Tiangong 1

Wann und wo stürzt Chinas erste Weltraumstation auf die Erde? 

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Eine Illustration zeigt das 8,5 Tonnen schwere Raummodul "Tiangong-1" - übersetzt "Himmelspalast".

Eine chinesische Raumstation stürzt bald aus dem All auf die Erde ab. Ihr Name: „Tiangong 1“. Das bedeutet Himmelspalast. Doch könnten Trümmer davon auf der Erde einschlagen und, wenn ja, wo?

Es klingt nach einen Hollywood-Film - doch es ist Realität: Tiangong 1 kommt der Erde jeden Tag ein Stück näher. Die chinesische Weltraumstation ist 8,5 Tonnen schwer und rund zehn Meter lang. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann Tiangong 1 in die Atmosphäre eintritt. Bis zu 100 Kilo schwere Trümmer könnten dann auf die Erde krachen, warnen Experten. Denn: Die Weltraumstation ist außer Kontrolle. 

Das China Probleme mit Tiangong 1 hat und sie nicht mehr steuern kann, war von Raumfahrtexperten schon 2016 vermutet worden. Dass sich die Raumstation wirklich unkontrolliert auf die Erde zubewegt, bestätigte die chinesische Raumfahrtagentur jedoch erst nach Monaten.

Wo befindet sich Tiangong 1 gerade?  

Noch kreist Tiangong 1 (Himmelspalast) um die Erde, doch die Höhe der Umlaufbahn nimmt kontinuierlich ab: Im Mai flog die Raumstation noch in 350 Kilometern Höhe über die Erdoberfläche, im Oktober nur noch in 300 Kilometern Höhe.   

Die aktuelle Umlaufbahn lässt sich auf einer Satelliten-Tracker-Webseite www.n2yo.com live verfolgen. 

Die Flugbahn von Tiangong 1 lässt sich live auf einer Webseite verfolgen.

 

Die wichtigsten Fakten zu Tiangong 1 oder Himmelspalast

  • Im September 2011 hatte China Tiangong 1 oder „Himmelspalast“ ins All geschossen. Eine Rakete vom Typ „Langer Marsch 2FT1“ hatte das Weltraummodul in eine Umlaufbahn in Höhe von 350 Kilometern gebracht.
  • Die Raumstation ist 8,5 Tonnen schwer, zwölf Meter lang und hat einen maximalen Durchmesser von 3,4 Metern. Sie besteht aus zwei Modulen: Einem Versorgungsmodul mit Treibstofftank sowie Sonnenkollektoren für die Stromversorgung und einem Labormodul, in dem drei Astronauten arbeiten und leben können.
  • Tiangong 1 sollte knapp zwei Jahre die Erde umrunden und dann 2013 kontrolliert ins Meer stürzen.
  • Tiangong 1 steht für die ehrgeizigen Pläne Chinas in der Raumfahrt, vor allem für den Bau einer eigenen Weltraumstation. Mit dem Raumlabor haben chinesische Raumschiffe der „Shenzhou“-Reihe Kopplungs- und Andockmanöver absolviert.
  • Chinas erste Frau im Weltraum - Liu Yang - war 2012 natürlich auch auf Tiangong 1 zu Gast.
  • 2013 verfolgten mehr als 60 Millionen Schüler eine Physik-Unterrichtsstunde von der Astronautin Wang Yaping live aus dem Himmelspalast.
  • Im Juni 2013 endete die Versuchsserie mit Tiangong1 mit einem wichtigen Experiment: Drei Astronauten hatten zuvor zwölf Tage das Raummodul bewohnt. Dann absolvierten die Raumfahrer erstmals ein Umkopplungsmanöver, bei dem das Raumschiff „Shenzhou 10“ um das Raummodul herum flog und erneut ankoppelte.
  • Am 16. März 2016 hat China die Kontrolle über das Weltraumlabor Tiangong 1 verloren. 
  • In den nächsten Monaten soll die Raumstation aus dem All auf die Erde stürzen.

Wann stürzt Tiangong 1 wirklich auf die Erde ab?

Tiangong 1 wird auf die Erde einschlagen, soviel steht fest. Das Labor umkreist nach Auskunft der chinesischen Raumfahrtagentur die Erde zunächst in immer niedrigerer Umlaufbahn und wird bis April 2018 in den Sturzflug übergehen. Internationale Raumfahrtexperten erwarten dagegen eine Kollision mit der Erde in einem größeren Zeitraum, nämlich von Ende 2017 bis April 2018.

„Wir rechnen Januar, Februar mit dem Eintritt in die Erdatmosphäre“, sagte Holger Krag von der Europäischen Raumfahrtagentur Esa in Darmstadt im Oktober der dpa.

Wann und wo genau Tiangong 1 auf die Erdoberfläche trifft, steht jedoch nicht fest. Erst Anfang des Jahres 2018 lasse sich eine Prognose verfeinern, sagte Krag gegenüber Welt.de.

„Selbst einige Tage vor dem Wiedereintritt wissen wir wahrscheinlich nicht konkreter als sechs oder sieben Stunden im Voraus, plus oder minus, wann es runter kommen wird“, sagt Astrophysiker Jonathan McDowell von der Harvard Universität dem amerikanischen Nachrichtenmagazin The Guardian.com.

Das Raumlabor bewegt sich schneller als sieben Kilometer pro Sekunde. Doch Schwankungen in der Erdatmosphäre machen eine genaue Vorhersage unmöglich.  

Die chinesischen Raumfahrtbehörden wollen Tiangong 1 genau im Augen behalten und rechtzeitig vor dem Absturz warnen.

Ist der Kollisionskurs von Tiangong 1 für Deutschland gefährlich?

Die Flugbahn von Tiangong 1 befindet sich zwischen dem nördlichen und südlichen 43. Breitengrad. In Europa wäre das, laut Welt.de, eher Spanien, das südliche Italien oder die Türkei und Griechenland, die die Raumstation treffen könnte. Tiangong 1 überfliegt nicht Deutschland.  

Experten hoffen, dass Tiangong 1 auf unbewohnten Gebiet einschlägt oder im Ozean landet. Eine genaue Vorhersage sei jedoch unmöglich.

Was passiert wenn Tiangong 1 in die Erdatmosphäre eintritt?

Erfahrungsgemäß verglühen ausgediente Satelliten nach erfolgreicher Mission beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre. Wenn Reibung und Druck zunehmen, bricht auch das Weltraumlabor auseinander, erwarten Experten. Auch ein Großteil des chinesischen Raumlabors Tiangong 1 werde in der Atmosphäre verglühen, meint der australische Raumfahrtexperte Morris Jones. 

Doch nicht alles wird verglühen. Treibstofftank und Dämmmaterial sind äußerst hitzebeständig. Nach Ansicht von McDowell könnten einige dieser Teile bis zu 100 Kilo wiegen, wenn sie auf die Erde krachen. Das Risiko, dass Menschen oder Häuser getroffen werden, sei aber äußerst gering. 

dpa/ml

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