Europa verstärkt Erdüberwachung

Erster Sentinel-Satellit ins All gestartet

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Das Kontrollzentrum in Kourou.

Kourou - Zur Erdbeobachtung hat Europas Raumfahrtagentur Esa den ersten Satelliten der neuen „Sentinel“-Reihe ins All geschossen. Der blaue Planet soll in weniger als einer Woche komplett erfasst sein.

Für die Beobachtung der Erde aus dem All hat eine neue Ära begonnen: Vom europäischen Raumfahrtzentrum Kourou in Französisch-Guayana startete am Donnerstag kurz nach 23 Uhr MESZ der erste Satellit des europäischen Copernicus-Programms an Bord einer Sojus-Trägerrakete in den Erdorbit. Der 2,2 Tonnen schwere Satellit Sentinel-1A wird mit seinem High-Tech-Radar die Oberfläche der Erde bei allen Wetterlagen abtasten.

Die Arianespace-Gesellschaft übertrug den Start live im Internet. Das Copernicus-Projekts verfolgt das Ziel, den aktuellen Zustand des blauen Planeten kontinuierlich zu erfassen und Fernerkundungsdaten über Ozeane, Landflächen, Atmosphäre und Klimawandel zu sammeln. Diese Daten sollen dann zeitnah Behörden, Unternehmen und Bürgern zur Verfügung gestellt werden. Die Sentinel-Daten können aber auch bei Naturkatastrophen wie Überflutungen die Arbeit von Rettungskräften unterstützen, die Eismassen an den Polen erfassen oder Ölfilme auf den Ozeanen beobachten.

Für das Programm wird nach und nach eine ganze Flotte von Satelliten ins All geschossen. Hinter Copernicus, einem Gemeinschaftsprojekt von Europäischer Kommission und Europäischer Weltraumagentur (ESA), verbirgt sich das größte bislang entworfene Erdbeobachtungsprogramm. Nach dem europäischen Satelliten-Navigationssystem Galileo gilt Copernicus als zweites Flaggschiff der europäischen Weltraumpolitik.

Dabei werden Sentinel-1A und sein baugleicher Zwillingssatellit Sentinel-1B, der im kommenden Jahr starten soll, eine große Rolle spielen: Die beiden Sentinel-1-Satelliten werden unter anderem vulkanische Aktivitäten in ihr Radar-Visier nehmen, außerdem Erdbeben, Erdrutsche und Überschwemmungen. Zudem werden sie das Meer beobachten, um Behinderungen durch Meereis oder Ölverschmutzungen frühzeitig zu erkennen und damit die Schifffahrt sicherer zu machen.

Die Daten der Satelliten dürften sich bei Katastropheneinsätzen als ausgesprochen hilfreich erweisen. Denn wenn bei humanitären Hilfseinsätzen Informationen in kurzer Zeit benötigt werden, können die innerhalb von 60 Minuten verfügbaren Sentinel-1-Bilddaten wichtige Aufschlüsse über die aktuelle Lage und Entwicklung geben. Auch trüben weder Tageszeit noch Wetter den Radar-Blick der Satelliten - bei Wolken und Regen kann das moderne Radarinstrument an Bord der Satelliten ebenso Aufnahmen der Erdoberfläche fertigen wie in der Dunkelheit.

Wenn beide Sentinel-1-Satelliten im Erdorbit sind, werden sie innerhalb von sechs Tagen einmal die komplette Oberfläche des Planeten erfassen. Ihre Daten schicken sie zur schnellen Verarbeitung an Bodenstationen rund um den Globus. In den Folgejahren starten dann weitere Sentinel-Satelliten, die unser Wissen über die Umwelt und drohende Umweltprobleme vertiefen sollen: Die Sentinel-Missionen 2 bis 4 werden künftig unter anderem hochauflösende Kameraaufnahmen der Erdoberfläche sowie Messungen der Temperatur und Farbe der globalen Meeresoberflächen liefern.

Auch die Sentinel-5-Mission ist bereits beschlossene Sache: Vom Jahr 2021 an soll im Zuge dieses Projekts ein Spektrometer vom Weltraum aus ständig die Zusammensetzung der Atmosphäre analysieren. Dabei bestimmt das Gerät unter anderem den Gehalt an Spurengasen und Aerosolen - beide sind wichtig für das Klima und die Luftqualität.

Die Bundesregierung finanziert rund ein Drittel des Programms. Die Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie und Koordinatorin der Bundesregierung für die deutsche Luft- und Raumfahrt, Brigitte Zypries (SPD), erklärte, Copernicus sei auch ein "Symbol für eine erfolgreiche Zusammenarbeit - zwischen den europäischen Mitgliedsstaaten, der Europäischen Union und der Europäischen Weltraumorganisation ESA".

Sentinel ist das englische Wort für Wächter. Copernicus ist nach dem polnischen Astronomen Nikolaus Kopernikus (1473 bis 1543) benannt. Er arbeitete entgegen der bis dahin vorherrschenden Auffassung heraus, dass sich die Erde um die eigene Achse dreht und sich zudem wie die anderen Planeten um die Sonne bewegt.

dpa

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