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Regiedebüt von Ryan Gosling

Unser Kinofilm der Woche: "Lost River"

Lost River
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Ein morbider, verfallender Ort ist die Kleinstadt „Lost River“, in der Fahrräder brennen und Bones (Iain De Caestecker) das Leben zu meistern versucht.

Für „Lost River“, sein Debüt als Regisseur, geht der Schauspieler Ryan Gosling ein kreatives Wagnis ein. Die Kinokritik zu unserem Film der Woche:

Bevor man sich freischwimmt im großen Strom der Kunst, muss man erst einmal die Quellen hinter sich lassen. Als Regiedebütant versucht Ryan Gosling gar nicht erst, das zu verbergen – er zelebriert es mit dem Stolz eines Film-Nerds, der seine DVD-Sammlung vorzeigt.

Doch das Entscheidende an einem Eklektiker ist sein Geschmack – und wie tadellos der seine ist, hat Gosling als Darsteller bei der Projektwahl zu Genüge bewiesen. Dabei war der vielleicht beste Filmschauspieler seiner Generation am Set wohl auch gelehriger Schüler: Er hat sich vom Meister Nicolas Winding Refn („Drive“) in das Tarot symbolbefrachteter Fieberträume einweihen lassen. Hat andererseits bei Derek Cianfrance („Blue Valentine“) studiert, wie man die Wahrhaftigkeit von prekären Milieus und Beziehungen einfängt.

Am Mündungspunkt dieser beiden Strömungen, überschwebt vom Geist David Lynchs und in Nachbarschaft zu Harmony Korines Freak-Kolonien siedelt er seinen „Lost River“ an: ein Ort, der an der realen Morbidität des verfallenden Detroits Teil hat und Schauplatz ist für den Kampf einer alleinerziehenden Mutter („Mad Men“-Göttin Christina Hendricks) um den Erhalt ihres Hauses. Der aber zugleich ganz irreal verwunschen ist, Heim eines Fluchs und einer zweiten, versunkenen Unterwasser-Stadt, nach welcher der Sohn (Iain De Caestecker) forscht. Derweil verdingt sich Hendricks aus Geldnot in einem bizarren Burlesque-Club, der dem hyperstilisierten Horror-Kino von Dario Argento und Mario Bava entspringt – eine Hommage, die in einem infernalischen Abschied von der Horror-Königin Barbara Steele gipfelt.

Was Gosling an Kollegen versammelt, ist absurd gut: Lebensgefährtin Eva Mendes, Saoirse Ronan als Fee mit Ratte, Matt Smith nicht wiederzuerkennen als glatzköpfiger Brutalo, Ben Mendelsohn als wunderbar schmieriger Provinz-Banker. Gosling hätte gewiss einen gefälligen Erstling liefern können. Doch er ist auch als Regisseur und Autor ein Mann des kreativen Wagnisses, den Mainstream und Erfolgsgarantien wenig reizen. Selbst wenn sein Debüt narrativ vielleicht nicht ganz rund ist. Es ist nun mal kein Film der Vernunft, des Tagbewusstseins. Denn Gosling hat die Grundwahrheit begriffen: Kino ist Rausch. Ist (Alb-)Traum. Ist Fetisch, Voyeurismus. „Lost River“ hat ein Dutzend pure Bilder (Kamera: Benoît Debie) für die Ewigkeit. Wenn man sich auf ihn einlässt, ist es ein Film, in dem man forttreiben, versinken kann. Hinter, über all den benennbaren Vorbildern steht ein tieferer Quell. „Lost River“ taucht zurück zu den allerersten, kindlich-fantastischen Gründen des Erzählens: Er ist ein pechschwarzes Märchen – mit Frauen im Glassarg und einem bösen Drachen, dem der Held den Kopf abschlagen muss.

von Thomas Willmann

„Lost River“

mit Christina Hendricks, Iain De Caestecker, Saoirse Ronan

Regie: Ryan Gosling

Laufzeit: 95 Minuten

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