Val Bondasca im Kanton Graubünden

Tote in der Schweiz? Dieses Video zeigt den katastrophalen Bergsturz

Plötzlich scheint ein Berghang zu zerbröseln, und riesige Geröllmengen stürzen herab: Ein Bergsturz begräbt Teile eines Tals nahe St. Moritz in der Schweiz. Dort werden Wanderer vermisst. Ihr Schicksal ist ungewiss.

Graubünden/Bondo - Ein Bergsturz von riesigem Ausmaß hat acht Wanderer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz in den Schweizer Alpen überrascht. Sie wurden am Donnerstag vermisst, wie die Kantonspolizei in Graubünden mitteilte. Polizei und Angehörige konnten die Wanderer im Bondasca-Tal telefonisch nicht erreichen.

Die Suche nach ihnen gehe auch in der Nacht weiter, sagte eine Sprecherin der Polizei im Kanton Graubünden. Hubschrauber seien mit Wärmekameras im Einsatz.

Das Außenministerium in Wien erklärte, zu den Vermissten zähle ein österreichisches Ehepaar. Das Auswärtige Amt in Berlin machte zunächst keine Angaben zu den vermissten Deutschen. Ein Polizeisprecher sagte der Zeitung "20 Minuten", Kinder zählten nicht zu den Vermissten

Video vom Moment des Bergsturzes

Vom Piz Cengalo stürzten Gesteinsmassen ins Tal

Die nach dem Bergsturz in der Schweiz vermissten Wanderer haben sich nach Angaben der Behörden in einem offiziell ausgewiesenen Gefahrengebiet aufgehalten. Die Gemeinde Bondo habe zuletzt am 14. August eine Warnung vor einem möglichen Felssturz herausgegeben, sagte die Gemeindepräsidentin Anna Giacometti am Donnerstag bei einer Pressekonferenz. 

„Die Leute haben gewusst, sie bewegen sich in einem gefährdeten Gebiet.“ Auch die Hüttenwirte hätten Wanderer auf die Gefahren aufmerksam gemacht, sagte Giacometti.

Das Unglück habe sich am Mittwochmorgen in der Region Val Bondasca im Kanton Graubünden ereignet, teilte die Kantonspolizei am Donnerstag mit. Acht Menschen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die sich während des Unglücks vor Ort aufhielten, seien noch nicht gefunden worden. Wie die Polizei bekannt gab, konnten die acht Vermissten bislang "nicht erreicht" werden. Zunächst hatte die Polizei erklärt, bei dem Erdrutsch sei niemand zu Schaden gekommen.

Das Unglück ereignete sich demnach am Mittwoch in der Region Val Bondasca im Kanton Graubünden.

Vom Berg Piz Cengalo waren am Mittwoch gegen 09.30 Uhr Gesteinsmassen in ein Tal hinter dem Dorf Bondo gestürzt. Dadurch wurden Erdmassen bis zu der Ortschaft geschoben. Das Dorf in der Nähe der italienischen Grenze wurde evakuiert, etwa hundert Menschen wurden in Sicherheit gebracht. Dabei kamen laut Polizei auch Hubschrauber zum Einsatz. Die durch das Tal führende Hauptstraße wurde gesperrt. 

Es rutschten nach Schätzungen bis zu vier Millionen Kubikmeter Geschiebe mit Schlamm mit größeren Gesteinsbrocken nach. Das ist mehr, als die Außenalster in Hamburg an Volumen fasst. Die Gesteins- und Schlammlawine hat das Tal am Mittwoch auf einer Länge von fünf Kilometern teilweise mehrere zehn Meter hoch verschüttet.

Bergsturz-Gefahr war bekannt

Experten hatten den Bergsturz erwartet, seien aber von den mitgeschwemmten Wassermassen überrascht worden, berichtete die Lokalzeitung „Engadiner Post“. Bondo liegt an der Grenze zu Italien, rund 35 Kilometer südwestlich von St. Moritz.

Nach einem Bergrutsch im Südosten der Schweiz werden acht Menschen vermisst, darunter auch Deutsche.

Der Schweizerische Erdbebendienst erklärte, der Bergrutsch sei so schwer gewesen, dass in der gesamten Schweiz Erschütterungen registriert worden seien. Ihre Stärke habe einem Erdbeben der Stärke 3,0 entsprochen. Ein derartiges Ereignis sei nach Felsstürzen in dem Gebiet in den Jahren 2011, 2012 und 2016 bereits erwartet worden. Das in der Region installierte Alarmsystem wurde am Mittwochmorgen ausgelöst.

Gewaltiger Bergsturz in der Schweiz

Bereits 2012 hatte sich am Piz Cengalo ein Bergrutsch ereignet. Dabei stürzten knapp vier Millionen Kubikmeter Gestein in ein unbewohntes Tal. Zuletzt gab es im November 2014 einen tödlichen Erdrutsch in der Schweiz. Dabei wurden in Davesco-Soragno im Kanton Tessin zwei Menschen getötet und vier weitere verletzt.

Größte Bergsturz der letzten Jahrzehnte

„Das war der größte Bergsturz der letzten Jahrzehnte“, sagte Martin Keiser vom Amt für Wald und Naturgefahren. Rund vier Millionen Kubikmeter Gestein hatten sich am Mittwoch vom 3369 Meter hohen Piz Cengalo gelöst. Die Gesteinsmenge entspricht fast zwei Cheops-Pyramiden. Erst im Laufe des Abends wurde das ganze Ausmaß des Unglücks erkannt.

Allein die Druckwelle der zerstörerischen Walze knickte viele Bäume um. Das Dorf Bondo am Talschluss musste geräumt werden. Rund 100 Einwohner kamen mit dem Schrecken davon, weil ein Vorwarnsystem Alarm geschlagen hatte. Der Bergsturz am Piz Cengalo war so gewaltig, dass die Erdbebenwarte in Zürich die Erschütterungen registrierte.

Was ist ein Bergsturz?

Wenn riesige Gesteinsmassen aus einem Felsmassiv herausbrechen, sprechen Geologen von einem Bergsturz. Sie verwenden den Begriff in der Regel, wenn sich mindestens eine Million Kubikmeter Schutt oder Felsen lösen. Bei kleineren Volumina ist eher von einem Felssturz oder im geringsten Fall von Steinschlag die Rede.

Natürliche Prozesse wie Tauen oder Gefrieren tragen zur Verwitterung des Gesteins bei. Erdbeben, extreme Regenfälle oder abschmelzende Gletscher können die Katastrophe auslösen. Bergstürze kündigen sich meist schon Tage oder Wochen vorher durch zunehmenden Steinschlag an. Mit Geschwindigkeiten von mehr als 140 Stundenkilometern bewegen sich die Fels- und Schuttmassen kilometerweit, verursachen gewaltige Schäden und verändern das gesamte Landschaftsbild.

Der Goldauer Bergsturz von 1806 gilt als eine der bisher größten Naturkatastrophen der Schweiz. 30 bis 40 Millionen Kubikmeter Gestein stürzten damals vom Südhang des Rossberges (Kanton Schwyz) ins Tal und zerstörten mehrere Dörfer. Mehr als 450 Menschen kamen ums Leben.

afp/dpa

Zurück zur Übersicht: Welt-News

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser