der Nacht zu zeichnen. „Nachtschattengewächse“ hat er die Werke genannt, die dabei entstanden und die jetzt der Höhepunkt der Münchner Ausstellung sind.

Loriot: So trauerte seine Geburtsstadt

Loriot: So trauerte seine Geburtsstadt

Sie zeigen einen Loriot, wie man ihn nie zuvor gesehen hat. Einen etwas dunkleren, einen, der Fantasien zeigt, losgelöst vom gezeichneten Witz. Die lustigen Männchen mit der Knollennase geraten dabei immer weiter in den Hintergrund. Das, was Vicco von Bülow da nachts in seinem Haus am Starnberger See zu Papier brachte, erinnert entfernt an den Stil Picassos. Nackte Frauen mit zerfallenen Kronen sind auf den Zeichnungen zu sehen, ein Elefant mit Reißzähnen - und auch ein Mops, kubistisch zerlegt.

Brandenburgs damaliger Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) sagte zu Loriots erstem Todestag in Anlehnung an das Mops-Zitat: „Ein Leben ohne Loriot ist möglich, aber sinnlos.“

dpa

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