Es gibt dort auch Maniküre

Die erste Autowerkstatt nur für Frauen

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Paris - Eine Nackenmassage, eine Maniküre und ein Crash-Kurs in Automechanik: In der Werkstatt "Only Girls" im Großraum Paris werden nicht einfach nur Zündkerzen ausgetauscht und Auspuffe repariert.

Der kürzlich eröffnete Betrieb wendet sich - wie sich aus dem Namen unschwer erkennen lässt - an weibliche Kundschaft, die sich von Kfz-Mechanikern oft herablassend behandelt oder gar über den Tisch gezogen fühlt. In der männerdominierten Welt der Autoreparatur läuft das Geschäft gut für das "Only Girls", auch wenn Kritiker alte Klischees bedient sehen.

"Als Frau ist es, als stehe 'die Dumme' auf deiner Stirn geschrieben", berichtet die alleinerziehende Mutter Sandrine Hautenne von früheren Erfahrungen beim Automechaniker. "Einmal habe ich in drei Werkstätten einen Kostenvoranschlag eingeholt, jedes Mal war der Preis anders. Seitdem schicke ich meinen Onkel - und merkwürdigerweise sinken die Preise." Bei den Kfz-Mechanikerinnen von "Only Girls" fühlt sich die 42-Jährige gut aufgehoben: Sie hat Vertrauen in die Mitarbeiterinnen, lobt die Transparenz - und die Abwesenheit von Macho-Gehabe.

Schon der Empfangsbereich des "Only Girls" im Pariser Vorort Saint-Ouen-l'Aumône wirkt mehr wie der eines Wellnessbereichs als der einer Autowerkstatt: In lila gehaltene Wände, gemütliche Sessel und Sofas, Parkettboden und Kerzen. Es gibt einen kleinen Schönheitssalon mit Massagesesseln für wartende Kundinnen und eine Spielecke für Kinder. "Hier wird man super gut empfangen", freut sich Jennifer Collon, während sie den frisch aufgetragenen rubinroten Nagellack trocknen lässt.

Die Mechanikerinnen nehmen sich auch die Zeit, ihren Kundinnen zu erklären, was genau an ihrem Auto kaputt ist und repariert oder ausgetauscht werden muss. Wozu dient ein Zahnkranz? Woran erkenne ich, dass die Bremsscheiben abgenutzt sind? "Ein Mann hätte mir all das nicht erklärt", sagt Sandrine Hautenne. Der Leiter der Werkstatt und einzige Mann in dem Betrieb, Laïd Hdachi, betont: "Wir tauschen nur dann etwas aus, wenn es absolut notwendig ist, und wir zeigen den Kundinnen die Teile und erklären, was wir machen."

Ein Vorreiter ist Frankreich nicht bei den Kfz-Werkstätten für Frauen, in Deutschland etwa gibt es das schon seit Jahren. Allgemein sei Frankreich etwas hinterher bei auf Frauen zugeschnittenen Angeboten, meint Rodolphe Bonnasse, Konsumexperte im Kommunikationsunternehmen CA Com. Doch auch hier hat der Trend des sogenannten Gender Marketing Einzug gehalten, gibt es Fitness-Studios, Kreditkarten, Versicherungsangebote speziell für Frauen.

Die Autowerkstatt in Saint-Ouen-l'Aumône, die das Konzept von einem Betrieb im südfranzösischen Montpellier übernommen hat, stößt aber nicht nur auf Zuspruch. Kritiker sehen in dem Konzept keinen Fortschritt, sondern eine Herabwürdigung von Frauen. "Dahinter verbirgt sich doch ein rückständiger Diskurs voller Stereotype", sagt etwa die Bloggerin Sophie Gourion. Unterschwellig sei die Botschaft, dass Frauen eben doch "ein bisschen doof" seien.

Für die Kfz-Mechanikerin Aurore Dabireau war das "Only Girls" aber ein Glücksfall: Nach ihrer Ausbildung suchte sie drei Jahre lang einen Job, bevor sie schließlich in der Frauen-Werkstatt eingestellt wurde. In der Branche würden Frauen noch auf viel Ablehnung stoßen, sagt die 24-Jährige. "Mir wurde gesagt: 'Du hast hier nichts zu suchen.'" Bei ihren Kundinnen, so viel steht fest, wird Dabireau solche Sprüche nicht zu hören bekommen.

AFP

Rubriklistenbild: © dpa

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