Region Emilia-Romagna

Hilfe nach Erdbeben in Norditalien angelaufen

Rom - Die Erde in Norditalien bebt ohne Ende: 24 Stunden nach den Erdstößen in der Region Emilia-Romagna sind mehr als 200 Nachbeben registriert worden.

Die Rettungskräfte suchten am Mittwoch in den Trümmern weiter nach Überlebenden. Unter den Überresten einer eingestürzten Fabrik in Medolla entdeckten sie die Leiche eines Arbeiters, der als vermisst gemeldet worden war. Bislang starben damit mindestens 17 Menschen.

“Wir gehen davon aus, dass zur Zahl von 17 Toten keine weiteren Opfer mehr hinzukommen werden“, sagte der Leiter des Katastrophenschutzes, Franco Gabrielli. Es seien keine Vermissten mehr gemeldet. 350 Menschen wurden bei dem Beben der Stärke 5,8 verletzt. 8000 Bewohner verloren ihre Bleibe. Damit mussten insgesamt 14 000 Menschen in Camps, Hotels und anderen provisorischen Unterkünften unterbracht werden, nachdem bei dem Beben vor gut einer Woche bereits 6000 Bewohner ohne Wohnung geblieben waren.

Während die Emilia-Romagna über die Toten trauerte und erste Ermittlungen über das Ausmaß der Schäden einleitete, startete die italienische Regierung erste Hilfsmaßnahmen. Zur Finanzierung des Wiederaufbaus verabschiedete sie eine Erhöhung der Benzinsteuer um zwei Cents. Außerdem befreite sie die von der Katastrophe betroffenen Kommunen von der Pflicht, die Bestimmungen der Sparpolitik einzuhalten. Ein Hilfskonvoi aus Rom brachte Zelte, Betten, Kleidung und Trinkwasser in das Katastrophengebiet.

Aus Angst vor neuen Beben verbrachten viele Bewohner die Nacht in ihren Autos oder suchten Unterschlupf bei Bekannten in anderen Teilen des Landes. “Wir können weitere Beben nicht ausschließen“, sagte der Seismologe Claudio Chiarabba vom Nationalen Geophysikalischen und Vulkanologischen Institut dem Sender Rai News.

Schweres Erdbeben erschüttert Italien

Schweres Erdbeben erschüttert Italien

Das Epizentrum des Bebens vom Dienstag lag in derselben Gegend von Modena, die bereits vor gut einer Woche von einem Beben der Stärke 6,0 heimgesucht worden war. Damals starben sieben Menschen, etwa 50 wurden verletzt. Die Regierung in Rom erklärte den kommenden Montag (4. Juni) in Italien zum Trauertag für die Erdbebenopfer.

Präsident Giorgio Napoletano übte Kritik an den Politikern: “Die Politik zur Vorbeugung von Erdbebenschäden war in hohem Maße unzureichend“, sagte der Staatschef. Tote hatte es - wie schon beim ersten Beben - vor allem in eingestürzten Fabriken gegeben. Ingenieure hatten die Gebäude gerade wieder freigegeben, wie Rai News berichtete. Das Fernsehen zeigte Trümmerhaufen von Fabriken, die wie Kartenhäuser zusammengefallen waren. Der Oberstaatsanwalt von Modena, Vito Zincani, kündigte die Einleitung von Ermittlungen an. “Die Politik zum Bau dieser Fabrikanlagen war selbstmörderisch“, sagte er.

Auch der Schaden am Kulturerbe der Region ist immens. Viele historische Gebäude stürzten ein, alte Kirchen wurden zerstört; der Palazzo Ducale in Mantua bekam Risse. In der Provinz Mantova sind nach den Erdbeben vom 20. und 29. Mai von 300 Kirchen etwa 100 beschädigt oder eingestürzt.

dpa

Rubriklistenbild: © AP

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