Breivik ergab sich mit erhobenen Händen

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Oslo - Anders Behring Breivik hat sich mit erhobenen Händen ergeben. Ein belgischer Rechtspopulist hat Kontakt zu den Attentäter eingeräumt. Die norwegische Regierung hat weitere Namen der Opfer veröffentlicht.

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Polizist: "Es fiel schwer, ihn nicht zu erschießen"

Der norwegische Attentäter hat die auf der Insel Utøya eintreffende Polizei mit erhobenen Armen erwartet und seine Waffen schon vorher abgelegt. Das berichtete einer der an der Ergreifung des Attentäters beteiligten Polizeibeamten am Mittwoch.Nach Angaben der Nachrichtenagentur NTB gehörte der örtliche Polizist Jacob Bærtnes zu einer Gruppe mit acht Angehörigen der Osloer Elite-Einheit “Delta“, die eine Stunde nach dem ersten Alarm auf der Insel im Tyrifjord angekommen waren.

Bærtnes schilderte auf einer Pressekonferenz in der Bezirksstadt Hønefoss den weiteren Ablauf nach Betreten der Insel. Er sagte:

“Wir rufen, dass wir bewaffnete Polizei sind, um die Aufmerksamkeit auf uns zu richten. Wir müssen durch dichtes Gebüsch, so dass wir uns nur schwer eine Übersicht verschaffen können. Aber dann geht das Ganze in Baumgebiet über, und plötzlich steht der Täter mit hoch über den Kopf erhobenen Armen vor uns. Er wird ganz normal festgenommen. Die Waffen liegen 15 Meter hinter dem Täter.“

Norwegen trauert um die Opfer des Attentats

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Zu den Aktionen danach wollte Bærtnes nichts sagen. Polizeisprecher bestritten, dass das Boot der Einsatzgruppe wegen eines Motorschadens zehn Minuten Zeit verloren habe. Bærtnes sagte, er sei stolz auf den Verlauf dieses Einsatzes, um möglichst viele der jungen Menschen zu retten.

Breivik hat mindestens 68 Teilnehmer des sozialdemokratischen Jugendlagers getötet. Er hatte dabei eine Stunde mit einem Schnellfeuergewehr und einer Pistole auf seine verzweifelt nach Fluchtmöglichkeiten suchenden Opfern geschossen.

Weitere Opfernamen veröffentlicht: 14-Jährige getötet

Die norwegische Polizei hat am Mittwoch 13 Namen von Toten des Massakers auf der Insel Utøya veröffentlicht, darunter auch den eines 14 Jahre alten Mädchens. Am Vortag waren die ersten vier Namen bekanntgegeben worden. Insgesamt kamen bei dem Massaker sowie der Bombenexplosion im Osloer Regierungsviertel 76 Menschen ums Leben. Ministerpräsiden Jens Stoltenberg teilte in Oslo mit, dass die norwegische Regierung Begräbniskosten für alle Getöteten übernehmen will.

Zu den am Mittwoch namentlich genannten Opfern gehören eine 43 Jahre alte Frau sowie ein 51-jähriger Mann. Alle anderen waren Jugendliche im Alter zwischen 14 und 19 Jahren. Sie gehörten zu den gut 600 Besuchern des sozialdemokratischen Jugendlagers auf der kleinen Fjordinsel Utøya, auf die der Rechtsradikale Anders Behring Breivik mit einem Schnellfeuergewehr und einer Pistole Jagd gemacht hatte.

Durch die von ihm vorher im Osloer Regierungsviertel gelegte Bombe starben mindestens acht Menschen. Die Polizei will, wie bei Katastrophen in Norwegen üblich, die Namen aller Opfer veröffentlichen. Dies soll nach und nach geschehen, wenn die jeweilige Identifizierung abgeschlossen ist und die Angehörigen unterrichtet sind.

Stoltenberg teilte außerdem mit, dass eine von der Regierung unabhängige Kommission Ablauf und genaue Umstände beider Anschläge vom 22. Juli untersuchen soll.

Belgischer Rechtspopulist erhielt E-Mail von norwegischem Attentäter

Ein belgischer Rechtspopulist hat eingeräumt, eine E-Mail von dem norwegischen Attentäter Anders Behring Breivik erhalten zu haben. Der Abgeordnete Tanguy Veys von der Partei Vlaams Belang sagte am Mittwoch, er sei einer von insgesamt 1.002 Adressaten gewesen, wolle aber in keiner Weise mit dem Terrorakt in Verbindung gebracht werden. Nach Angaben der norwegischen Polizei verschickte der 32-jährige Attentäter etwa 90 Minuten vor der Explosion im Regierungsviertel von Oslo ein 1.500 Seiten umfassendes Manifest an rechtspopulistische gesinnte Personen in ganz Europa.

Mitglied der Front National wegen Äußerungen zu Breivik suspendiert

Die rechtspopulistische französische Partei Front National hat am Mittwoch eines ihrer Mitglieder wegen umstrittener Äußerungen zu den Anschlägen in Norwegen suspendiert. In seinem Blog hatte Jacques Coutela den Attentäter Anders Behring Breivik als Ikone bezeichnet. Partei-Sprecher Alain Vizier erklärte, dass Coutelas Worte nicht den Auffassungen der Partei entsprächen.

Coutelas soll sich den Angaben zufolge vor einer parteiinternen Kommission verantworten. Der Beschuldigte sagte, er habe die Meinung eines Dritten zitiert und verurteile die Anschläge.

dpa/dapd

Rubriklistenbild: © dpa

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