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Kinotrailer und Filmkritik

"Scultura": Der ganzen Menschheit nahe

  • Simone Dattenberger
    VonSimone Dattenberger
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Francesco Clericis Dokumentarfilm „Scultura“ über die Kunst des Handwerks ist selbst ein Kunst-Stück

Er ist platt. Inklusive der Schlappohren liegt der Hund da (von Velasco Vitali) – aus roten Wachsstücken zusammengesetzt. Für Regisseur Francesco Clerici ist dieses mäßig qualitätsvolle Kunstwerk nur der Ausgangspunkt für das wirkliche Kunstwerk, dem er seine Beobachtung „Scultura“ gewidmet hat: der Kunst des Handwerks. Und ihm ist dabei ein zweites Kunst-Stück geglückt, ein hinreißend guter Dokumentarfilm. Es geht um die Kunst des Bronzegusses, den Clerici mit hingebungsvollem Respekt für die diffizile Arbeit geschildert hat. Es gibt keine Gscheidhaferl-Erklärungen, es gibt kein Spannung suggerierendes „Terra X“-Geraune, es gibt fast keine Musik. Das allein schon würde ein „Hervorragend“ einbringen, aber das Geschehen in der italienischen Werkstatt übertrifft all das.

Schiller ließ uns in seiner Ballade „Das Lied von der Glocke“ den Guss-Vorgang miterleben – mit dramatischer Verve. Die braucht Clerici gar nicht, denn in Bilder gesetzt sind die handwerklichen Prozeduren vor und nach dem Guss aufregend genug. Entspannt man sich als Zuschauer am Anfang noch beim meditativen Mitverfolgen des Herumbaazelns mit Ton (der Brennmantel), vibrieren die Nerven nach und nach immer stärker. Kann das alles überhaupt gutgehen? Sehen wir den schlappen Hund jemals wieder – und in Bronze? Am Ende erkennen wir in diesem jahrtausendealten Handwerk eine unfassbare Hightech-Leistung: Da ist uns in der alten, bescheidenen Werkstatt die ganze Menschheit nahe.

„Scultura – Hand. Werk. Kunst.“

Regie: Francesco Clerici

Laufzeit: 80 Minuten

Der Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie Dokus mögen, die den Zuschauer nicht für einen Deppen halten.

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