EHEC: bislang 36 Tote - Drei Quellen verdächtig

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Die Todesursache unter dem Elektronenmikroskop: EHEC-Bakterien

Berlin - Insgesamt sind bislang 36 an EHEC oder HUS erkrankte Menschen gestorben. Die Zahl der Neuerkrankungen ist aber rückläufig. Ungeklärt ist immer noch, wie sich der Erreger verbreiten konnte.

Die Suche nach der EHEC-Infektionsquelle macht Fortschritte: Nach einer am Montag veröffentlichten Analyse sind vor allem die drei Sprossenarten Brokkoli, Knoblauch und Bockshorn verdächtig. Derweil empfahl das Bundesinstitut für Risikoforschung (BfR) den Verbrauchern, auch auf selbstgezogene Sprossen und Keimlinge zu verzichten. 

Ein Schwede ist das erste Todesopfer des Darmkeims außerhalb Deutschlands. Zuletzt meldete Hamburg den Tod einer älteren Frau. Hierzulande sind mittlerweile mindestens 35 an dem gefährlichen Darmkeim EHEC oder dem Hämolytisch-Urämischen Syndrom (HUS) erkrankte Menschen gestorben.

Das Saatgut dafür könnte mit dem gefährlichen Darmkeim EHEC belastet sein, hieß es. Bei einer Familie aus Niedersachsen besteheder Verdacht, dass selbstgezogene Sprossen Ursache für eine EHEC-Erkrankung seien. Allerdings habe der Erreger noch nicht in den Samen nachgewiesen werden können, teilte das BfR mit. “Wenn bereits die Samen mit Keimen belastet sind, dann schützt auch die Einhaltung von Küchenhygieneregeln nicht vor einer EHEC-Erkrankung“, sagte BfR-Präsident Andreas Hensel.

Laut RKI sind 3.228 Menschen an EHEC oder HUS erkrankt, die meisten davon sind weiblich und über 20 Jahre alt. Es handele sich um einen der weltweit größten bislang beschriebenen Ausbrüche von EHEC beziehungsweise HUS und den bislang größten Ausbruch in Deutschland, hieß es.

Am Freitag waren Sprossen aus einem niedersächsischen Bio-Betrieb als eine Quelle der aktuellen EHEC-Welle ausgemacht worden. Allerdings ist bislang ungeklärt, ob der Erreger vom Typ O104 durch verunreinigtes Saatgut oder durch bereits infizierte Mitarbeiterinnen auf die Sprossen gelangt ist.

Verzehrgewohnheiten analysiert

Derweil analysierten Experten die Sprossenverzehrgewohnheiten von Mitarbeitern bei dem Bienenbütteler Sprossenerzeuger. Demnach aßen fünf Beschäftige, die entweder EHEC positiv getestet worden waren oder im Mai Erkrankungssymptome gezeigt hatten, bevorzugt die Sprossenarten Brokkoli, Knoblauch und Bockshorn. Die vier befragten Mitarbeiter, die weder Erkrankungssymptome noch einen positiven Labornachweis aufwiesen, aßen hingegen bevorzugt die Sprossenarten Alfalfa und Würzige Mischung.

Die niedersächsische Gesundheitsministerin Aygül Özkan (CDU) sagte der Nachrichtenagentur dapd, das Ergebnis könne ein Hinweis auf eine bestimmte Sprossenart und damit auf einen Ursprung der Infektion durch das Saatgut sein.

Lauterbach befürchtet Folgeschäden

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach erwartet weitere EHEC-Ausbrüche. Er forderte in der “Bild am Sonntag“ eine Verbesserung des Meldesystems bei Infektionskrankheiten. Die bisherige Meldekette vom örtlichen Gesundheitsamt über das Landesgesundheitsamt an das Robert-Koch-Institut dauere mindestens eine Woche. Die Kliniken müssten in Zukunft jeden EHEC-Fall direkt per Mail an das RKI melden. Auch Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr sprach sich in der “BamS“ für ein besseres Meldeverfahren aus.

Lauterbach erwartet massive Folgeschäden für EHEC-Erkrankte. “Etwa 100 Patienten sind so stark nierengeschädigt, dass sie ein Spenderorgan brauchen oder lebenslang zur Dauerdialyse müssen.“

Gysi fordert Epidemiezentrum

Der Direktor des Dresdner Uniklinikums, Gerhard Ehninger, berichtete dem “Tagesspiegel am Sonntag“ zufolge, er habe an Himmelfahrt versucht, Informationen über die EHEC-Infektion einer Patientin an das RKI weiterzugeben. Erst vier Tage nach seiner Alarmmeldung habe er einen Rückruf vom RKI bekommen. Ein RKI-Sprecher bezeichnete dies als “schwer vorstellbar“: Schon lange vor Himmelfahrt sei wegen EHEC ein Lagezentrum eingerichtet worden, das permanent erreichbar gewesen sei.

Linke-Fraktionschef Gregor Gysi forderte ein Epidemiezentrum. Eine solche Einrichtung müsse in einem Krisenfall sofort alle Möglichkeiten haben, “alles zu recherchieren“, sagte Gysi in einem dapd-Interview. “Ich will eine Zuständigkeit haben.“

dapd

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