Ausnahmezustand aufgehoben

Balkan-Flut: Bienen sollen Landminen finden

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Die Überschwemmung richtete in Serbien großen Schaden an.

Belgrad - Nach dem Balkan-Jahrhunderthochwasser stehen den Flutopfern kräftezehrende Aufräumarbeiten bevor. Serbien hob den Ausnahmezustand auf. Bei der Suche nach Landminen sollen Bienen helfen.

In den Überschwemmungsgebieten in Serbien, Bosnien und Kroatien wurden tausende Häuser beschädigt - viele von ihnen werden wohl nie mehr bewohnbar sein, wie Kroatiens Wohnungsbauministerin Anka Mrak-Taritas am Freitag sagte. "Häuser, die vor 20 oder 30 Jahre gebaut wurden, können getrocknet und renoviert werden", sagte die Ministerin. "Aber bei älteren Häusern dürfte es einfacher sein, sie abzureißen und neue zu bauen."

Vielerorts steckten Häuser und Straßen noch metertief im Schlamm. Tausende Rettungskräfte, Soldaten und Freiwillige waren damit beschäftigt, vom Hochwasser weggespülte Autowracks, tote Kühe und anderen Unrat wegzuräumen. Im völlig überschwemmten nordbosnischen Ort Doboj wurden bereits 80 Lastwagen-Ladungen Müll eingesammelt - die städtische Müllkippe ist nach Angaben der Rettungskräfte bereits überfüllt. Auch tausende stinkende Tierkadaver müssen ins Nachbarland Serbien gebracht werden, weil die örtlichen Müllverbrennungsanlagen völlig überlastet sind.

Bei den Überschwemmungen infolge tagelanger Regenfälle waren bis Mittwoch insgesamt 51 Menschen getötet worden, fast 150.000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Zehntausende von ihnen sitzen immer noch in Notunterkünften fest.

Auch die rund 120.000 Landminen, die seit den Jugoslawien-Kriegen in den 1990er Jahren in den Böden der ehemaligen Teilrepubliken stecken und nun durch die Fluten der Save und ihrer Nebenflüsse frei gespült wurden, stellen weiterhin eine große Gefahr dar. Wie die bosnische Nachrichtenagentur BHMAC berichtete, war im kroatischen Spacva am Freitag ein Treffen von Minenexperten aus der gesamten Region geplant, um einen Aktionsplan zu erarbeiten. Im nordbosnischen Bezirk Brcko war in der Nacht zum Mittwoch eine freigespülte Landmine explodiert. Verletzt wurde jedoch niemand.

Bienen sollen bei Landminen-Suche helfen

Nicht nur Spürhunde könnten als Minensucher zum Einsatz kommen, sondern auch Honigbienen. Französische und kroatische Forscher haben Bienen darauf trainiert, den Geruch des Sprengstoffs TNT in Landminen zu erschnüffeln.

Bienen reagierten sehr sensibel auf die Gerüche bestimmter Pflanzen, erklärt der Bienenexperte Yves Le Conte vom Agrarforschungsinstitut Inra im südfranzösischen Avignon. "Die Herausforderung ist, ihnen beizubringen, TNT ausfindig zu machen." Dazu arbeitet Le Conte seit vier Jahren mit dem kroatischen Wissenschaftler Nikola Kezic von der Universität Zagreb zusammen. In ihren Versuchen haben sie den Bienen mithilfe Pawlowscher Konditionierung beigebracht, den Geruch von TNT mit süßen Nahrungsquellen in Verbindung zu bringen.

Balkan-Flut: Bilder der Zerstörung

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Ab Mitte Juni will Kezic einen Feldversuch mit einem ganzen Bienenvolk von rund 30.000 Tieren starten, finanziert aus EU-Mitteln. Er hofft, damit auch Minenräum-Experten von seiner "sehr einfachen und sehr schnellen" Methode überzeugen zu können. Bislang seien die meisten Minensucher nämlich leider skeptisch.

Serbien hebt Ausnahmezustand auf

Nach der Jahrhundertflut in Serbien hat die Regierung am Freitag den Ausnahmezustand aufgehoben. Die Rettungsmannschaften hätten in den überschwemmten Gebieten 33 Tote geborgen, sagte Innenminister Nebojsa Stefanovic in Belgrad. Davon seien 13 Menschen ertrunken. Unklar blieb, wie die anderen ums Leben kamen. Schon am Vortag hatte die Regierung den Schaden des Unwetters auf rund eine Milliarde Euro geschätzt.

AFP/dpa

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